Stendal l Götz Alsmann und seine Band sind Weltenbummler in Sachen Musik. In Paris waren sie schon als Hommage an das französische Chanson. Danach ging es nach New York, um in einem Studio am Broadway amerikanische Evergreens der 1930er bis 1950er Jahre aufzunehmen. Für den letzten Teil dieser Album-Trilogie reisten Götz Alsmann und seine Band im Frühjahr 2017 nach Rom. Im Tonstudio Forum Music Village von Ennio Morricone (bekannt als Komponist der Filmmusik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“) nahmen sie klassische italienische Schlager auf. Seit September ist das Album „Götz Alsmann ... in Rom“ auf dem Markt – und seither ist die Band damit auf Tour.

Schon als die fünf Herren in ihren gestreiften Anzugjacken am Donnerstagabend im großen Haus die TdA-Bühne betreten, gibt es vom Publikum herzlichen Begrüßungsapplaus, der sich am Ende zu frenetischem Beifall und begeistertem Fußgetrappel steigert. „Nach 30 Jahren Berufsmusikertums bin ich das erste Mal in Stendal“, entschuldigt sich der 60-Jährige mit der Haartolle als Markenzeichen, um den Kreis nach gut zwei Stunden mit einem Wunsch zu schließen: dass nicht noch einmal drei Jahrzehnte bis zum nächsten Auftritt in Stendal vergehen mögen. „Wir hoffen, dass wir bald wiederkommen dürfen.“ Die Begeisterung im Zuschauerraum dürfte Antwort genug gewesen sein.

Leidenschaftlicher Musiker

Dazwischen gibt es einen kurzweiligen Abend, an dem sich Götz Alsmann nicht nur als leidenschaftlicher Musiker ausleben kann, sondern auch als Entertainer. Als promovierter Musikwissenschaftler bringt er ein schier unerschöpfliches Wissen mit, mit dem er als erfahrener Moderator (unter anderem in der WDR-Kultreihe „Zimmer frei“ an der Seite von Christine Westermann) locker plaudernd die Lieder anmoderiert und verbindet, ein Conférencier der alten Schule, möchte man sagen. Alsmann ist an diesem Abend Musiker und charmanter Geschichtenerzähler, brilliert an den Tasten ebenso wie mit Wortwitz.

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Er erzählt über das Schlagerfestival von San Remo, mit dem alle Lieder des Abends irgendwie zu tun haben. Er erzählt über den Nationalcharakter der italienischen Männer, „die geboren sind, um Komplimente zu machen. Der Italiener macht Komplimente, weil er gar nicht anders kann.“ Das Publikum lernt Mario kennen, einen Pizzeria-Wirt in Rom. Dort seien die Musiker während der Album-Aufnahme abends immer eingekehrt – und um 23 Uhr kamen die jungen Leute, machten die Karaoke-Anlage an und sangen Schlager. Alsmann: „Stellen Sie sich das mal in Stendal vor. Und alle singen Rex Gildo.“

Und er spricht über Fred Buscaglione und Adriano Celentano, über Renato Carosone und Umberto Bindi – es sind Lieder dieser und anderer Herren, die das Quintett bei seiner Italienreise im typischen Alsmann-Sound auf die Bühne bringt. Für einige der Schlager hat Götz Alsmann extra neue deutsche Texte geschrieben, mit seinen Arrangements gibt er den scheinbar angestaubten Liedern der 50er und 60er Jahre eine neue Frische – und zeigt dabei, wie viel Jazz wirklich in vermeintlichen Schlagern steckt.

Virtuose Soloeinlagen

Auch wenn der Vollblutmusiker Alsmann, singend und auf dem Flügel spielend, der Frontmann ist, das Konzert ist eine Bandleistung. Es lebt vom Zusammenspiel der fünf Herren, denen genug Raum bleibt für virtuose Soloeinlagen. Sie leben auf der Bühne die Musik: Rudi Marhold (Schlagzeug), Markus Passlick (Percussion), Altfrid M. Sicking (Vibraphon, Xylophon, Trompete) und Ingo Senst (Kontrabass).

„Mambo italiano“, „Azzuro“, „Marina“ in einer Instrumentalversion, „Volare“, „Quando, quando, quando“, „Non Sei Felice“ „Ciao Ciao Bambina“, „Arrivederci Roma“, „La Bambola“, auch ein Stück aus Verdis „Troubadour“ – alle diese Klassiker haben ihren Platz gefunden in der musikalischen Hommage an das „Dolce Vita“, zu dem die melancholischen Stücke ebenso gehören wie Nummern mit Am-liebsten-würde-ich-jetzt-tanzen-Effekt. Und natürlich fehlt das Lied nicht, bei dem jeder gleich an Italien denkt: „O sole mio“. Alsmann: „Fällt Ihnen was ähnliches ein, wenn ich Litauen sage? Oder Burkina Faso?“

Mit „Il Nostro Concerto“, präsentiert mit einem deutschen Text aus Alsmanns Feder, verabschiedet sich die Band – um dann mit der bei Capri im Meer versinkenden Sonne (Alsmann: „die Hymne der deutsch-italienischen Freundschaft“) und dem 50er-Jahre-Hit „Ja, für eine Fahrt ans Mittelmeer“ den musikalischen Schlusspunkt zu setzen. Für Götz Alsmann noch einmal Gelegenheit, sich allein auf der Bühne zu präsentieren. Zum Ende eines Abends, von dem er schon zu Beginn gesagt hatte, dass es ein „besonders wertvoller“ sein wird. Hatte er recht? Si!