Könnigde/Bismark l „Ich kenne keinen, der über 50 Jahre bei einer Firma angestellt war“, erzähl Erhard Gille (67). Der Könnigder hat genau 50 Jahre und vier Monate bei der Bismarker Firma Robert Jubert gearbeitet. Zum Ende des Jahres ging Gille nun in den wohlverdienten Ruhestand.

1974 geheiratet "worden"

Erhard Gille stammt aus Wollenhagen, einem Nachbarort von Könnigde. Hier wurde er geboren. Gille besuchte in Seethen, Wollenhagen, Lind-stedt und Jävenitz die Schule. Danach begann er am 1. September 1968 die Lehre bei dem Familienunternehmen Elektro-Jubert in Bismark. Bei dem heute 90-jährigen Robert Jubert lernte Gille den Beruf des Elektroinstallateurs. „2,5 Jahre wurde ich da ausgebildet“, erinnert sich der gebürtige Wollenhagener. „Danach habe ich vier Wochen gearbeitet und wurde eingezogen.“ Den 18-monatigen Grundwehrdienst leistete er in Goldberg (heute Mecklenburg-Vorpommern) ab. „Die Stadt der drei Lügen“, grinst Gille. „Kein Gold, kein Berg, und eine Stadt war es auch nicht.“

Nach der Armeezeit lernte Erhard Gille seine künftige Ehefrau Rosemarie Klingbiel kennen. „Das war bei der Disco in Könnigde am Sportplatz“, so Gille. Seit 1972 lebt er in Könnigde, 1974 heiratete er die gebürtige Könnigderin. „Ich bin aus Wollenhagen nach Könnigde geheiratet worden“, fasst der 67-jährige diese Zeit zusammen.

In der Firma Jubert verrichtete Erhard Gille Tag für Tag seine Arbeit. „Bis kurz vor der Wende waren wir noch acht Mann“, erinnert sich der Elek-troinstallateur. „Dann brach alles zusammen.“ Nach der politischen Wende gründeten sich in Bismark die Elektrofirmen Wolter und Piontek. „Uns gibt es aber heute noch“, verweist Gille nicht ohne Stolz auf Elektro-Jubert. „Wir haben über die Jahre auch immer kleine Popelarbeiten gemacht“, erzählt der Könnigder. „Mal ne Dose oder einen Schalter anbauen. Sachen, die sonst keiner machen wollte. Die halbe Stunde haben wir uns dann einfach mal genommen.“

Nach der Wende war die Firma Jubert in der Regel in einer Zwei-Mann-Besetzung unterwegs. Erhard Gille und Jörg Martin scheuten aber auch keine größeren Aufträge. So sorgten sie zum Beispiel in Bismark für Licht im Rahmen des Ausbaues der Bahnhofstraße/-chausse und bauten zuletzt auch die komplette Straßenbeleuchtung in der Straße der Einheit.

So lange die Gesundheit mitmacht

Mit 63 Jahren hätte Erhard Gille bereits in Rente gehen können. Doch er hängte noch vier Jahre dran. „So lange die Gesundheit mitmacht“, dachte er sich seinerzeit. Jetzt macht die Gesundheit aber nicht mehr mit. Die Knie schmerzen. Mit einem Home-Trainer versucht Gille zwar dagegen zu arbeiten, doch für die Tätigkeit eines Elektroinstallateurs reicht es nicht mehr. Zum Ende des Jahres war Erhard Gille 50 Jahre und vier Monate bei der Firma Robert Jubert angestellt.

Was fängt der Könnigder nun mit seiner Freizeit an? „Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht“, so Erhard Gille. „Wir haben einen großen Garten, obwohl ich dazu nie so richtig Lust habe. Den Garten hat mir meine Frau aber schon angesagt.“ Im Haus sei auch einiges liegen geblieben und schließlich ist Gille ja Mitglied im sehr aktiven Heimatverein „Hennigs von Treffenfeld“.