Stendal l Das Amtsgericht hat vor Kurzem eine Geschäftsfrau aus dem Norden des Landkreises wegen Bankrotts zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 40 Euro (1600 Euro) verurteilt. Bankrott gilt als sogenannte Insolvenzstraftat. Im Gesetz heißt es dazu: "Wer im Falle der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei Überschuldung, drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit, Teile seines Vermögens (...) beiseiteschafft oder verheimlicht (...)", wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. "Eigentlich ist es nicht so kompliziert, wie es von der Angeklagten dargestellt wurde", hieß es in der Urteilsbegründung.

Finanzamt fordert 76.000 Euro

Fakt sei, dass es konkrete Geldforderungen gab, die von der Angeklagten als Inhaberin einer Firma im Altmarkkreis Salzwedel nicht erfüllt wurden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die 51-Jährige dem Finanzamt in Salzwedel 76.000 Euro schuldete. Das zuständige Amtsgericht in Stendal hatte aufgrund der von ihr nicht geleisteten Zahlungen die Prüfung der Insolvenz der Angeklagten eingeleitet. Es beauftragte einen Magdeburger Rechtsanwalt mit der Erstellung eines diesbezüglichen Gutachtens.

Jegliche Auskunft verwehrt

Laut Urteil verwehrte sie jegliche Auskünfte und die Zusammenarbeit mit dem Rechtsanwalt, wozu sie von Gesetzes wegen aber verpflichtet gewesen sei. So wurde erst später offenkundig, dass die Angeklagte drei Grundstücke im Landkreis Stendal besitzt. Der Magdeburger Anwalt hatte wohl nur im Altmarkkreis Salzwedel Nachforschungen angestellt. Auskunftspflichtig sei diesbezüglich allein die Angeklagte gewesen, hieß es dazu in der Urteilsbegründung.

Im Februar vorigen Jahres hatte das Amtsgericht in Stendal das Insolvenzverfahren gegen die Angeklagte eröffnet und den Anwalt als Verwalter bestellt. Die 51-Jährige behauptete im Prozess mehrfach: "Ich bin nicht insolvent, und ich war es auch nicht." Sie bemängelte angeblich nicht oder falsch ergangene Finanzamtsbescheide. Von ausstehenden Beträgen wisse sie nichts. Zudem bestritt sie, dass der Magdeburger Anwalt sie persönlich kontaktiert habe. Im Gegenteil, sie sei von Mitarbeitern seiner Kanzlei förmlich hinausgeworfen worden.

Kanzlei-Mitarbeiter in Angst

Ihren Angaben widersprach der 52-jährige Rechtsanwalt als Zeuge vehement. Er habe sehr wohl persönlichen Kontakt zur Angeklagten gesucht, sie hätte diesen aber abgeblockt. "Meine Mitarbeiter in der Kanzlei haben Angst vor dieser Frau, weil sie von ihr massiv attackiert, beschimpft und bedroht worden sind."

Und sie sei insolvent: Aktuell gebe es 36 Anmelder, die bei ihm finanzielle Forderungen von insgesamt 682.000 Euro gegen die Angeklagte aufgemacht hätten. Diese Geldforderungen prüfe er zurzeit.