Fotos und Dokumente für Ausstellung gesucht

Die Studie startete im April 2015, seitdem wurden über 30 Interviews in den Räumen des Offenen Kanals mit Video aufgenommen und Fotos und Gegenstände recherchiert.

Gefördert wird die von Prof. Günter Mey geleitete Studie von der Kaschade-Stiftung, dem Förderkreis des Hochschul-Standorts Stendal und aus Sonderprojektmitteln der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Für die Ausstellung werden Fotos gesucht, die zwischen 1950 und 1990 bei Festen, in Lokalen oder in der Stadt gemacht wurden; aber auch Dokumente (Eintrittskarten, Film- und Konzertplakate); Musik auf Kassetten sowie (selbstgemachte) Kleidung (Batikhemden und -kleider, Parkas, Hosen, Schuhe sowie Schmuck und Aufnäher).

Kontakt:

Hochschule Magdeburg-Stendal; Prof. Mey, Telefon 03931/218 70; E-Mail: guenter.mey@hs-magdeburg.stendal;

aileen.piechocki@student.hs-magdeburg-stendal.de;

Altmärkisches Museum: Gabriele Bark, Telefon 03931/65 17 02; E-Mail: gabriele.bark@stendal.de

Stendal l „Es gab eine Fülle von Orten, an denen Jugendliche sich trafen, weit mehr als heute. Es gab sie über die Zeit, aber die Zentren haben sich gewandelt, mal war es das Jugendclubhaus, mal der Bierkeller, mal das Barcafé oder das Café Pinguin, dort stand auch eine Jukebox.“ Was Professor Günter Mey so kurz zusammenfasst, ist eines der Ergebnisse vieler Interviews und von Recherchen.

Seit dem Sommer 2015 hat die Forschungsgruppe mit vielen 40- bis 80-Jährigen über deren Erinnerungen an ihre Jugend in Stendal gesprochen, hat neben Informationen auch viel Materielles aus jenen Jahrzehnten zusammengetragen. Mehr als 30 Gespräche sind geführt worden, meist dabei Aileen Piechocki. Die studentische Mitarbeiterin ist von Beginn an im Forschungsteam von Professor Mey. Sie wird auch wieder mitwirken, wenn nun die Ergebnisse für eine Ausstellung im Altmärkischen Museum aufbereitet werden. Eröffnet werden soll die Schau im April kommenden Jahres.

Ein Thema im Forschungsprojekt ist die Musik. „Sie war wichtig. Nur war es nicht immer leicht, genau auch die zu hören, die gehört werden wollte. Es gab die 60:40-Regel, mit der versucht wurde, die ‚Westmusik‘ zu limitieren. Und nicht jede Musik war einfach zu beschaffen“, erklärt Günter Mey. Lange Schlangen auf der Breiten Straße vor dem Schallplatten-Geschäft seien ein „wiederkehrendes Bild“ gewesen, „immer dann, wenn eine Ladung neue LPs eingetroffen ist, um am Ende doch des Öfteren leer auszugehen“. Schon leichter war es, Musik in den 1970er aufzuzeichnen. Kassetten wurden kopiert und verteilt und getauscht. Doch am begehrtesten waren die „richtigen“ Platten, die es zu besorgen galt, auch über Westkanäle. Dabei kam es auch vor, dass es nur das Vinyl gab – ohne Cover. „Das wurde dann selbst gemalt“, gibt der Leiter der Forschungsgruppe eine weitere Erkenntnis aus den Gesprächen wieder.

Bilder

Selbst gemacht wurde auch die Kleidung. Jedes Jahrzehnt hatte seinen ganz eigenen Stil, und auch hier bestand großes Interesse an West-Marken. Levi’s und Wrangler standen hoch im Kurs. Zuweilen half aber auch schon das Etikett, das auf die Ostjeans genäht wurde, und die Hose dann „cool“ war. Auch war der Parka als Symbol für die Blueser angesagt und damit mindestens ein Markenzeichen wie das FDJ-Hemd. Für Professor Mey steht fest: „DDR-Jugendzeit fand über alle Jahrzehnte im Spannungsverhältnis von Offizialkultur und Nischenkultur statt, und die Grenzen von Erlaubtem und Verbotenem galt es immer aufs Neue auszuloten.“ Die Geschichte der Jugendkultur in Stendal in den Jahren zwischen 1950 und 1990 mache deutlich, „mit wie viel Kreativität sich jede Jugend zu ihrer Zeit neu erfunden hat“.

Die Ausstellung soll Geschichte(n) zum Anhören, Anschauen und Anfassen bieten. Damit es ein wirklich buntes Bild gibt, hoffen die Mitglieder der Forschungsgruppe und Museumsleiterin Gabriele Bark auf weitere „Schätze“, die sich noch in Fotoalben, in Kisten auf dem Dachboden oder in Kellern verbergen. Denn nach Wunsch der Ausstellungsmacher sollen sich möglichst viele Stendaler wiederfinden. „Es soll nicht nur eine Ausstellung über, sondern mit und für Stendaler werden“, kündigte Gabriele Bark an. Sie und alle Beteiligten hoffen, dass nicht nur ehemals Jugendliche ins Museum kommen, um in Erinnerungen zu schwelgen, sondern auch viele Jugendliche einen Blick in die Geschichte der Jugend ihrer Väter und Mütter und Großväter und Großmütter bekommen wollen.