Stendal/Magdeburg l Besonders ältere Mitbürger sind mit den digitalen Medien nicht so vertraut wie die Jüngeren. Aus diesem Grund ist es für Senioren schwer, beispielsweise fundierte Informationen zum Coronavirus zu bekommen. Zudem werden wegen der Pandemie Dienstleistungen vermehrt im Internet angeboten.

Daher sucht eine vierköpfige Forschungsgruppe der Hochschule Magdeburg-Stendal für das Projekt „Gesundheits- und Technikkompetenz“ (BiGeTA) „Seniorengruppenleiter, die ihre jeweiligen Gruppentreffen in Zeiten der Pandemie digital organisieren wollen“, erklärt Nadine Joensson, Mitarbeiterin des Projekts. Um viele Menschen anzusprechen, brauchen die Mitarbeiter bereits bestehenden Seniorengruppen ab 60 Jahren aus dem Landkreis Stendal.

Corona hat Auswirkung auf das Projekt

Diese sollten sich beispielsweise innerhalb eines Vereins organisieren und sich wegen der aktuellen Maßnahmen nicht persönlich treffen können. Die Gruppen sollten einerseits Interesse daran haben, sich digital zu verabreden und andererseits mit der Nutzung der neuen Medien ihre Gesundheits- und Technikkompetenz zu verbessern, konkretisiert die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Die Kontaktbeschränkungen betreffen nicht nur den Alltag der Senioren, sondern auch die Umsetzung des Projekts. Ursprünglich sollte die Schulung der Leiter sowie der Seniorengruppen vor Ort stattfinden. Weil dies zurzeit nicht möglich ist, plane die Forschungsgruppe digitale Gruppentreffen, erklärt Nadine Joensson.

„Das Angebot wird als Lerngelegenheit und soziale Unterstützungsform verstanden“, sagt Nadine Joensson. Die Teilnahme ist kostenlos. Gerade die aktuelle Situation habe die Notwendigkeit der Maßnahmen bestätigt, gibt Nadine Joensson weiter an. Ausgerechnet die Gesundheits- und Technikkompetenzen sind entscheidende Fähigkeiten, um den Alltag während einer Pandemie zu bewältigen. Laut Nadine Joensson wüssten viele ältere Bürger nicht, wie sie handeln sollten, wenn sie Symptome haben oder welche Regeln in der Quarantäne gelten.

Selbstständigkeit wird gefördert

Diese Unsicherheit wird dadurch unterstützt, dass sie bei der Suche im Internet möglicherweise auf Seiten und soziale Netzwerke stoßen, die nicht qualitätsgesichert sind. Um entscheiden zu können, wie vertrauenswürdig eine Quelle ist, sollten verschiedene Informationsmöglichkeiten benutzt werden. Die Fähigkeit herauszufinden, welche Information verlässlich ist, soll den Senioren vermittelt werden. Das fördert die unter anderem Selbstständigkeit im fortgeschrittenen Alter.

Neben der Gesundheitskompetenz wird auch gleichzeitig das technische Wissen erweitert, um eine soziale Isolation und Einsamkeit im Alter zu bekämpfen. „Letztendlich geht es darum, eine mögliche Abneigung abzubauen und sich mit der neuen Technik vertraut zu machen oder sie einfach nur einmal auszuprobieren“, fasst Nadine Joensson zusammen.

Mehrwert der neuen Medien verdeutlichen

Ein weiteres Ziel bis zum Ende des Projekts im September 2022 sei Antwort auf die Frage, wie digitale Gruppenprogramme für ältere Erwachsene funktionieren müssten, um die Kompetenzen zu fördern, erklärt sie. Die vier Wissenschaftler wollen einerseits den Wunsch nach sozialen Kontakten und Wissenserwerb stärken und den Senioren damit den Mehrwert der neuen Medien verdeutlichen. Des Weiteren soll aus der bisherigen begleiteten Gruppenbegegnung mit dem Wissenschaftler ein selbstständiges digitales Treffen entstehen.

Die Kosten des Projekts übernimmt die Europäische Union sowie das Land Sachsen-Anhalt.

Interessierte Gruppen können sich bis zum 29. Januar 2021 bei Martin Groß unter der Nummer 0391/8 86 45 04 oder per Mail an martin.gross@h2.de für das Projekt anmelden.