Stendal l Zucchini, Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln, Äpfel, Spitzkohl, Paprika, Tomaten, Radieschen, Kohlrabi, dazu Gewürze – es war einiges zusammengekommen, aus dem die Kochgruppe am Mittwochnachmittag in der „Kleinen Markthalle“ gleich mehrere leckere vegane und vegetarische Gerichte zubereiten konnte. Für die Premiere hatten vor allem die gut zehn Frauen, die mitgekocht haben, Obst und Gemüse mitgebracht, anderes hatte Dorothea Knauerhase, die Initiatoren der Stendaler Küche für alle, im Vorfeld bei Spendern abgeholt – und dabei sehr viel Hilfsbereitschaft erlebt.

Mal pikant gewürzt, mal von Indien inspiriert

Zum Beispiel in einem Einkaufsmarkt in Genthin, in dem die Kassiererin den Einkauf von Dorothea Knauerhase mit den Worten „Sie leben aber gesund“ kommentierte und mit Fingerzeig auf die Zucchinis sagte, die nicht mal ihren Hühnen zu füttern – obwohl im heimischen Garten einige davon wachsen. Nachdem die Stendalerin kurz ihr Küfa-Projekt vorgestellt hatte, kam prompt die Einladung, das Gemüse doch abzuholen. „Als ich da war, wurden gleich noch Kartoffeln vom Feld geholt“, freute sich Dorothea Knauerhase.

Denn solche Privatspenden sind in der Küche für alle ebenso willkommen wie Spenden von Einkaufsmärkten. Ziel der Küfas, von denen es schon viele in Deutschland gibt, ist, ein Zeichen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu setzen. Noch Essbares, das vermutlich in der Tonne landen würde, wird verarbeitet. Zum gemeinsamen Kochen und gemeinsamen Essen ist jeder eingeladen, der Lust darauf hat – ein zweites Küfa-Anliegen: Unabhängig von Alter, Herkunft oder Geschlecht begegnen sich Menschen, tragen zum gesellschaftlichen Miteinander bei, schaffen Zusammenhalt und bauen Vorurteile ab.

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Küfa Stendal: Was gekocht wurde

Bei der Premiere am Mittwoch ist das schon sehr gut gelungen. Unter der Leitung der Tangermünderin Aud Merkel wurden eine indisch gewürzte Zucchini-Zwiebel-Pfanne, gebratener Weißkohl mit Knoblauch, eine pikant gewürzte Paprikapfanne sowie eine Möhren-Kohlrabi-Pfanne, mit Zimt und Zucker karamellisiert, Rosmarin-Kartoffeln und ein frischer Salat zubereitet – spontan gemacht, erst mit Blick auf die Zutaten entschieden. Äpfel und Bananen fanden zusammen mit kaffeegetränkten Keksen und Sahne Verwendung in einem syrischen Nachtisch. Noch hat niemand die spontan kreierten Gerichte notiert, eine Anregung ist es aber. Denn einige Küfas in Deutschland haben schon Rezeptbücher aus ihren Kochabenden gemacht, berichtete Dorothea Knauerhase.

Für den ersten Gesprächsabend, bei dem der Dokumentarfilm „Afro.Deutschland“ von Jana Pareigis gezeigt wurde, hatten sich die Gastgeber Assion Lawson eingeladen, der seit mehr als 20 Jahren in Stendal lebt. Er berichtete über seine Heimat Togo, seine Familie, über die Bedingungen beim Kakao-Anbau, kam mit den Gästen über fairen Schokoladen-Handel und später mit der Journalistin Edda Gehrmann zum Beispiel über Alltagsrassismus ins Gespräch. Auch bei den kommenden Küfas wird es neben Kochen und Essen ein künstlerisches Programm oder eines zu gesellschaftlichen Themen geben.

Dorothea Knauerhases Fazit nach dem ersten Abend: „Ich freue mich, dass Küfa auch in Stendal geht. Ich bin total begeistert.“ Das große Interesse habe sie überrascht, aber auch gefreut. Partnerin bei der Umsetzung ist die Freiwilligen-Agentur Altmark.

Der nächste Küfa-Termin ist schon in zwei Wochen: am Mittwoch, 12. August. Ab 16 Uhr wird gekocht, ab 18 Uhr gemeinsam gegessen.

Wer sich als Helfer anmelden oder die Küfa mit Spenden unterstützen möchte, kann dies per E-Mail: kuechefueralle-stendal@protonmail.com, Telefon 0152/34 72 05 10 oder über die Kleine Markthalle, Telefon 03931/565 63 20.