Stendal l Als Anfang der 1950er Jahre der Stendaler Dom seine heutige Farbfassung in Weiß bekommen hat, geschah dies gegen den ausdrücklichen Willen des Gemeindekirchenrates. Aber der damalige Landeskonservator setzte sich mit seiner Meinung durch, dass diese weiße Fassung eher dem mittelalterlichen Erscheinungsbild entspreche als die Fassung von 1905.

Heute, rund 70 Jahre später, sieht das schon anders aus – es herrscht Einigkeit zwischen dem Gemeindekirchenrat der Stadtgemeinde und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Halle. Das trägt das Vorhaben der Stendaler Domgemeinde mit, die das Weiß weitgehend verschwinden lassen und wieder eine Backstein-Optik schaffen möchte. Die Initiatialzündung für das Vorhaben hatte vor Jahren der Dom-Förderkreis gegeben.

Bauarbeiten in fünf bis acht Abschnitten

Über diese Pläne wurde am vergangenen Freitag während einer öffentlichen Veranstaltung im Cordatussaal des Domes informiert. Was gemacht werden soll, ist klar. Aber wann es mit den Arbeiten losgehen kann, hängt vor allem von der Finanzierung ab. Für dieses Jahr hatte die Stadtgemeinde kein Fördergeld vom Bund bekommen.

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Mit der Begründung, dass nach sieben Jahren, in denen es Fördergeld für Arbeiten im Dom gegeben hatte, jetzt andere an der Reihe seien, berichtete Detlef Frobel, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. Dennoch laufe die Suche nach Fördergeldgebern und werde auch geschaut, wie es mit dem Eigenanteil ansieht, so Frobel: „Wir hoffen, im kommenden Jahr mit dem ersten Bauabschnitt beginnen zu können.“

Über mehrere Jahre – ein Jahrzehnt ist wahrscheinlich – sollen sich fünf bis acht Bauabschnitte hinziehen. Begonnen wird im nördlichen Bereich (Seite zum Landgericht). Mit den Erfahrungen aus diesem Abschnitt sollen dann die folgenden Etappen konkretisiert werden. Auch wenn die Summe noch nicht genau genannt werden kann, spricht der Gemeindekirchenrat von einem Millionen-Projekt.

Zehn Jahre Bauzeit geplant

Das Gremium hat sich dafür entschieden, dass das Dom-Innere in der mittelalterlichen Rot-Farbfassung gestaltet wird, wobei mit Leimfarbe gearbeitet wird. Doch bevor diese aufgetragen werden kann, muss das Weiß runter. „Das wird eine relativ staubige Angelegenheit, denn es muss mechanisch gemacht werden“, erklärte Diplom-Restaurator Christoph Gramann, der zusammen mit seiner Kollegin, Diplom-Restauratorin Silvia Lenzner, die Ergebnisse ihrer restauratorischen Untersuchungen und die Varianten für die mögliche Restaurierung vorstellte.

Der weiße Anstrich soll so weit wie möglich entfernt werden, empfehlen die Fachleute. „Das würde die Oberfläche wieder aufwerten“, so Christoph Gramann. Er sieht darin sogar eine Notwendigkeit, „denn das Weiß ist kein guter Malgrund“. Die Anbindung der neuen Leimfarbe wäre schlecht, es könne sogar sein, dass die Farbe schnell abblättert. Das Entfernen sei zwar Arbeit, „aber man kann das Weiß ganz gut abnehmen“.

Ziegel sollen durch Lasur durchscheinen

Der weiße Anstrich mit roten Diensten, Rippen und Gurtbögen, die die Vertikale betonen, prägt seit der Wiederherstellung des Domes nach den Schäden des Zweiten Weltkrieges das Bild des Innenraumes. Vor dieser großen Veränderung hatte es 1905 die letzte große Innenraumgestaltung geben, von der die Restauratoren ebenfalls noch Befunde gesichert haben.

Wenn das Weiß weg ist, soll auf die Steine eine dünne Lasur aufgestragen werden, mit wenig Farbpigment und mehr Bindemittel, „damit das Darunter besser durchscheint“, erklärte Silvia Lenzner. Das, was durchscheinen soll, sind vor allem die Ziegel. Dass nicht alle gleich aussehen, macht dabei den besonderen Reiz aus, soll für „eine Lebendigkeit“ sorgen, so die Diplom-Restauratorin. Es sei nicht geplant, einen Ziegel wie den anderen zu streichen. Nach den Untersuchungen könne man davon ausgehen, dass die Wände ursprünglich nicht verputzt waren und Rotfarbigkeit vorherrschte.