Vinzelberg l Dem Stendaler Ortsteil Vinzelberg könnte noch in absehbarer Zeit eine nicht unwesentliche Veränderung bevorstehen. Die Immobilienstiftung „Home & Car Energie Solution“ (HCES) mit Sitz in Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) plant, in dem Dorf ein groß angelegtes Immobilienprojekt zu realisieren.

Dies bestätigt der Stiftungsbevollmächtigte Olaf Finger auf Anfrage der Volksstimme. Demnach hat die Stiftung bereits sieben Grundstücke im Ort erworben. Die Suche nach geeigneten Flächen sei noch nicht abgeschlossen, bekräftigt der Rheinländer. Die HCES befände sich in Gesprächen mit Vinzelberger Einwohnern, um zusätzliche Flächen zu erwerben. Der Stiftung schwebt vor, dass ihr Grundstücke übertragen werden, die Besitzer im Gegenzug von der HCES eine neu geschaffene lastenfreie Immobilie erhalten, natürlich notariell beglaubigt. Neben Wohnraum sollen nach den Plänen des Investors außerdem eine Arztpraxis, eine Kanzlei und ein Supermarkt im Ort entstehen.

Gespräche mit Ämtern

Zuletzt war Olaf Finger am 16. August in Vinzelberg und Stendal. Er und weitere Vertreter der Stiftung trafen sich mit Vertretern des Bauamtes und des Bauordnungsamtes, um die bürokratischen Voraussetzungen für das Vorhaben abzuklopfen. Es war dies das erste persönliche Aufeinandertreffen der beiden Parteien. Kontakt hatte es zuvor nur telefonisch gegeben, um den Gesprächstermin zu vereinbaren, teilt Philipp Krüger von der Pressestelle der Stadt Stendal mit. Zum Inhalt des Treffens dürfe er aus Gründen des Datenschutzes nichts sagen. Er bestätigt allerdings, dass es um das Bauvorhaben ging: „Vorrangig ging es um ein Flurstück in der Gemarkung Vinzelberg.“

Olaf Finger ist da auskunftsfreudiger und spricht von kon­struktiven Gesprächen mit den Mitarbeitern der beiden Behörden. Klar sei nun, welche Anträge die HCES einreichen muss. „Das war für uns sehr aufschlussreich“, kommentiert er. So würde in Kürze unter anderem der Abbruch des Hauses in der Vinzelberger Straße 12, es handelt sich dabei um einen alten Gasthof, beantragt werden. Er hoffe, dass Anfang Oktober die ersten Weichen für die Maßnahme gestellt sind. Im Herbst könne es dann richtig losgehen, nennt der Bevollmächtigte ein Zeitfenster.

Praxis, Büro, Supermarkt

Das gesamte Projekt soll in vier Schritten realisiert werden. Zunächst ist ein Mehrparteienhaus mit acht Wohneinheiten, Arztpraxis und einem Büro geplant. Daran schließt sich wiederum eine Anlage mit insgesamt 30 Wohnungen an, bevor in einem dritten Schritt der Supermarkt gebaut werde soll. Werden sämtliche Pläne umgesetzt, würden 120 neue Wohnungen entstehen. Letzter Baustein ist nach dem Wunsch der Stiftung eine Anlage für seniorengerechtes Wohnen.

„Das wird kein einfacher Akt“, ist Olaf Finger an dieser Stelle ein wenig skeptisch. Der Bedarf sei zwar da, aber der Teufel stecke in den Details. Geht es nach dem Investor, wäre ein Baustart noch in diesem Jahr ideal. Wann das gesamte Projekt abgeschlossen sein wird, ist noch nicht absehbar.

Es gibt auch Skepsis

Einwände, dass mit Vinzelberg ein eher etwas abgelegenes Dorf als Standort ausgewählt wurde, möchte Olaf Finger derweil nicht gelten lassen. Die Lage sei im Vorfeld ausreichend geprüft worden. Mehrere Studien hätten bestätigt, dass das Dorf Potenzial habe.

Allerdings merkt er an, dass der Stiftung durchaus mit Skepsis begegnet wird. Nicht alle Vinzelberger scheinen von den Plänen überzeugt zu sein. Offenbar existieren Zweifel, ob das Dorf wirklich davon profitieren würde. Finger spricht sogar davon, dass einige Einwohner versuchten, offensiv Stimmung gegen das Projekt zu machen. „Da wird teilweise auch mit Unwahrheiten operiert. Das finde ich persönlich sehr schade.“

In einem Fall sei deshalb eine Einigung über ein Grundstück nicht zustande gekommen. In diesem Zusammenhang kündigt er an, dass er sich davon nicht unterkriegen oder beeindrucken lassen möchte. Ergänzt jedoch auch: „Wir sind mit Vinzelberg nicht verheiratet.“