Stendal l Wenn die Temperaturen sinken, steigt gleichzeitig die Zahl der schniefenden Nasen und hustenden Mitmenschen. Ist das schon Corona oder die alljährliche Erkältung, fragt sich da wohl der ein oder andere. Dr. Iris Schubert, Leiterin des Gesundheitsamtes Stendal, kann auch nur vermuten, wie sich die Pandemie in den kalten Monaten entwickeln wird. Dafür gibt sie hilfreiche Ratschläge, um sich vor Corona, Influenza und der harmlosen Erkältung zu schützen.

Volksstimme: Frau Dr. Schubert, ab wann rechnen Sie damit, dass die Grippewelle auf Corona trifft?

Schubert: Die Influenza-Grippewelle hat sich schon länger nach hinten verschoben. Inzwischen ist die Hauptzeit im Januar. Erste Fälle können auch schon Ende Oktober auftreten, aber die meisten überstehen Weihnachten noch und werden dann krank. Ob überhaupt eine Grippewelle kommt oder nicht, ist jedes Jahr ein Lotteriespiel. Wir wissen nicht, ob sich Viren verändern und ob sie überhaupt kommen. Aus epidemiologischer Sicht könnte es in diesem Jahr auch zu keiner Influenza-Welle kommen. Epidemiologen sagen, dass sich Viren gegenseitig verdrängen können.

Durch die Corona-Pandemie könnte also eine Influenza-Welle ganz ausbleiben?

Das könnte durchaus sein. Allerdings haben wir hier in Sachsen-Anhalt gerade so wenige Corona-Fälle, dass eine Grippewelle wieder wahrscheinlich wird.

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Abgesehen von Influenza, treten im Herbst doch häufiger Erkältungs-Symptome auf. Lassen die sich überhaupt von den Corona-Symptomen unterscheiden?

Das ist richtig, wenn sich die Witterung ändert, kommen auch die Erkältungskrankheiten. Die Symptome kann man nicht unterscheiden, ein einfacher Schnupfen spricht aber nicht für Corona. Obwohl wir inzwischen auch milde Corona-Verläufe haben. Deshalb empfehle ich, bei jeglicher Symptomatik, egal ob Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen, zuhause zu bleiben. Sich typisch deutsch krank zur Arbeit zu schleppen, ist gerade in der heutigen Zeit nicht sinnvoll. Das gilt auch für Kinder.

Aber wenn dann der ganze Betrieb zu schniefen beginnt und zuhause bleibt, gibt es da noch andere Lösungen?

Wer krank ist, gehört zuhause ins Bett. Punkt.

 

Wer bezahlt Corona-Tests, wenn der Arbeitgeber einen nach Hause schickt?

Ob auf Corona getestet wird, entscheidet der niedergelassene Arzt. Wer krank ist, muss sich dort melden. Sofern der Arzt einen Test vorsieht, bezahlt das die Krankenkasse. Ich empfehle: Wenn getestet wird, dann sollte immer auf Corona und Influenza getestet werden, das kann man sonst nämlich nicht differenzieren.

Wollen Betriebe vorsorgliche Tests, dann bezahlt das jeder selbst.

Erwarten Sie einen Ansturm auf die Testzentren, wenn vermehrt Erkältungssymptome auftreten?

Ab dem 15. September müssen Reiserückkehrer ihre Tests auf eine Infektion mit Covid 19 selbst bezahlen. Deshalb befürchte ich das Gegenteil. Es wird sich keiner mehr freiwillig melden, weil keiner bezahlen möchte.

Wie werden sich die geltenden Hygienemaßnahmen auf die Grippe- und Erkältungszeit auswirken?

Ich habe die Hoffnung, dass es durch die Hygienemaßnahmen insgesamt weniger Kranke geben wird. Hygiene ist wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Die gesamte Händehygiene hat sich verbessert. Der Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Raum bietet eine Barriere, die vor Viren schützt. Außerdem macht die reine Anwesenheit des Mundschutzes die „Bedrohung“ einer Infektion bewusst. Also ich hoffe, dass es in diesem Jahr weniger Erkältungen gibt.

Was können wir tun, um erst gar keine Symptome zu bekommen?

Es hilft, sich der Witterung entsprechend zu kleiden und sich jeden Tag eine halbe Stunde an der frischen Luft zu bewegen. Ein Spaziergang reicht da schon. Außerdem ist es wichtig, zuhause und im Betrieb regelmäßig zu lüften und die Handhygiene einzuhalten.

Der Unterschied zwischen Corona und der Influenza ist, dass wir uns gegen letzteres schützen können. Mein dringlicher Appell ist: Gerade in diesem Jahr sollte sich jeder Grippeschutz-impfen lassen. Eine Impfung ist auch ein gutes Training des Immunsystems. So werden alle anderen direkt mitgeschützt, denn wer geimpft ist, ist auch weniger anfällig für andere Infektionskrankheiten. Wichtig beim Impfen: Man muss gesund sein. Deshalb empfehle ich, eine Grippe-Impfung nicht rauszuzögern, sondern direkt zu machen, wenn man gesund ist. Der Impfschutz bleibt dann ein halbes Jahr erhalten.