Theater der Altmark und Offener Kanal starten Dokumentarfilmprojekt "Heimatstadt"

Leere Häuser: Wer kennt ihre Geschichte?

Von Nora Knappe

Das Theater der Altmark will alte, leerstehende Häuser zu neuem Leben erwecken. Mit dem dokumentarischen Kurzfilmprojekt "Heimatstadt" will man der Geschichte dieser Gebäude auf die Spur kommen - und Impulse für eine neue Nutzung setzen.

Stendal l Je oller ein Haus ist, je maroder, brüchiger, verfallener, desto mehr schaut man hin. So sehr sich eine Stadt herausputzt, ihre Gebäude saniert und restauriert - ist auch nur eines darunter, das jahrelang leersteht und vor sich hin verfällt, zieht es die Blicke auf sich. In diesem Bewussstsein haben sich jetzt das Theater der Altmark und der Offene Kanal Stendal zusammengetan, um genau dieses paradoxe Phänomen in eine positive Richtung zu lenken. Auf eine lapidare Formel gebracht: Nicht jammern über den Leerstand, sondern gucken, was man draus machen kann.

Mit dem dokumentarischen Kurzfilmprojekt "Heimatstadt", das in der nächsten Spielzeit ab September losgehen soll, will man Geschichten herausfinden und aufzeichnen, die ein jedes Haus zu erzählen hat. "Warum steht es leer? Wer hat hier mal gewohnt? Was für ein Geschäft war hier mal? Gibt es noch Erben? All das sind Fragen, die sicher nicht nur uns bewegen, sondern jeden, der an einem verfallenden Gebäude vorbeigeht", sagt Oberspielleiter David Lenard. Die Erinnerung an das, was mal war, sei wichtig, um Neues zu schaffen, um einem Gebäude zu neuem Leben zu verhelfen.

Dialog über Leerstand neu anregen

Darum werden Menschen gesucht, die etwas zu leerstehenden Häusern in Stendal und Umgebung erzählen können. Sei es, dass sie wissen, was dort einmal war, wer darin gewohnt hat oder wem es aktuell gehört. Auch Eigentümer sind aufgerufen, von ihren Plänen zu erzählen oder auch von ihren Schwierigkeiten, ein altes Haus wieder aufzumöbeln. "Am schönsten fänden wir es, wenn derjenige, der etwas zu erzählen hat, sich auch filmen, oder zumindest seine Stimme aufnehmen lassen würde", sagt Andreas Bredow vom Offenen Kanal.

Theater und Offener Kanal sind sich darüber bewusst, dass sie nicht die Ersten sind, die die Idee haben, aus alten Häusern etwas zu machen. "Wir wissen, dass es bürokratische Hürden und Denkmalschutzauflagen gibt, und dass ein Investor nicht aus dem Hut zu zaubern ist", sagt Lenard. Es gehe jedoch in erster Linie darum, den Dialog neu anzuregen, Perspektiven aufzuzeigen, Visionen und Träume vor allem der Bewohner einer Straße und Nachbarn eines maroden Hauses zuzulassen. Was daraus dann werden kann, das sei offen.

Heimat-Ausstellung im leerstehenden Haus

Und Andreas Bredows Erfahrung ist: "Manchmal braucht man nur eine andere Herangehensweise, um zum Beispiel Eigentümer oder Denkmalschutz zu Kompromissen zu bewegen. Da kann man manchmal im Gespräch Schritte aufeinanderzugehen, die beide Seiten voranbringen. Auch wenn es nur ganz kleine Schritte sind."

Wenn dabei dann eine Idee herauskommen sollte, die sogar einen nachhaltigen Effekt hat und die Wiedernutzung eines Hauses ermöglicht - umso besser. "Und sei es nur, dass man ein oder zwei Problemfälle anpacken kann", sagt Lenard überzeugt.

Konkrete Ideen gibt es derweil schon von Hochschulseite aus: Studenten in Stendal wollen ein leerstehendes Haus für gewisse Zeit mit einer Ausstellung zum Thema Heimat beleben.