Stendal l Bereits zum sechsten Mal hat der Wahrburger Carneval Club am Sonnabend die Landesmeisterschaft der Männerballette ausgerichtet. Die Gastgeber selbst, amtierender Altmarkmeister, waren allerdings nicht vertreten. Vereinsinterne Querelen hatten dazu geführt, dass Leiterin Katrin Lackert und mehrere Mittänzer den Verein verlassen haben. Wer sie bei den Prunksitzungen gesehen hat, wird sie vermisst haben, doch es gab auch viele andere sehenswerte Formationen.

In der „Hall of Dance“, wie sie es nannte, begrüßte Tatjana Meissner zusammen mit WCC-Präsident Frank Kruft das Publikum im vollbesetzten Festsaal des Schwarzen Adlers. Und getanzt wurde eine ganze Menge. Immerhin 14 Formationen waren angetreten, um sich den Titel des besten Männerballetts im ganzen Land zu holen. Die Stimmung war schon am Anfang so gut, dass Dirk Vater, Präsident des Karneval-Landesverbandes, meinte, keinen Unterschied zu den 6000 Zuschauern bei der Deutschen Meisterschaft in den karnevalistischen Tänzen zu bemerken.

Auf Originalität wird größter

Sehr wohl aber bei den Darbietungen, wenn auch das Eins-zwei-hoch-das-Bein zum Cancan aus den Anfangsjahren der Männerballette längst Vergangenheit ist und sich sehr ansehnliche Choreographien bewundern lassen. Für die gibt es im Bewertungskatalog mit acht auch nur die zweithöchste Punktzahl. Größter Wert wird auf Originalität und Männerballetttypisches ge- legt. Wer witzig und humorvoll ist, fantasievolle Einfälle hat, seine eigene Ideenvielfalt präsentiert, überraschende Effekte auf die Bühne bringt und mit seinem Tanz begeistert, bekommt dafür sogar zehn Punkte.

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Russische Hymne in einer Discoversion

Klar festgelegt ist auch, was zu einer Disqualifizierung führen kann. Ganz vorn auf der Liste stehen dabei der Auftritt von Tänzerinnen und das Überschreiten der Zeit. Übermäßiger Alkoholkonsum der Tänzer ist allerdings auch verboten.

Wenn die Lautstärke des Publikums ein Hinweis darauf sein sollte, wer von der Jury am höchsten bewertet wurde, dann war schon während des Wettbewerbs klar, wer sich den Titel holen würde. Doch es gab viele ansprechende Darbietungen. Der Karnevalsclub der Eisenbahner „Saxonia“ aus Halle begab sich mit der Hexe Baba Jaga in den russischen Märchenwald, tanzte unter anderem zu „Katjuscha“, einer Discoversion der russischen Nationalhymne und – natürlich – „Kalinka“. Der Quenstedter Carneval Club Rot-Weiß zeigte sich auch märchenhaft mit dem „Märchenprinz“ der Ersten Allgemeinen Verunsicherung oder auch „Küss mich, halt mich, lieb mich“ von Ella Endlich.

Wie es aussieht, wenn nachts im Kinderzimmer die Legokiste zum Leben erwacht, zeigte der Werdershausener Carneval Verein. Die Musik war eher unbekannt, die Idee originell und die Choreographie sehr gut gemacht. So waren es auch am Ende nur zwei Punkte, die der Landesmeister vor ihnen lag. Dem Zscherbener Karnevalsverein gelang mit der Choreographie zu „Die Schöne und das Biest“ die Titelverteidigung. Außerdem heimsten die Tänzer aus dem Saalkreis auch den Publikumspreis ein.

Für die regionalen Vertreter blieben nur zweistellige Plätze. Nach der Absage der Wahrburger kämpften der Seehäuser Carneval Club mit dem Maskentanz der Dancing Queens und der Schinner Carneval Club mit einer Punk-Choreograhie um den Titel des Altmarkmeisters. Die Schinner hatten schließlich als Zehnte die Nase vorn, die Seehäuser landeten drei Plätze dahinter.

Tänze der Gastgeber gab es denn aber doch noch zu sehen. Das Junioren-Showballett und das große Showballett zeigten nach dem Turnier Ausschnitte aus dem Programm der vergangenen Session, die unter dem Motto „Beim WCC ist‘s wunderbar, wir düsen durch Amerika“ stand. Beide Formationen durften erst nach einer Zugabe die Bühne wieder verlassen.