Salzwedel l Es ist etwas mehr als zwei Jahre her, da strahlte das Gelände der alten Ogema-Konservenfabrik an der Arneburger Straße noch den morbiden Charme des Vergangenen aus. In den ehemaligen Fabrikhallen wucherte das Gras, die Fensterscheiben waren eingeschlagen oder fehlten komplett. Zugewachsen waren die alten Verladeflächen. Dass in dem verlassenen Industriekomplex einst Wohnungen entstehen würden – dafür musste man schon extrem viel Fantasie aufbringen. Nicht umsonst war die Abrissgenehmigung für die Gebäude bereits erteilt. Sie erlosch allerdings, als der Besitzer des Grundstückes im Jahr 2017 wechselte und der Plan entstand, die Ruine zu sanieren.

Dieser Tage herrscht auf dem Gelände rege Betriebsamkeit. Baufahrzeuge drehen ihre Runde, Mörtelsäcke lagern in den Eingängen, lautstark unterhalten sich die Bauarbeiter. Es geht voran auf der Baustelle. Muss es auch, im Dezember werden die ersten Mieter in ihre Wohnungen einziehen.

Was einst nur schwer vorstellbar war, wird Realität: Der Ogema-Wohnpark nimmt konkrete Formen an. Auf einer Gesamtfläche von 22 000 Quadratmetern entstehen 67 Wohnungen mit Terrassen oder Balkonen, dazu Stellplätze für Pkw. 7500 Quadratmeter beträgt die Wohnfläche. Wer die fünf verschiedenen Bauteile betritt, erahnt die Aufteilung der zukünftigen Wohnungen. Erkennbar ist, wo die Bäder und Küchen geplant sind. Die Aufzugsschächte sind ebenfalls schon angelegt. Auffällig sind die hohen Decken in den Fluren.

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Zufrieden beobachtet Bärbel Nebel die Szenerie. Sie ist für die Vermarktung der Immobilien zuständig. „Derzeit sind die Klempner im Gebäude, die Elektriker sind schon durch“, berichtet sie. Vor Anfragen könne sie sich kaum retten, fügt sie hinzu. Von jungen Familien bis zu Senioren reiche das Spektrum der künftigen Mieter.

Der Industrie-Charme des in den 20er Jahren errichteten Gebäudes mit den markanten dunkelroten Klinkern wirkt offensichtlich. Hinzu komme die große Bandbreite der neuen Wohnungen. „Von Ein- bis-Fünf-Zimmer-Wohnungen ist alles dabei. Barrierefrei sind sie auch“, sagt Bärbel Nebel. Dabei könne man aber nur zur Miete einziehen. Eigentumswohnunstehen nicht zum Verkauf.

Dass die Fabrikatmosphäre erhalten bleibt, war von vornherein das Ziel des Investors, der nicht namentlich genannt werden möchte. Mit dem Namen Ogema-Wohnpark ist der Bezug zur Vergangenheit hergestellt. „Das alte Firmenschild wird derzeit aufbereitet, um bald den Zugang zum Areal zu schmücken“, nennt er einen weiteren Hinweis auf die Geschichte des Ortes. Schienen, die noch im Boden des Fabrikhofes eingelassen sind, werden nicht herausgerissen. Denkmalschutzrechtliche Auflagen waren dem Erhalt des rustikalen Ambientes ebenfalls dienlich.

Sechs Millionen Euro steckt der Investor in das ambitionierte Projekt. Komplett erneuert wurden dabei die Dächer, Fenster, die Fassade wurde komplett sandbestrahlt. In den ehemaligen Hallen mussten Wände hochgezogen werden. Knapp 55 000 Steine wurden alleine dabei verbaut. Sämtliche Vorhaben wurden indes nicht umgesetzt. Ursprünglich sollten nämlich 85 Wohnungen entstehen. Der Plan, eine Tiefgarage im Keller zu schaffen, scheiterte an zu eng gesetzten Säulen. Angesichts der Dimension des Projekts sei dies aber zu verschmerzen.