Stendal l Um 20.59 Uhr lüftete Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) das letzte Geheimnis der Kulturehrung und überreichte Domkantor Johannes Schymalla den 1. Preis. Tosender Beifall brandete im Kleinen Saal des Stendaler Theaters auf.

Schymalla, der seit zehn Jahren als Domkantor in der Rolandstadt wirkt, zeigte sich überrascht. „Natürlich gab es eine gewisse Erwartungshaltung, als ich zur Verleihung eingeladen wurde. Ich habe mir gedacht, dass es für ein Projekt einer unserer Chöre einen Preis geben könnte. Aber nun der 1. Preis für mich ...“, meinte der Kantor kurz nach der Verleihung gegenüber der Volksstimme, noch immer etwas ungläubig dreinschauend.

Schmotz hatte die Erklärung parat. In seiner Laudatio bediente er sich bei Vergleichen aus dem Sport. Der Preisträger sei vielseitig und multifunktional wie ein Fußballtrainer. Er müsse das Team gut aufstellen, führen, motivieren, er müsse Abläufe nicht nur erklären, sondern selbst vormachen können. Das gelinge dem Preisträger – so hätten seine Mannschaften tolle, unvergessliche Spiele gezeigt, besser: zu Gehör gebracht. Und das Stadtoberhaupt löste auf: Die Mannschaft heißt Chor, der Trainer ist der Dirigent beziehungsweise Chorleiter – Johannes Schymalla.

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Der Domkantor verwies auf die Energie der 180 Sängerinnen und Sänger der fünf Chöre und machte der Stadt ein Kompliment: „Stendal bietet Platz für viele Projekte.“

Bei der 13. Kulturpreisverleihung wurden weitere fünf Preise vergeben, nachdem die Rekordzahl von 31 Vorschlägen eingereicht worden war. Schmotz schätzte ein: „Nicht jeder kann heute Preisträger sein, aber jeder Nominierte darf stolz sein.“

Bürgerbühne singt schwedisch

Zu den Geehrten zählt die Bürgerbühne am Theater der Altmark, die den Filmklassiker „Wie im Himmel“ auf die Bühne gebracht hatte. Mit viel Fleiß und einigen Selbstzweifeln. „Es war eine riesige Herausforderung. Wir mussten sogar schwedisch singen. Doch die elf ausverkauften Vorstellungen vor einem phantastischen Publikum haben viel Spaß gemacht“, erinnerte Hannes Rühlmann an die Zusammenarbeit von Junggebliebenen Altmärkern, Minimärkern und Theaterchor, die in einem 2. Kulturpreis mündete.

Ebenfalls einen 2. Kulturpreis verdiente sich der Verein „Nordwall Classic Garage“, der mit der Erhaltung und Umgestaltung der Halle am Nordwall „städtebauliche Verantwortung“ übernommen hat, wie Laudator Thomas Richter-Mendau hervorhob. Jörg Punzel machte mit seinen Dankesworten schon einmal Appetit auf den Veranstaltungskalender 2017: Dann werde ein Weltmeister aus dem Motorradrennsport in die Classic-Garage kommen.

Eines alten Gemäuers hat sich auch der Förderverein Gertraudenhospital angenommen, der einen 3. Kulturpreis erhielt. Vereinsvorsitzende Jutta Meinerts verriet das Rezept: „Beharrlichkeit, Phantasie, Einsatzbereitschaft.“

Einladung ins Lehmhaus

Auch das Musical „Linie 1“, das Jugendliche in einem Gemeinschaftsprojekt von Musik- und Kunstschule sowie Theater aufführten, erhielt einen 3. Kulturpreis und viel Lob. Regisseur Robert Grzywotz gab das Lob weiter: „Wir können nur so gute Arbeit leisten, weil die Jugendlichen so toll mitziehen.“

Toll mitziehen tun augenscheinlich auch die 20 Mitglieder des Fördervereins Lehmhaus Wahrburg bei der Erhaltung und Nutzung des Gebäudes, das 1949 als Wohnhaus errichtet worden war, und dessen Außenanlage. Vereinschefin Gerlinde Nahrstedt sagte: „Viele kennen uns. Die anderen sind eingeladen, uns zu besuchen.“

Theaterintendant Alexander Netschajew als Gastgeber der Preisverleihung freute sich über die vielen „Mosaiksteine kultureller Aktivitäten“. Die Preisträger kämen aus verschiedenen Bereichen, doch „die Liebe zur Kunst eint uns“.