Arneburg l Sie begann locker, die fünfte Hochwasserkonferenz im Feuerwehrtechnischen Zentrum (FTZ). Zunächst einmal wurde nämlich der vom Land geförderte Feldkochherd übergeben, in dem bereits das Mittagessen warmgemacht wurde. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) nahm sich eine Kelle Rotkohl und meinte: „Machen wir doch mal einen Veggie-Day“. Schon während des Hochwassers 2013 spielte die Versorgung eine wichtige Rolle, denn – so Stahlknecht – „Ohne Mampf kein Kampf“.

Seit 2014 wird mit der Hochwasserkonferenz an das Jahrhunderthochwasser 2013 erinnert. Am Montag fand sie erstmals in Arneburg statt, das Thema war Katastrophenschutz, aber natürlich ging es einmal mehr um den Rückblick. „Am 5. Juni habe ich um 8 Uhr den Katastrophenzustand ausgerufen, am 10. Juni brach um 0.20 Uhr der Deich, am 2. Juli habe ich um 12 Uhr den Katastrophenzustand aufgehoben“, gab Landrat Carsten Wulfänger eine Kurzchronologie. Noch immer sei das Interesse an dem Hochwasser ungebrochen, nach dem Hochwasser sei schließlich auch vor dem Hochwasser.

Überreste der gesprengten Schiffe

Minister Stahlknecht, der erstmals an einer Hochwasserkonferenz teilnahm, lobte Wulfänger dafür, wie er als frischgebackener Landrat die Situation gemeistert habe. Krisen seien nicht vorhersehbar, die Kunst sei ihre Beherrschung und das habe er wirklich sehr gut gemacht. Und er hatte noch etwas mitgebracht. Zur Feldküche gehört ein sogenannter Gerätewagen Betreuung, Stahlknecht überreichte den Zuwendungsbescheid über 80 000 Euro.

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Sebastian Stoll, zweiter Beigeordneter des Landrates, begann seine Betrachtungen zum Thema Katastrophenschutz mit einer Anekdote. „In der vergangenen Woche rief jemand von einer Landesbehörde an und wollte wissen, wo denn die gesprengten Schiffe geblieben seien und ob die tatsächlich nicht mehr für die Schifffahrt taugen“, erzählte er. Am 15. Juni 2013 waren drei Schiffe gesprengt worden, um die Deichlücke zu schließen.

Einzelne Teile liegen auf dem Gelände des FTZ, sollen einmal an oder auf dem Fischbecker Deich die Spaziergänger an die Tage des Hochwassers erinnern. „Das war eine der besten Aktionen eines Innenministers“, raunte Stahlknecht, als ihm Wulfänger die Überreste zeigte.

Ausbildung verstärkt

Vorrangig nach vorn blickte man aber beim Landkreis und legte sehr viel Wert auf Aus- und Weiterbildung im Katastrophenschutz. Während vor 2013 nur einzelne Stunden auf dem Gebiet absolviert worden waren, wurden im vergangenen Jahr und 2014 rund 6000 Stunden registriert. In Abstimmung mit den Gemeinden ging es um einheitliche Kommunikation, Begriffe und Stabsstellen. Fortbildungen wurden in Stendal, Tangermünde und Tangerhütte angeboten.

Osterburgs Wehrleiter Sven Engel blickte zurück auf die Abläufe der technischen Einsatzleitung in Büttnershof. Er hatte dort die Leitung inne, berichtete vom guten Miteinander der Kräfte von Feuerwehr, Verwaltung und Bundeswehr. „Es war gut, dass wir regionale Einsatzkräfte hatten, das sorgte für Vertrauen bei der Bevölkerung, was sehr bedeutend war“, nannte er einen wichtigen Aspekt.

Wichtig für einen Einsatz im Katastrophenfall, das war schon am Anfang festgestellt worden, ist die Versorgung der Einsatzkräfte mit Essen und Trinken. Katalin Soppart, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe, gab einen Einblick darin, wo überall Menschen der Hilfsorganisation während der Hochwasserwochen beim Kampf gegen Hunger und Durst halfen. In der Zeit vom 6. bis 28. Juni waren Johanniter in Arneburg, Sandau und Schollene im Einsatz. Insgesamt 30.000 Mahlzeiten wurden in der Zeit ausgegeben. Außerdem wurden 120 Pflegebedürftige evakuiert. 7600 Helferstunden sammelten die Johanniter allein im Landkreis Stendal.

Mindestens ein Löschzug einsatzbereit

Am 4. Juni um 19.30 Uhr bekam die Freiwillige Feuerwehr Stendal den Auftrag, eine Sandsackfüllstation auf dem Flugplatz Borstel zu betreiben. Wehrleiter Michael Geffers erinnerte an diesen Einsatz. „Zunächst einmal ist das nicht unsere Kernkompetenz, denn die ist retten, löschen, bergen, schützen“, sagte Geffers. Das Tagesgeschäft gehe weiter. Damals habe die Waldbrandwarnstufe zudem bei 4 gelegen. Daher sei mindestens ein Löschzug im Gerätehaus bereit gewesen, außerdem hätten die Ortswehren gute Unterstützung geleistet.

Neben dem Füllen der Sandsäcke seien die Koordination der Helfer und das Absichern, wenn Hubschrauber betankt wurden, weitere Aufgaben gewesen. „In der Krise sieht man, wer führen kann“, stellte Geffers fest. Das wollten zwar immer viele, könnten es aber nicht unbedingt. Die Situation in Borstel sei dabei auch nicht sehr extrem gewesen. „Wir waren von der Katastrophe nicht betroffen“, sagte Geffers. Die Helfer seien morgens gekommen, abends in ein sicheres Zuhause gefahren. Da sei das Arbeiten in Schönhausen, wo Geffers auch im Einsatz war, eine ganz andere Hausnummer gewesen.

Was vor fünf Jahren mit Muskelkraft erreicht wurde, hätte beim nächsten Mal maschinelle Unterstützung. Auf dem Hof des FTZ wurde eine Sandsackfüllmaschine präsentiert. Das Modell Mammut 175/7 S hat eine Kapazität von 3800 Sandsäcken pro Stunde. „Eine Stunde hat 3600 Sekunden“, rechnete Geffers vor, „so kann man sich als Faustregel merken, dass sie einen Sack pro Sekunde füllt.“ Menschen müssen allerdings auch bei dieser Maschine noch Hand anlegen.