Corona

Kreis Stendal erhält Extra-Ration Impfstoff von Johnson & Johnson

Die Corona-Situation entspannt sich nun auch im Landkreis Stendal. Nach wochen- und monatelangen Einschränkungen spricht Landrat Patrick Puhlmann (SPD) erstmals von Lockerungen - wenn die Inzidenz weiter sinkt.

Von Andreas König
Der Landkreis Stendal erhält erstmals 600 Dosen des Impfstoffs der US-amerikanischen Firma Johnson & Johnson, unter dem Markennamen der Tochterfirma Janssen.
Der Landkreis Stendal erhält erstmals 600 Dosen des Impfstoffs der US-amerikanischen Firma Johnson & Johnson, unter dem Markennamen der Tochterfirma Janssen. Foto: dpa

Stendal - Impfstoff bleibt ein knappes Gut im Landkreis Stendal. Doch trotz der Widrigkeiten ist die Zahl der Geimpften seit der letzten Corona-Pressekonferenz des Landkreises gestiegen. Das berichtete Landrat Patrick Puhlmann (SPD) gestern in der als Videoschaltung abgehaltenen Pressekonferenz. Demnach haben im Kreis Stendal (Stand gestern) über 25.000 Menschen ihre Erstimpfung erhalten, 2500 mehr als in der vergangenen Woche. Bei den Empfängern der Zweitimpfung ist der Zuwachs noch deutlicher: 11.749 Personen haben die zweite Impfung erhalten, was einer Steigerung um 6600 entspricht.

Das fortschreitende Immunisieren der Bevölkerung wirkt sich positiv auf die Zahl der Neuerkrankten, also die Inzidenz, aus. Der Wert lag gestern laut Landrat Puhlmann bei 104 und damit nur noch knapp über der 100-Marke. Gegenwärtig gebe es 300 positiv Getestete im Kreis, 750 Menschen befänden sich in Quarantäne.

Das Ende der Notbremse im Landkreis Stendal ist nah

„Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt und fünf Werktage in Folge anhält, nähern wir uns dem Ende der Bundesnotbremse“, sagt Patrick Puhlmann. Das wiederum bringt die Menschen im Kreis einem normalen Leben ein Stück näher. „Damit würden beispielsweise wieder Modellprojekte möglich, die aufgrund der Bundesnotbremse gestoppt werden mussten“, erklärt der Landrat. Aus Tangermünde etwa lägen ausgeklügelte Konzepte vor, wie der Tourismus wiederbelebt werden könnte.

Denkbar wären Kulturveranstaltungen im Freien mit bis zu 100 Teilnehmern, die Öffnung des Außenbereichs von Gaststätten und von Baumärkten. „Die Unternehmen oder Veranstalter müssen natürlich ein Hygienekonzept erarbeiten und dem Gesundheitsamt des Landkreises vorlegen“, erläutert der Landrat. Wenn ein solches Konzept verantwortbar ist, würde die Kreisverwaltung es beim zuständigen Ministerium als Antrag einreichen. „Für Sportveranstaltungen wäre das beispielsweise das Innenministerium, für Gastronomie wäre das Wirtschaftsministerium zuständig.“

Ähnliches gelte für Freibäder oder Außenbecken von Bädern wie dem Stendaler Altoa. Allerdings müsse auch dort auf Tests, Impf- oder Genesungsnachweise wie auch auf Hygienekonzepte gesetzt werden.

Kreis Stendal erhält insgesamt 1400 Impfdosen außer der Reihe

Ein Schritt auf diesem Weg könnten weitere Impfdosenkontingente sein, die dem Landkreis in Aussicht gestellt wurden. „Wir werden erstmals eine Lieferung des Impfstoffs der Firma Johnson & Johnson erhalten, insgesamt 600 Dosen“, informiert der Landrat. Hinzu kommen Bestände von Astrazeneca, die unter anderem von nicht wahrgenommenen Impfterminen stammen. Insgesamt handelt es sich um 1400 Impfdosen außer der Reihe. „Zwar sind beide Impfstoffe offiziell für über 60-Jährige empfohlen, aber nach umfangreicher Aufklärung und nach persönlicher Abwägung und Entscheidung können sich auch andere Personen damit impfen lassen“, sagt der Landrat. Komplikationen habe es bei der Impfung mit Astrazeneca nur in „drei oder vier Fällen“ gegeben. Vor allem seien Kreislaufprobleme aufgetreten. Die gefürchteten Hirnvenenthrombosen seien nicht aufgetreten.

An die impfwillige Frau oder den impfwilligen Mann sollen die Dosen mit Hilfe von Sonderimpfaktionen kommen. „Wir wollen dazu noch in dieser Woche auf unserer Internetseite ein Angebot veröffentlichen“, verkündet Patrick Puhlmann.

Sollten sich nicht genügend Interessenten finden, gebe es Abnehmer etwa bei den Feuerwehrleuten und anderen Einsatzkräften.

Landrat bittet: Nicht zu früh zum Impftermin erscheinen

Diejenigen, die bereits Termine im Impfzentrum erhalten haben, legt der Landrat nahe, diese zuverlässig und pünktlich wahrzunehmen. „Zehn Minuten vorher zu erscheinen reicht dabei völlig aus“, empfiehlt er. Probleme habe es bislang vor allem mit Leuten gegeben, die viel zu früh am Impfzentrum erschienen sind und so für Staus sorgten. „Terminverschiebungen sind nur in extremen Ausnahmefällen wie Einweisung ins Krankenhaus oder bei Sterbefällen in der Familie möglich“, mahnt der Landrat. Wer aus weniger triftigen Gründen einen Termin sausen lasse, müsse sich erneut um einen bemühen.

Am Impfzentrum in Stendal herrscht Parkverbot. Dessen Einhaltung  wird jetzt verstärkt kontroilliert.
Am Impfzentrum in Stendal herrscht Parkverbot. Dessen Einhaltung wird jetzt verstärkt kontroilliert.
Foto: Antonius Wollmann

Die Parkplatzsituation habe sich nach den massiven öffentlichen Beschwerden und den Berichten darüber verbessert, versicherte der Landrat. Bürger, die das Impfzentrum aufsuchen, müssten allerdings die Parkplätze in der Osterburger Straße nutzen. Von dort bis ins Impfzentrum seien es 150 Meter, was jedem zuzumuten sei. „Man darf aber die Parkscheibe nicht vergessen“, erinnert der Landrat. Und das aus schmerzlicher Erfahrung. Er selbst habe „einen Beitrag zum Haushalt der Hansestadt Stendal geleistet“, indem er es versäumt habe, die Parkscheibe im Auto zu platzieren. Das Stendaler Ordnungsamt kontrolliere dort regelmäßig.