Stendal l „Eveline Rudolf“ prangt auf dem Namensschild – ein bisschen Etikettenschwindel: Schließlich schreibt sich die Grüne Dame mit ph, also Rudolph. „Das Schild ist schon immer so. Wichtig ist doch, dass mich die Leute ansprechen können“, sagt Eveline Rudolph ganz uneitel und mit einer Portion Humor.

Humor empfindet sie für ihre Tätigkeit im Krankenhaus als „nicht gerade störend“. Ein humorvoller Satz sei häufig ein Eisbrecher, wenn sie Patienten in ihrem Krankenzimmer besucht und ihre Unterstützung anbietet. Auf eine Filmkomödie anspielend, stellt sie sich schon mal mit den Worten vor: „Ich bin nicht die Frau in Rot, ich bin die Frau in Grün.“ Das lockere die Atmosphäre, sei schon hin und wieder der Einstieg in ein Gespräch gewesen, erzählt die 76-Jährige, die aus Magdeburg stammt und schon seit Anfang der 1970er Jahre in Stendal lebt.

Seit 15 Jahren dabei

Seit 15 Jahren ist sie fest mit dem Johanniter-Krankenhaus verbandelt. Als Grüne Dame. „Mal hole ich eine Erfrischung, mal ein Buch oder eine Zeitung, mal gebe ich Tipps zur Ernährung“, umreißt Eveline Rudolph ihre Aufgaben und macht klar: „Und ich kann mir die Zeit nehmen, den Patienten zuzuhören, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich glaube, dass ist das, worauf es den Patienten besonders ankommt.“

Das weiß die ehemalige Mitarbeiterin des Bauaufsichts-amtes der Stadt Stendal aus eigenem Erleben. Vor zwei Jahrzehnten musste sie sich im Krankenhaus einer schwierigen Operation unterziehen. Bei ihrem Aufenthalt dort kam sie in Kontakt mit den Grünen Damen. „Die Gespräche mit ihnen waren viel wert“, blickt sie zurück. In ihr keimte damals der Gedanke: „Das machst du, wenn du Rentnerin wirst.“ Wenige Jahre später folgten die Rente und die Umsetzung der Idee. Bereut hat die verwitwete Mutter einer Tochter und zweifache Oma nicht, den grünen Kittel übergestreift zu haben. Sie begründet: „Die Arbeit mit den Patienten ist ein Geben und Nehmen. Ich spüre oft Dankbarkeit. Und es ist toll, wenn jemand zu mir sagt: ,Es ist schön, dass es Sie gibt.‘“

Wenn das Bett dann leer ist...

Bei den Gesprächen komme man vom Hundertsten ins Tausendste, berichtet Eveline Rudolph, die auf Stationen für Herz- und Kreislaufpatienten einmal pro Woche Dienst tut. Mitunter wollen sich Patienten auch Ängste von der Seele reden, öffnen sich da lieber der Grünen Dame als Angehörigen, um diese nicht zu belasten. Nicht selten entstünden vertrauensvolle Beziehungen, sagt Eveline Rudolph, vor allem mit Patienten, die sie lange begleitet. „Wenn das Bett dann leer ist, weil der Patient gestorben ist – ja, das kommt vor –, dann ist das auch für mich nicht leicht“, erzählt sie.

Nicht nur an solchen Tagen, sondern stets nach ihrem Dienst geht sie in den Raum der Stille im Krankenhaus. „Einfach, um danke zu sagen für das Erlebte, die Gespräche, für die Kraft, die daraus erwächst“, macht Eveline Rudolph deutlich und fügt an: „Man muss nicht sehr gläubig sein, um als Grüne Dame zu arbeiten. Aber ich denke, da oben passt einer auf.“

Selbstvertrauen ist gefragt

Verstärkung für die Grünen Damen und Herren sei stets willkommen, wirbt Eveline Rudolph für ihre Passion. Was muss man dafür mitbringen? „Gesundes Selbstvertrauen, Kontaktfreudigkeit, Unvoreingenommenheit“, antwortet das Urgestein. Dann sollte der grüne Kittel passen.