Stendal l Die Worte sind mit Bedacht gewählt, umso stärker ist ihre Wirkung. Mitglieder der islamischen Gemeinde würden in der Öffentlichkeit immer öfter Opfer von Beleidigungen, sagte Saleh Bin Salman am Montag im Gespräch mit der Volksstimme. Das Klima habe sich vor allem in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschlechtert. Beleidigt würden Frauen, Kinder und Männer gleichermaßen.

Der Arzt lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland und ist im Vorstand der Stendaler Gemeinde. In der Vergangenheit hatte er noch stets das auskömmliche Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft in der Hansestadt gelobt. Im März bei der Feier zum fünften Geburtstag der Gemeinschaft betonte er beispielsweise, dass sie sich die Stendaler Muslime stets als fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft gesehen haben.

Benachteiligung bei Wohnungssuche

Daran hat sich nichts geändert, doch offenbar sehen das einige Einheimische anders. Eine nicht unwesentliche Rolle könnte die Erwähnung der Gemeinde im Bericht des Verfassungsschutzes im April des vergangenen Jahres spielen. Die Behörde unterstellte manchen Gemeindemitgliedern eine Nähe zur radikalen, antisemitischen Muslimbruderschaft.

Die Integrationskoordinatoren des Landkreises bestätigen, dass sie im Nachgang in diversen Arbeitsgesprächen mit der islamischen Gemeinde und auch in Einzelgesprächen auf die steigende Zahl von islamophoben Vorfällen hingewiesen worden sein. Darüber hinaus erhalte die Koordinierungsstelle gelegentlich Hinweise über Diskriminierung im Alltag. Offenbar haben es Muslime bei der Wohnungs-und Arbeitssuche schwer.

An die Stadtverwaltung sei die Gemeinde noch nicht herangetreten, um auf die Problematik hinzuweisen, berichtet Armin Fischbach, Mitarbeiter der Pressestelle. Bislang habe der Austausch zwischen Stadt und Gemeinde zwar in einem begrenzten Rahmen stattgefunden, die Zusammenarbeit habe aber immer gut funktioniert.

Stadtverwaltung bietet Hilfe an

Auch Einzelpersonen seien bislang nicht mit Beschwerden vorstellig geworden. „Gleichzeitig erreichten uns auch keinerlei Beschwerden über die islamische Gemeinde. Dies gilt sowohl für das Ordnungsamt, als auch für den Oberbürgermeister“, sagt Fischbach.

Er betont in diesem Zusammenhang, dass etwaigen Vorwürfen mit aller Ernsthaftigkeit nachgegangen würde: „Sollten sich Mitglieder der Gemeinde bedroht fühlen, möchten wir sie ermutigen sich an uns zu wenden.“ Zwar sei es Aufgabe der Polizei, Straftaten zu verfolgen, dennoch könne auch die Stadtverwaltung in einigen Situationen durchaus helfen. „Uns ist es wichtig, dass sich ein jeder in unserer Heimat wohlfühlt. Unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder eben Religion“, stellt Fischbach klar.