Dahrenstedt l Bettina Kolodzy bezeichnet sich selbst als Großstadtpflanze. Zwar wurde sie im eher kleineren Wolfenbüttel geboren, aber schon mit einem Jahr ging es nach München. London, Berlin und Istanbul waren weitere Wohnorte. „Ich habe mich aber hier richtig in die ländliche Region verliebt“, erzählte sie am Donnerstagabend im Kunsthof Dahrenstedt. Dort war sie seit Anfang Juli Stipendiatin gewesen, ebenso wie Anja Köhne. Nun sollten die Ergebnisse der beiden – Kolodzy schreibt, Köhne fotografiert – vorgestellt werden. „Auch für uns ist das der spannendste Moment“, sagte Hejo Heussen, der den Kunsthof zusammen mit Monika von Puttkamer leitet. Zwar wohne man zusammen, aber von den Arbeiten bekämen sie nichts mit. Das wollten sie auch gar nicht. „Wir wollen uns doch nicht die Weihnachtsfreude verderben, die ist heute dran“, sagte Heussen.

Subjektiv auch mit dem Objektiv

Und für die sorgte zunächst Fotografin Anja Köhne, die ihre Fotoausstellung eröffnete. Für sie war die Umgebung keine Überraschung, sie ist gebürtige Stendalerin. Allerdings lebt sie in Kassel, wo sie auch Kunst studierte. „Über uns“ lautete ihr Thema und das war durchaus doppeldeutig zu verstehen. Zum einen betrachtete sie den Himmel über Dahrenstedt, zum anderen findet sie, dass die Deutungen der Bilder einiges über den Betrachter aussagen. „Auch wenn man mit dem Objektiv unterwegs ist, bleiben die Fotos subjektiv“, hat sie festgestellt. Und: „Die Kamera sieht viel mehr als das Auge“. So erzählt jedes Bild seine eigene Geschichte, manchmal sind auch gar keine Himmelskörper in der Ausstellung zu sehen. Konfetti auf Kopfsteinpflaster, in der Schweiz aufgenommen, wirken wie ein bunter Sternenhimmel und der staubige Computerbildschirm lässt eine dunkle Nacht mit vereinzelten Sternen vermuten. Das Heimspiel hatte für Anja Köhne einen besonderen Vorteil: Die Großeltern konnten auf ihren Sohn Hannes aufpassen.

Bettina Kolodzy war eigentlich nach Dahrenstedt gekommen, um einen Erzählband mit Geschichten ums Dorf zu komplettieren. „Ich war mit zahlreichen angefangenen Geschichten hierher gekommen und wollte sie fertigschreiben“, erzählte sie. Doch da die Region einen so großen Einfluss auf sie hatte, änderte sie den Plan. „Ich habe neue Erzählungen angefangen, zu denen mich die Altmark inspiriert hat“, beschrieb sie. Bald schon fühlte sie sich heimisch, die Bauern winkten ihr vom Feld aus zu, Menschen auf der Straße erzählten ihr Geschichten.

Wiedersehen in Osterburg

Kostproben von dem, was sie unter dem Titel „Dreivierteltakt“ zusammengefasst hat, gab sie am Donnerstagabend. Und für all die, die noch mehr hören und sehen wollten von den Werken der beiden Damen, gab es eine gute Nachricht: Beide kommen nächstes Jahr wieder, nach Osterburg ins Kreismuseum und zu den Literaturtagen.