Stendal l Mit 69 Stimmen Vorsprung setzte sich der heutige Amtsträger Carsten Wulfänger (CDU) im Dezember 2012 bei der Stichwahl um das Amt des Landrates gegen Lars Schirmer (SPD) durch.

Auch sieben Jahre nach der Landratswahl laufen immer noch Betrugsermittlungen zur Wahl. Dies bestätigte Brigitte Strullmeier als Pressesprecherin der Stendaler Staatsanwaltschaft jetzt auf Anfrage. Im Mai 2017 waren die Ermittlungen eingeleitet worden. Mehr als 70 Zeugen waren in den ersten Monaten befragt worden. Als Beschuldigter ist auch in diesem Fall der bereits 2017 verurteilte Wahlfälscher Holger Gebhardt im Visier der Ermittler.

Schon 2012 ein auffälliges Briefwahlergebnis

Gebhardt war im Jahre 2017 zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Wahl- und Urkundenfälschung in 299 Fällen verurteilt worden. Ihm war nachgewiesen worden, dass er bei der Kommunalwahl 2014 – Stendaler Stadtrat und Kreistag – Briefwahlstimmen gefälscht hatte. In dem Zuge war auch auf zurückliegende Wahlen geblickt worden. Während die Kommunalwahl 2009 – bei der es auch Auffälligkeiten im Briefwahlergebnis gibt – verjährt waren, fiel der Blick auf die knappe Landratswahl 2012. Auch hier könnte Holger Gebhardt entscheidend manipuliert haben. Jedenfalls hält die Staatsanwaltschaft weiter an den Ermittlungen fest. Und das zur Auffälligkeit: Während Wulfänger 2012 bei der Stichwahl gegenüber dem ersten Wahlgang 2000 Stimmen einbüßte, legte er bei der Briefwahl um 217 zu. Da sich die Ermittlungen als ausgesprochen umfangreich darstellen, ziehe sich das Verfahren weiter hin, sagte Staatsanwältin Strullmeier. Es seien noch weitere Schriftgutachten erforderlich, sagt sie.

Wahverlierer Schirmer hat Lokalpolitik Rücken

Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, könne derzeit nicht gesagt werden. Im Übrigen ist Staatsanwältin Annekatrin Kelm für das Verfahren zuständig, die auch schon gegen Holger Gebhardt bezüglich der Kommunalwahl 2014 zuständig war.

Als vor gut zwei Jahren die Ermittlungen zur Wahl 2012 eingeleitet wurden, da sagte Wahlverlierer Lars Schirmer, dass ihm schlecht werde, wenn er darüber nachdenke. Er habe im Vertrauen darauf, dass alles in Ordnung ist, trotz des knappen Wahlergebnisses auf die Forderung einer Nachzählung verzichtet. Schirmer hat sich in diesem Jahr aus der Lokalpolitik verabschiedet und konzentriert sich auf seine Arbeit in der Wohnungswirtschaft.