Stendal l Dafür, dass für den Angeklagten eine Menge auf dem Spiel steht, bewies er zu Beginn des Prozesses am Stendaler Landgericht fast schon tiefschwarzen Humor. „Es war eine schöne Arbeit. Hat wirklich Spaß gemacht. Am Montag hätte ich meinen Arbeitsvertrag unterschrieben“, gab er während seiner Aussage ganz trocken zu Protokoll. Doch statt bei der Baufirma zur Vertragsunterschrift vorstellig zu werden, verbrachte der Stendaler diesen Tag im Juni schon in der Untersuchungshaft der Justizvollzugsanstalt in Burg.

Denn der 29-Jährige soll seine Frau zwei Tage zuvor von dem Balkon im zweiten Stock eines Wohnblocks gestoßen haben. Die brach sich in der Folge das Becken, mehrere Rippen und Lendenwirbel. Versuchten Totschlag wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann deshalb vor. In seiner Aussage am Freitag bestritt der Angeklagte nicht, dass er sich am Tag des Vorfalls eine heftige Auseinandersetzung mit seiner Frau geliefert hat. Sie von der Brüstung geschubst zu haben, wies er aber von sich.

Streitigkeiten eskalierten

Angefangen habe der Streit zunächst digital über Messenger-Dienste wie Whatsapp. Außergewöhnlich sei das aber nicht gewesen. „Das kam öfter vor. Wir haben uns dann gegenseitig hochgeschaukelt bis zur Eskalation“, beschrieb er die problematische Beziehung.

Zusammen gewohnt hätten die beiden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Er sei zwischenzeitlich bei einem Freund untergekommen. Um den Zwist persönlich zu klären, sei er später am Abend zur Wohnung seiner Frau zurückgekehrt. Offensichtlich stand er zu diesem Zeitpunkt noch unter dem Einfluss von Amphetamine. „In den Tagen davor hatte ich was genommen. Bei mir wirkt das immer etwas länger nach“, sagte er über die Wirkung der Aufputschmittel. Andere Hausbewohner beobachteten, wie er zunächst nervös den Kopf schüttelnd vor dem Eingang saß.

Nachdem er dort gut zwanzig Minuten verbracht hatte, entschied er sich, in den Wohnblock zu gehen. Was sich dann genau abspielte, konnte am ersten Verhandlungstag noch nicht vollständig rekonstruiert werden. Fest steht bisher nur, dass der Angeklagte ein Messer zog und damit das Handy seiner Frau zerstörte. Folgt man der Anklageschrift, drohte er ferner seiner Frau, sie abzustechen. Deshalb flüchtete sie auf den Balkon, um von dort auf den Nachbarbalkon zu klettern und sich in Sicherheit zu bringen. Dabei habe ihr Mann ihr einen Stoß gegeben und den Sturz hinab auf eine Treppe verursacht.

Nachbarin stützt Version der Ermittler

Gestützt wird diese Version von der Nachbarin, die als Zeugin aussagte. Demnach habe sie sich zunächst mit der Geschädigten unterhalten, als diese plötzlich panisch auf die Brüstung stieg. Die Frau habe laut „Nicht!“ geschrien, unmittelbar danach sei kurz die Hand eines Erwachsenen zu sehen gewesen, ehe die Frau hinunterfiel. Die Schilderungen des Angeklagten wichen davon wiederum stark ab. Er gab zu, das Handy zwar zerstört zu haben, er habe sich dann aber an den Küchentisch gesetzt und Kaffee getrunken. Was seine Frau auf dem Balkon tat, habe er nicht mitbekommen. Erst als er hinaus ging, sah er sie unten liegen. Kurioserweise stützt die Geschädigte, die trotz Ladung nicht als Zeugin erschien, diese Erzählung. In einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft stritt sie jede Mitschuld ihres Mannes an dem Sturz vehement ab.

Mit der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft korrespondiert hingegen eine Sprachnachricht des Angeklagten an seine Frau: „Es tut mit leid, was ich dir angetan habe. Ich bin eine Bedrohung für deine Familie Ich werde mich in Zukunft fernhalten.“

In der kommenden Woche wird der Prozess fortgesetzt. Mit einem Urteil wird im Dezember gerechnet.