Stendal l Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Umso mehr auf dem Arbeitsmarkt. Mit jedem Monat, den er nicht gearbeitet hatte, bekam der Lebenslauf von André W. (Name geändert) aus Stendal mehr Dellen. Dabei blieb er keineswegs aus Unlust zu Hause. Im Gegenteil. Als Alleinerziehendem blieb ihm schlicht keine andere Wahl. Sein familiäres Engagement wurde ihm von potenziellen Arbeitgebern nicht gedankt. Wieder ins Berufsleben einzusteigen, wurde für den Endvierziger eine immer größere Herausforderung.

Firmen werden großzügig unterstützt

Seit April sieht es aber rosiger für ihn aus. Die lange Zeit der Arbeitslosigkeit hat ein Ende. Bei der Firma Zorn Instruments, die Prüfgeräte herstellt und weltweit vertreibt, hat André W. endlich eine Stelle gefunden. Er profitiert vom Teilhabechancegesetz. Am 1. Januar in Kraft getreten, soll es dabei helfen, Langzeitarbeitslose wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Um die Schwierigkeiten der Klientel wissend, macht das Jobcenter den Unternehmen erhebliche Zugeständnisse. In den ersten beiden Jahren der Anstellung übernimmt das Jobcenter die kompletten Lohnkosten. Auch im Anschluss daran ist mit der Förderung keineswegs Schluss. „Die Firmen können bis zu fünf Jahre unterstützt werden“, sagt Stephanie Brunke, Teamleiterin des Bereiches „Markt und Integration“ beim Jobcenter Stendal. Da die Risiken also überschaubar waren, erklärte sich Zorn Instruments bereit, einem Langzeitarbeitslosen die Chance zu geben. „Wir hatten nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen“, bringt es Geschäftsführerin Bianca Zorn auf den Punkt.

Firma ist sehr zufrieden mit dem Verlauf

Bis dato habe man jedenfalls alles richtig gemacht, ist sich Bianca Zorn sicher. Ursprünglich als Hausmeister eingestellt, hilft André W. nach gut zwei Monaten im Betrieb schon in der Produktion mit. Zuverlässig erscheine er am Arbeitsplatz. Kein Problem hatte er, sich an die Arbeitsabläufe zu gewöhnen. Seine Tätigkeiten fülle er stets nach den Vorgaben aus. Die Firma könne sich deshalb gut vorstellen, André W. langfristig einzustellen. Die Geschäftsführerin gibt aber offen zu: „Hätten wir nur den Lebenslauf gesehen, hätten wir den Mann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.“

Diese Vorbehalte kennt Mandy Hinspeter nur zu gut. Sie ist beim Jobcenter als Projektkoordinatorin für die Vermittlung der Kandidaten zuständig. Im Gespräch mit den Firmen ist es an ihr, Überzeugungsarbeit zu leisten, Menschen eine Chance zu geben, die auf den ersten Blick als wenig vermittelbar erscheinen. In zirka 40 Fällen im Landkreis ist es ihr bereits gelungen. „Wir haben uns besonders darum bemüht, Alleinerziehende in Arbeit zu kriegen, weil es diese Gruppe oft besonders schwer hat“, sagt die Jobcenter-Mitarbeiterin.

Dass es bei André W. so gut funktioniert, erfüllt sie mit Stolz. „Er lebt richtiggehend auf mit der neuen Aufgabe. Man spürt auf jeden Fall, dass er mit Spaß an der Sache dabei ist“, beobachtet Mandy Hinspeter.