Stendal l Wie sollte sich die Verwaltungsspitze künftig aufstellen? Mit Dezernenten statt Beigeordneten, mit einem Beigeordneten plus Dezernenten, mit Fachbereichsleitern? Oder soll es weiterhin zwei Beigeordnete geben? Auch dieses Ergebnis könnte am Ende von Gesprächen stehen, die der SPD-Fraktionsvorsitzende Patrick Puhlmann am Donnerstag den Kreistagsfraktionen angeboten hat. Doch die Mehrheit der Kreistagsmitglieder hat daran kein Interesse.

Ganz kurzfristig, nur Stunden vor der Sitzung, hatte Puhlmann den SPD-Antrag verschickt, dass die Beschlussvorlagen zur Festlegung der Wahltermine und zur Ausschreibung der Beigeordneten-Stellen zurückgestellt und erst im Kreistag am 20. Februar 2020 behandelt werden sollten. Er halte den Zeitpunkt für die Debatte über die künftige Struktur jetzt für richtig, weil die Amtszeit der Beigeordneten endet. Ansonsten würde sich erst in sieben Jahren wieder die Möglichkeit ergeben.

Mehrfach betonte Puhlmann, dass sein Gesprächs­angebot nicht bedeute, die Amtsinhaber Denis Gruber (parteilos, bis vor wenigen Tagen SPD-Mitglied), 1. Beigeordneter, und Sebastian Stoll (CDU), 2. Beigeordneter, „schlecht zu machen“ oder deren Arbeit zu bewerten.

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Für ihn biete die anstehende Beigeordnetenwahl aber „eine Chance, konkrete Alternativen zu entwickeln“. Denn Stendal sei der einzige von elf Landkreisen in Sachsen-Anhalt, der noch zwei Beigeordnete habe. Einige haben nur einen und dazu Dezernenten, andere gar keinen. Mit Blick auf die angespannte Haushaltslage sieht Puhlmann Möglichkeiten, mit einer anderen Struktur an der Spitze Kosten einzusparen.

Es geht ihm zudem um die Frage, wie die anfallende Arbeit von der Spitze gestemmt werden kann. „Reichen künftig vier Schultern von zwei Beigeordneten, um die Arbeit darauf zu verteilen?“, so Puhlmann. Schon jetzt sei es so, dass seit Jahren die Stelle des Umweltamtsleiters vom Beigeordneten übernommen wird. Egal, in welcher Konstellation, für den Sozialdemokraten ist eines wichtig: „Auch künftig muss eine reibungslose Arbeit in der Verwaltung abgesichert sein.“

Bei der AfD-Fraktion stieß der Antrag, die Beschlüsse zu verschieben, auf Ablehnung. „Die zwei Beigeordneten haben sich gut bewährt und im Großen und Ganzen gute Arbeit geleistet“, sagte Arno Bausemer. Er sehe keine Notwendigkeit, die jetzige Struktur zu zerschlagen. So sieht es auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Staudt: „Wir haben mit der Struktur der Beigeordneten bisher gut gearbeitet.“ Ins selbe Horn blies Nico Schulz, Vorsitzender der Fraktion „Pro Altmark“: „Wir haben gute Erfahrungen mit den Beigeordneten. Sie werden Ihnen eine gute Stütze sein müssen“, wandte er sich direkt an Patrick Puhlmann.

Marcus Faber (FDP) unterstützte den Antrag. „Ich finde es legitim, dass die bisherigen Strukturen betrachtet werden.“ Die ablehnende Haltung einiger Fraktionen könne er nicht nachvollziehen, denn der Vorschlag sei „keine Aufforderung zu entscheiden, sondern eine Aufforderung, darüber zu diskutieren“. Ralf Berlin, Vorsitzender der Fraktion FDP/Grüne/Landwirte, warb dafür, sich die neuen Ideen doch erst einmal anzuhören.

Am Ende wurde der Antrag der SPD-Fraktion mehrheitlich abgelehnt. Zustimmung gab es anschließend aber für die Wahltermine der Beigeordneten im Frühjahr 2020 und für die Stellenausschreibung. Er hoffe dennoch, „dass wir uns als Kreistag die Zeit nehmen, über alternative Modelle der Verwaltungsleitung zum Beispiel mit Dezernenten statt hochdotierter Beigeordnetenstellen nachzudenken“, sagte Patrick Puhlmann nach der Sitzung. Seite 17/Diese Woche