Stendal l Premiere im Kreistag Stendal. Erstmals sitzt dem Gremium mit Annegret Schwarz eine Frau vor. Die Christdemokratin ist am Donnerstagabend auf der konstituierenden Sitzung im großen Saal des Landratsamtes mit deutlicher Mehrheit gewählt worden. Sie ist zwar die einzige Bewerberin für dieses Ehrenamt gewesen, freute sich dennoch über den großen Zuspruch. Die 53-Jährige, die Bürgermeisterin in Bismark ist, tritt nun die Nachfolge ihres Parteikollegen Lothar Riedinger an, der bei der Kreistagswahl am 26. Mai nicht mehr angetreten war.

Zwei Stellvertreter

Annegret Schwarz fühlt sich gewachsen, den Kreistag zu leiten, sagte sie gegenüber der Volksstimme. Seit der Wende habe die Diplom-Verwaltungsfachwirtin 20 Jahre in der Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung gearbeitet, leitete ab 2010 das Hauptamt in Bismark und war Vize-Bürgermeisterin, bevor sie Chefin der Einheitsgemeinde wurde. „Ich bringe also Fachkompetenz und persönlich Charaktereigenschaften wie Zielstrebigkeit und Diplomatie ein“, sagte sie selbstbewusst.

Zu den ersten Gratulanten gehörte Jürgen Emanuel von den Linken, der mit 71 Jahren als ältestes Kreistagsmitglied die Sitzung, auf der vorwiegend Personalentscheidungen standen, zunächst leitete. Zum ersten Stellvertreter von Schwarz wurde Rudolf Opitz von Pro Altmark gewählt. Im ersten Wahlgang schaffte er gegen seinen Mitbewerber Günter Rettig (Linke) mit 21:20-Stimmen nicht die absolute Mehrheit. Im zweiten Durchgang genügte dann die einfache Mehrheit. Bei der Wahl des 2. Stellvertreters ging Rettig allein ins Rennen und erhielt 32 Zustimmungen der 41 anwesenden Kreistagsmitglieder.

Sechs Fraktionen

Insgesamt sind 48 Abgeordnete aus sechs Parteien und zwei Wählergruppen in den neuen Stendaler Kreistag eingezogen. CDU, Pro Altmark, Linke, AfD und SPD bilden jeweils allein eine Fraktion, FDP, Grüne und Landwirte zusammen eine. Damit ist das politische Spektrum größer geworden, in der vorangegangenen Legislaturperiode saßen vier Fraktionen im Plenum.

Bei der Verteilung der Vorsitze für die beratenden Ausschüsse überraschte die AfD-Fraktion mit einer gewissen Zurückhaltung. Die Parteimitglieder, allen voran der Kreischef Dietrich Gehlhar, betonten während ihres Wahlkampfes mehrfach, bei Erreichen einer Fraktionsstärke das politische Geschehen im Landkreis entscheidend mit gestalten zu wollen.

Losentscheid

Mit acht Mitgliedern hat die Partei dieselbe Fraktionsstärke wie Linke und Pro Altmark erreicht. Beim Zugriff auf einen Ausschuss, deren Reihenfolge ausgelost wurde, schickte die AfD Arno Bausemer als Vorsitzenden in den Rechnungsprüfungsausschuss. Ein Gremium, das ohne weiteres wichtig und gesetzlich vorgeschrieben ist, jedoch offensichtlich weniger Gestaltungsspielraum als die vier anderen Ausschüsse zulässt. Im wesentlichen prüfen die Mitglieder, ob der Haushaltsplan eingehalten und bei Ausgaben und Einnahmen nach den geltenden Vorschriften verfahren wird.

Zur Auswahl standen zu diesem Zeitpunkt noch der Sozialausschuss sowie der Ausschuss Wirtschaft/Landwirtschaft/Tourismus. Gesetzt war die mit zwölf Mitgliedern stärkste CDU-Fraktion für den Vorsitz im Bauausschuss. Die Wählergemeinschaft Pro Altmarkt entschied sich für den Ausschuss Schule/Sport/Kultur, anschließend durfte die Linke wählen und sicherte sich den Ordnungs- und Umweltausschuss.