Stendal l Färberhof-Geschäftsführerin Marika Mund ist erleichtert. „Wir können uns endlich wieder auf unsere inhaltliche Arbeit konzentrieren“, sagt sie. Die Situation hatte nicht nur an den Nerven der Geschäftsführerin gezerrt, sondern auch an den der mehr als 20 Mitarbeiter und den der Eltern von den 82 Kita-Kindern, die in der Einrichtung betreut werden.

Seit Juli 2018 habe die Einrichtung mit Schließungsgerüchten zu kämpfen gehabt, sagt Marika Mund. Seinerzeit habe die städtische Kita „Stadtseeknirpse“ ihre Betreuungszeit bis in die Abendstunden ausgedehnt. Die Langzeitbetreuung von Kindern, die sogar die Nacht hindurch bleiben konnten, war bis dahin ein Alleinstellungsmerkmal des Färberhofs gewesen. Die Befürchtung war vorhanden, dass die Stadt den privaten Färberhof „ausbluten“ lassen wollte. Die Geschäftsführerin beklagte, dass die öffentliche Grundfinanzierung nicht adäquat sei. Mit Vertretern der Stadt und des Landkreises gab es Unstimmigkeiten, so dass die gesetzlich geregelte öffentliche Finanzierung auf dem Niveau von 2016 eingefroren wurde und die Streitigkeiten bei der Schiedsstelle beim Sozialministerium landeten.

Forderung an Stadt gehabt

„Juristische Verfahren sind langwierig“, hatte Marika Mund bereits im November auf einer Krisensitzung vor Mitarbeitern und Eltern gesagt. Mund sprach seinerzeit von einer möglichen Planinsolvenz, da sich über die Jahre eine Gesamtforderung von 100 000 Euro ergeben hatte, die der Färberhof von der Stadt nachgezahlt haben wollte.

Ende vergangenen Jahres führte Mund in ihrer Not Gespräche mit fünf potenziellen Trägern, die gegebenenfalls den Färberhof übernehmen wollten. Es habe gute und faire Gespräche gegeben, am Ende sei man sich aber nicht einig geworden, sagt die Geschäftsführerin. Zum Glück, sagt sie mittlerweile. Denn seit Anfang des Jahres bekomme die Einrichtung die gewünschte öffentliche Finanzierung, wenngleich die Nachzahlung nicht erfolgte.

28 Minuten verhandelt

Bei der neuerlichen Verhandlung über den kommunalen Zuschuss sei es im Januar „überraschenderweise“ sehr schnell gegangen, freut sich die Geschäftsführerin. Innerhalb von 28 Minuten sei alles geklärt gewesen. Nunmehr gebe es eine zufriedenstellende Finanzierung. „Jetzt haben wir eine Perspektive“, sagt Mund.

Allerdings gibt es seit 1. Januar die Nacht- und Wochenendbetreuung für Kita-Kinder nicht mehr, die der Färberhof seit 15 Jahren über ein Bundesprogramm angeboten hatte. Nunmehr liegt die Betruungszeit bei 6 Uhr bis 17.30 Uhr. Der Grund ist: Einen Personalkostenzuschuss, den der Landkreis in den vergangenen Jahren dazu gegeben hatte, wird nicht mehr bezahlt. „Das ist ein Wermutsstropen“, sagt Mund. Allerdings habe sie eine wichtige Erkenntnis aus der langen Krise gewonnen. „Unser Team hat zusammengestanden, die Loyalität war beeindruckend“, sagt die Geschäftsführerin.