Stendal l Die Krätze steht scheinbar sinnbildlich für die Entwicklung der Infektionskrankheiten im Landkreis Stendal. Die Tendenz ist dabei eindeutig: Die Fälle nehmen kontinuierlich zu. Über die aktuellen Zahlen berichtete Amtsärztin Dr. Iris Schubert unlängst im Ausschuss für Soziales und Gesundheit des Landkreises. Bei den häufigsten Infektionskrankheiten lagen Durchfallerkrankungen und Grippe (Influenza) vorne.

Verzeichnete das Gesundheitsamt des Kreises im Jahre 2010 gerade einmal vier Fälle von Krätze, waren es im abgelaufenen Jahr 113. Damit wurde der Höchststand von 73 gemeldeten Erkrankungen im Jahr 2017 noch einmal überschritten.

Vermehrt bei Drogenkonsumenten

Dabei schwingen auch immer politische Implikationen mit, wird diese von Milben ausgelöste Hauterkrankung oft mit Flüchtlingen in Verbindung gebracht. Dieser Annahme widersprach Iris Schubert entschieden. Auffällig sei vielmehr, dass die Krankheit vermehrt bei Drogenkonsumenten auftrete, sagte die Amtsärztin bei ihrer Präsentation.

Landkreis spiegelt bundesweiten Trend

Der Landkreis Stendal spiegelt dabei einen bundesweiten Trend wider. Laut einer Analyse der Krankenkasse Barmer aus dem März des vergangenen Jahres nehme die Verschreibung von Krätze-Medikamenten in allen Teilen des Landes zu. Im Jahre 2017 mussten die Unikliniken Halle und Magdeburg bedeutend mehr Krätze-Patienten behandeln. Neben der Krätze breitete sich der Keuchhusten aus. 40 Fällen im Jahre 2010 stehen 75 im vergangenen Jahr gegenüber.

Betrachtet man das Gesamtbild, kommt man zu einem ähnlichen Befund. Übermittelte der Landkreis im Jahre 2001 noch 606 Fälle von Infektionskrankheiten ans Robert-Koch-Institut in Berlin, stieg die Zahl 2018 auf den Spitzenwert von 2522. Im Jahre 2017 waren 1797 Fälle ans Robert-Koch-Institut gemeldet worden.