Stendal l Mehr als ein Dutzend Kleingartenpächter sind im Garten von Ursula Musielak versammelt, die Presse ist eingeladen. Die Frauen und Männer wollen nicht locker lassen und fordern nun mit Nachdruck, dass die Stendaler Stadtverwaltung ihre Entscheidung überdenkt.

Die Verwaltung weigert sich nämlich, einen Verkehrsspiegel wieder gegenüber der Ausfahrt von ihrer Gartenanlage auf der Schillerstraße aufzustellen. Während die Schrebergärtner der festen Überzeugung sind, dass ein Spiegel für mehr Verkehrssicherheit sorgt und demzufolge sinnvoll ist, hält die Verwaltung ein zu geringes Verkehrsaufkommen dagegen und lehnt die „Bitte um Prüfung“ ab.

Verkehrsaufkommen strittig

Wie die Pressestelle der Stadt auf Nachfrage mitteilt, sei die im Frühjahr hergerichtete Zufahrt, die den Namen Alte Promenade trägt, mehrmals von fachkundigen Kollegen begangen und untersucht worden. Jedes Mal seien sie zu dem gleichen Ergebnis gekommen: Das Verkehrsaufkommen in der Schillerstraße sei mit der Fertigstellung des Kreisverkehrs am Ende der Uenglinger Straße „signifikant zurückgegangen“. Außerdem sei die Schillerstraße „in beide Richtungen gut einsehbar“. Die Wahrscheinlichkeit einer gefährlichen Verkehrssituation sei somit „vergleichsweise gering“.

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Und noch einen Grund nennt die Verwaltung, den alten „erblindeten“ Spiegel, der bei den Arbeiten auf der Gartenzufahrt von einem Mast in der Schillerstraße abmontiert wurde, wieder zu ersetzen: „Durch blindes Vertrauen auf einen Verkehrsspiegel, der beispielsweise durch Sabotage verdreht werden könnte, entsteht ein anderweitiges Risiko.“ Da die Stadt verkehrssicherungspflichtig sei und somit haftbar zu machen wäre, „stimmen wir nach Abwägung der Vor- und Nachteile bei den derzeit vorherrschenden Gegebenheiten gegen die Errichtung eines Verkehrsspiegels an dieser Stelle“.

Schleichweg als Ausweg

Die Antwort erzürnt die Versammelten. „Das ist unfassbar und niederschmetternd“, sagt Ursula Musielak. Die Schillerstraße sei durch das Berufsschulzentrum und das Freizeitbad Altoa reichlich frequentiert. „Und man kann sie als Linksabbieger schwer einsehen. Die Gefahr besteht sehr wohl, mit einem Fahrzeug zusammen zu krachen“, sagt eine Gartenpächterin und bekommt Zustimmung aus der Runde.

Es sei kein Geheimnis, dass viele der 104 Pächter auf dem privaten Gartenland aus Sicherheitsgründen lieber die Anfahrt über einen Schleichweg nutzen. Dieser führt von der Friedhofsgärtnerei in der Georgenstraße bis zur Kleingartenanlage „Am Peulinger Weg“ noch legal und dann weiter illegal über eine Schluppe unterhalb der Straßenbrücke zu den Privatgärten.

Neid auf Gartennachbarn

„Jedes Mal frage ich mich, wie haben die Gartennachbarn Am Peulinger Weg es geschafft, einen Spiegel zu bekommen“, sagt Jörg-Peter Jahnke und winkt ab. Er fühle sich verschaukelt von der Stadt Stendal und das nicht nur wegen des Spiegels, der übrigens in ausreichender Qualität schon für knapp 300 Euro zu bekommen ist .

Als in der Uenglinger Straße 2018 der Kreisel gebaut wurde, sei die ursprüngliche Gartenzufahrt von der Straße Am Wasserturm aus „einfach zugepollert“ worden. Anstatt sie in den Kreiselbau einzubeziehen, „wurde daraus nur ein Fußweg“, hadert Jahnke. Die Pächter seien nie gefragt worden. „Scheinbar zählen wir nicht.“