Stendal l Das für sie typisch freundliche Lächeln haben die beiden Herren zurück. Dirk Andres und Thomas Butzek geht es nach eigenem Bekunden „gut - trotz Corona“.

Die Pandemie hat die umtriebigen Geschäftsführer der Stendaler Medienagentur VEB-Bild nicht aus der Bahn geworfen. Vielmehr ihren Blick, wie sie sagen, erweitert. „Corona wird die Welt verändern“, ist sich Thomas Butzek sicher. „Und wir wollen Teil der Veränderung sein“, fügt der 40-Jährige hinzu. Sein Partner Dirk Andres schmunzelt, wohl wissend, dass er selbst bereits eine Veränderung vollzogen hat.

Gegner von Videokonferenzen

„Ich war bislang ein Gegner von Videokonferenzen, mittlerweile halte ich etwa sieben in der Woche ab“, so der 41-jährige Andres und findet aus gutem Grund sogar Gefallen daran: „Man spart verdammt viel Zeit, anstatt jedes Mal mit dem Auto oder Zug Stunden unterwegs zu sein, um für Absprachen zu den Kunden zu fahren.“

Die Konferenzen via Internet abzuhalten, ist ein Baustein im Umdenken der Agenturchefs, die es mit dem Ausbruch der Corona-Krise in eine gewisse Schockstarre versetzt hatte. „Es gab nur noch Absagen und Stornierungen“, erinnert sich Dirk Andres. Der Printbereich wie Gestaltung von Flyer, Plakaten und Broschüren brach total zusammen. „Rund 90.000 Euro waren förmlich über Nacht weg, ein Viertel unseres Jahresumsatzes.“

Andres und Butzek schalteten auf Krisenmodus um, beherzigten Hinweise ihres Steuerberaters und erledigten innerhalb einer Woche alles, was der Firma samt der vier Angestellten finanziell helfen konnte. Unter anderem wurde Soforthilfe beantragt und Kurzarbeit angemeldet. Dann schauten die Medienberater nach vorn.

Weinverkosten via Internet

„Wir haben Kontakt zu unseren Bestandskunden aufgenommen, auch neue gesucht, und gefragt, wo wir helfen können“, sagt Dirk Andres. So wie er ist auch sein Partner Thomas Butzek eng mit der Heimatstadt Stendal und der Altmark verbunden. Deshalb spürten sie die Ohnmacht vieler, die Corona ausgelöst hatte. Allen voran bei Geschäftsleuten, deren Handel durch den Schließungszwang zum Erliegen kam. Butzek und Andres boten Einzelhändlern digitale Lösungen an, um die Krise überbrücken zu können. Sie gestalteten Werbeseiten im Internet und halfen bei der Einrichtung von Online-Shops, was für viele völliges Neuland war. Ebenso entwickelten sie gemeinsam mit den Kunden neue Ideen. „Das ist unsere Stärke, denn wir haben nicht nur unser eigenes Marketing im Blick“, sagt Dirk Andres.

Zehn Projekte sind entstanden, darunter Seminare und Verkostungen, die via Internet ausgetragen werden. Die Probeversuche seien bestens gelaufen, sagt Andres, der selbst gespannt war, ob es funktioniert.

Es hat funktioniert, beim Online-Seminar der Kaffeerösterei in Stendal schulte Marianne Kraßort Teilnehmer aus Stuttgart, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg. In Stendal fand im Spezialitätengeschäft „Der Olivenbaum“ eine Weinverkostung statt, ohne dass die Teilnehmer in den Laden kamen. „Das hätten sie wegen Corona sowieso nicht gedurft“, sagt Dirk Andres. Die Weinproben wurden an die Teilnehmer verschickt und per Liveschaltung mit dem Veranstalter verkostet.

Stendaler entwickeln neue Plattform

Und noch eine neue Plattform entwickelten die Stendaler Unternehmer, die jedoch einen rein gemeinnützigen Zweck hatte. VEB-Bild unterstützte maßgeblich das Gemeinschaftsprojekt „Wir rocken das“, um Musikern in der kulturlosen Corona-Krise eine Bühne zu bieten. In sieben Wohnzimmerkonzerten, die Filmemacher Thomas Butzek produzierte, waren Bands auf YouTube zu erleben.

Eine Prognose, wie es weiter geht? Andres und Butzek sind sich einig. Sie werden mit innovativer Technik und hohem Eigenanspruch weiter alles daran setzen, um regionale Unternehmen optimal zu präsentieren. Natürlich innovativ, so wie man es von VEB-Bild gewohnt ist.