Tangerhütte l „Oberkante Unterlippe“ stand das Jahrtausendhochwasser der Elbe 2013 an den Deichen der Region. Einer von denen, auf deren DIN-gerechte Sanierung Bürger und Stadträte seit dieser Zeit drängen, weil der bei einem Bruch die Stadt Tangerhütte und die halbe Tangerniederung fluten könnte, ist der Treueldeich am Sandkrug bei Rogätz.

Der Treuel, ein alter Elbarm, der bis heute zu einem Teil zu Kehnert gehört, bildet den südlichen Zipfel der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte und von dort komme eine Gefahr, die bis 2013 fast völlig unterschätzt worden sei, glauben Engagierte wie Wolfgang Kinszorra, Stadtrat und Vorsitzender des Deichausschusses der Einheitsgemeinde. Mit weiteren Stadtratsmitgliedern initiierte er damals den Ausschuss, der immer wieder Antworten einforderte.

Nach der großen Flut

Der „zeitweilige Ausschuss für die DIN-gerechte Sanierung aller Hochwasserdeiche in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte“ gründete sich 2014 – nach der letzten großen Flut, und er forderte immer wieder auch die zeitnahe Sanierung des Bauwerks am Treuel. Ein Deich, in dem Bäume wachsen, Stubben geblieben sind und neben denen zwei alte Baggerseen liegen, durch die die Gefahr des Unterströmens bei Hochwasser bestehen könnte, lässt einige Tangerhütter seit Jahren schlecht schlafen.

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Anfangs stand der Treuel­deich noch für 2017 auf der Sanierungsliste des Landes. Seither wurde mehrfach verschoben, auch wenn die Tangerhütter immer wieder auf die Dringlichkeit aufmerksam machten. Doch das Land hatte viele Baustellen in den vergangenen Jahren.

Hieß es Anfang 2020 noch, der Neubau des ersten Deichabschnitts (Deichkilometer 0.0 bis 2.6) solle im dritten Quartal 2020 beginnen, wurde Ende des Jahres noch einmal verschoben: auf den 1. März 2021. Doch ob dieser Termin gehalten werden kann, scheint angesichts der aktuellen Entwicklungen fraglich. Die Arbeiten seien nach einem entsprechenden Ausschreibungswettbewerb ordentlich vergeben worden, es hätten sich auch sehr viele Unternehmen beworben, teilt der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft auf Volksstimme-Anfrage mit.

Zuversicht über Deichbau

Einer der Mitbewerber aber habe nun ein Vergabenachprüfungsverfahren gefordert, über das bei der Vergabekammer des Landes voraussichtlich am 18. Februar entschieden werden soll. LHW-Direktor Burkhard Henning ist dennoch zuversichtlich, dass es in diesem Frühjahr losgehen kann.

Der Treueldeich soll in zwei Abschnitten ausgebaut werden, der erste ist der vom Deichkilometer 0,0 bis 2,6. Ihm folgt der zweite Bauabschnitt (Deichkilometer 2,6 bis 4,4), der auch als sogenannter „Heldendeich“ von 2002 bezeichnet wird, weil ihn damals die Bundeswehr in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aufgeschüttet hatte, um die Region damals vor dem ersten großen Jahrhunderthochwasser der Elbe zu schützen.

Dieser zweite Teil ist derzeit in der Planungsphase. „Wir gehen davon aus, dass die Genehmigung hierfür im 1. Halbjahr 2021 vorliegt“, teilt Burkhard Henning, Direktor des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), jetzt mit. Insgesamt sollen mehrere Millionen Euro am Treuel verbaut werden.

Baubeginn in Bittkau

Auch für den Bereich Bittkau, wo ein ganzes Stück Deich fehlt, stand 2020 einmal als möglicher Baubeginn auf dem Papier. Aktuell wartet man auf einen Scopingtermin beim Landesverwaltungsamt, bei dem alle Träger öffentlicher Belange beteiligt werden. Die Dauer für das Planfeststellungsverfahren, um im Bereich Bittkau einen etwa 700 Meter langen Hochwasserschutz nachzurüsten, könnte bis zu drei Jahre betragen.

Für den geplanten Tangerpolder bei Tangermünde sind die Untersuchungen derzeit noch nicht abgeschlossen. Das LHW geht derzeit davon aus, dass die Ergebnisse zum Ende des ersten Halbjahres 2021 vorliegen.