Landtagswahl 2021

Landkreis Stendal: Freie Wähler rücken Probleme vor Ort in den Mittelpunkt

Für eine junge Partei – die Freien Wähler – bewirbt sich ein Trio um die Gunst der Wählerschaft. Nico Schulz, Hennig von Katte von Lucke und Carmen Kalkofen treten als Direktkandidaten der Wahlkreise 3, 4 und 5 zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2021 an.

Von Regina Urbat, Antonius Wollmann und Rudi-Michael Wienecke
Für die Freien Wähler im Landkreis Stendal treten zur Landtagswahl 2021 an: Nico Schulz (Wahlkreis 3), Henning von Katte (Wahlkreis 4) und Carmen Kalkofen (Wahlkreis 5).
Für die Freien Wähler im Landkreis Stendal treten zur Landtagswahl 2021 an: Nico Schulz (Wahlkreis 3), Henning von Katte (Wahlkreis 4) und Carmen Kalkofen (Wahlkreis 5). Foto: dpa

Osterburg/Stendal/Tangerhütte - Der wohl prominenteste Kandidat für die Freien Wähler in der östlichen Altmark und in Genthin im angrenzenden Jerichower Land, die zur Landtagswahl um die Gunst der Wähler werben, ist Osterburgs Bürgermeister.

Nico Schulz, Wahlkreis 3

Es ist nicht so, dass der Job des Bürgermeisters der Einheitsgemeinde Osterburg seinen Reiz verloren hat. „Im Gegenteil“, sagt Nico Schulz, der seit 2011 das Amt bekleidet, und sich dennoch ganz bewusst für die Kandidatur zur Landtagswahl entschieden hat. „Wir wollen die Fünf-Prozent-Hürde schaffen“, sagt der 47-Jährige und meint mit „wir“ die Partei Freie Wähler.

Nico Schulz (47)  möchte erneut in den Landtag.
Nico Schulz (47) möchte erneut in den Landtag.
Foto: G. Rehberg

Im Januar 2020 wurde der Osterburger Mitglied. „Die Schwerpunkte und Linien passen mit dem überein, wofür ich und die Mitglieder der neugegründeten Wählergemeinschaft „Pro Altmark“ im Kreistag Stendal stehen.“ Bei der Erarbeitung des Wahlprogramms für die Freien Wähler hat es dann „gefunkt“. Warum nicht noch einmal Landespolitik, bei der Nico Schulz bereits von 2000 bis 20018 als CDU-Landtagsabgeordneter mit gemischt hat. Warum nicht von der Biese an die Elbe, um endlich mehr für den ländlichen Raum und die Kommunen zu tun, somit auch für Osterburg. Als Mitglied im Städte- und Gemeindebund weiß er: „Wir werden angehört, ja, aber selten werden unsere Anregungen und Forderungen wirklich akzeptiert“, hadert Nico Schulz. Und genau hier sieht der verheiratete Familienvater von drei Kindern, der in Krumke aufgewachsen ist und heute noch wohnt, den Ansatz für politische Veränderungen.

Nico Schulz versteht sich als ein leidenschaftlicher Politiker. Mit der Vergangenheit bei der CDU hat er abgeschlossen. Dort ist er 1998 als Bundeswehroffizier, der Betriebswirtschaftslehre an der Universität der Bundeswehr Hamburg studierte und den Abschluss als Diplom-Kaufmann erwarb, eingetreten. Als deutlicher Kritiker des Wahlfälschungsskandals der CDU Stendal 2014, kehrte Schulz 2019 den Christdemokraten den Rücken. Das ist Geschichte, die ihn übrigens als Lektüre in seiner Freizeit interessiert. Auch spielt Schulz gern Tennis, sieht sich als Teamplayer wie auch im Berufsalltag. Er könne trotz Ehrgeiz zurückstecken. Hauptsache es geht um die Sache.

Um welche geht als Landespolitiker? „Die Kommunalfinanzen aufzustocken, Zuweisungen gerecht zu verteilen, keine Schule zu schließen und in Stendal einen Rettungshubschrauber zu stationieren.“

Hennig von Katte, Wahlkreis 4

Dass Hennig von Katte ein traditionsbewusster Mensch ist, fällt jedem Besucher seiner Kanzlei im Herzen Stendals sofort auf. Da ist zum Beispiel das große Porträt des Preußenkönigs Friedrich des Großen, das die Wand seines Büros schmückt. Oder die Abbildungen seiner adligen Vorfahren, meist hoch zu Ross dargestellt. Es sind Hinweise, wie tief verwurzelt die Familie in dieser Region ist. „Wir sind hier seit fast 800 Jahren zu Hause“, sagt der Rechtsanwalt. Für den gebürtigen Braunschweiger, der nach der Wende in die ursprüngliche Heimat seiner Familie zurückkehrte, auch eine Verpflichtung.

Hennig von Katte tritt für die Freien Wähler an.
Hennig von Katte tritt für die Freien Wähler an.
Foto: Antonius Wollmann

Deshalb engagiert er sich ehrenamtlich beim Johanniter-Orden und seit 2019 als Mitglied von Pro Altmark im Kreistag. Dort erlebt man ihn als meinungsstarken Lokalpolitiker, der Auseinandersetzungen nicht scheut. Für den Juristen ist diese Einschätzung mehr Auszeichnung als Vorwurf: „Der Streit gehört in der Politik nun mal dazu. Genauso bin ich dafür, seine Standpunkte offensiv vorzutragen.“

Über Pro Altmark fand der Vater von drei Söhnen schließlich zu den Freien Wählern. Seit Oktober des vergangenen Jahres ist er Mitglied der Partei. „Ich bin ein konservativer Mensch und fühle mich dort sehr gut politisch aufgehoben“, sagt von Katte. Weil dort bodenständige Menschen am Werk seien, die zwar ein klares Wertegerüst hätten, aber trotzdem nicht ideologisch verbohrt seien. Heißt für den leidenschaftlichen Jäger: Politik mit Augenmaß machen, an der Sache orientiert. Nicht jedem Trend müsse man hinterherlaufen.

Im Blick hat er vor allem zwei Politikfelder: Die Landwirtschaft und die medizinische Versorgung. „Bauern verbringen mittlerweile mehr Zeit vor dem Schreibtisch als auf dem Traktor. Das kann nicht sein“, mahnt er raschen Bürokratieabbau an. Für Havelberg wünscht sich von Katte eine praktikable Lösung, um die Schließung des Krankenhauses zu kompensieren. Fürs Johanniter-Krankenhaus wünscht er sich außerdem die Stationierung eines Rettungshubschraubers.

Carmen Kalkofen, Wahlkreis 5

Die selbstständige Spargelbäuerin Carmen Kalkofen beweist, dass erfolgreiche politische Arbeit auch außerhalb der etablierten Parteien möglich ist. In ihrer Heimatkommune Tangerhütte sitzt die Cobbelerin für die „Unabhängige Wählergemeinschaft Südlich Altmark“ mit im Stadtrat. Die „Landwirte für die Region“ vertritt sie im Stendaler Kreistag. Nun hatte sie sich zum Jahresbeginn entschlossen, für die Freien Wähler in den Landtag einziehen zu wollen. „Es geht so viel schief. Ich habe das Gefühl, dagegen etwas tun zu müssen, so die 48-jährige Mutter dreier Kinder, die in einer festen Partnerschaft lebt.

Carmen Kalkofen möchte eine praxisbezogene Politik.
Carmen Kalkofen möchte eine praxisbezogene Politik.
Foto: Wienecke

Sich selbst bezeichnet die gelernte Industriekauffrau als konservativ, das Engagement für eine konservative Partei komme für sie derzeit aber nicht in Frage. „Nur um sich die Regierung in Magdeburg zu sichern, hat die CDU die ländliche Bevölkerung verraten“, kritisiert Carmen Kalkofen scharf, dass das Landwirtschaftsressort in grüne Hände gegeben wurde. „Seitdem wird vonseiten einer Soziologin den Landwirten jegliche landwirtschaftliche Fachkompetenz abgesprochen“, wird sie deutlich und fordert künftig eine realitätsnahe und ideologiefreie Politik für Sachen-Anhalt. Praktiker aus der Wissenschaft, Wirtschaft, dem Handwerk und Gewerbe oder eben der Landwirtschaft sollten deshalb im Landtag das Sagen bekommen.

Die Cobbelerin ist nicht nur beruflich der Natur verbunden, sondern auch als Jägerin, Anglerin und Imkerin. In Sachen Bienenhaltung engagiert sie sich zudem im Rahmen eines mehrfach ausgezeichneten Nachwuchsprojektes. So bekamen die Knirpse aus der Cobbeler Kita bereits einen kulinarischen Stern für ihren Honig.

Kalkofens Vision für ihre Region in der Zeit nach der kommenden Legislaturperiode: „Eine gesicherte ärztliche Versorgung; Schuleinzugsbereiche, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientieren und nicht an der Personalplanung eines Ministeriums; Jugendliche, die in ihrer Heimat eine Chance bekommen; eine fertiggestellte Autobahn; den Fährverkehr zwischen Ferchland und Grieben und eine für Mensch und Natur verträgliche Wolfspopulation.“