Stendal l Die Sekundarschule „Wladimir Komarow“ in Stendal-Stadtsee war bis vor Kurzem in einem erbärmlichen Zustand. Bis auf einige Flickarbeiten war an der vor knapp 40 Jahren gebauten Schule nichts saniert worden. Mittlerweile wurde die Fassade energetisch saniert und sieht zumindest von außen ganz schick aus.

Nun soll die Schule auch innen für 1,8 Millionen Euro saniert werden, darüber berichtete Landrat Carsten Wulfänger (CDU) am Donnerstag im Finanzausschuss. Ein neues Förderprogramm für finanzschwache Kommunen ermöglicht dies. Dem Landkreis Stendal stehen aus dem Programm rund 4,2 Millionen Euro zu.

Mit einem Schuldenstand von knapp unter 90 Millionen Euro und Kassenkrediten von bis zu 40 Millionen Euro ist der Landkreis Stendal in bezug auf die Pro-Kopf-Verschuldung mit Abstand Schlusslicht des Landes, wie Kämmerin Susanne Hoppe im Ausschuss berichtete. Der Landkreis ist damit nach kommunalrechtlicher Definition schon seit Jahren finanzschwach.

Landkreis gilt als "finanzschwach"

Aufgrund der schwachen Finanzsituation ist der Landkreis Stendal auf Förderprogramme angewiesen. „Obwohl in den vergangenen Jahren viel an den Schulen gemacht wurde, haben wir immer noch einen Sanierungsbedarf von rund 30 Millionen Euro“, sagte Landrat Wulfänger. Das Programm käme damit gerade recht. Allerdings muss der Landkreis zehn Prozent beisteuern, rund 470.000 Euro an Eigenmitteln werden eingeplant.

An der Komarow-Schulesollen 16 Unterrichtsräume, die Essensausgabe, die Brandmeldeanlage sowie die Toilettenanlage saniert werden. Außerdem soll ein Mehrzweckraum eingerichtet werden, der auch als Mensa genutzt werden kann. Rund 250 Schüler werden dort von 20 Lehrkräften betreut, ein überwiegender Teil der Schüler hat einen Migrationshintergrund.

Schulausschuss war schockiert vom Zustand

Vor zwei Jahren waren Mitglieder des Schulausschusses nahezu schockiert, als sie den Zustand der Sekundarschule besichtigt hatten. Insbesondere die sanitären Einrichtungen waren nicht mehr zeitgemäß, auch gab es keine halbwegs adäquat ausgerüsteten Fachräume für Physik und Chemie. In einem Medienraum im Keller schimmelte es.

„Es ist gut, dass da was passiert“, sagte Henning Richter-Mendau (CDU), der dem Schulausschuss des Landkreises vorsitzt und im Finanzausschuss zugegen war.

Mehrere Versuche vonseiten des Landkreises und der Stadt zur Akquise von Fördermitteln aus verschiedenen Töpfen waren bis 2016 gescheitert. Die energetische Sanierung 2017 konnte dann aus dem sogenannten Stark-III-Programm bezahlt werden. Rund eine Million Euro flossen. Allerdings konnte das Geld im Wesentlichen nur für einen energieeffizienten Fassadenneubau investiert werden.

Drei weitere Schulen profitieren

Mit dem neuerlichen Förderprogramm geht es nun an die eigentliche Substanz der Schule und damit eine nachhaltige Verbesserung der Unterrichts- und Aufenthaltsräume. Bis 2022 müssen die Arbeiten erledigt sein. 2020 soll für 600.000 Euro saniert werden und 2021 für 1,2 Millionen Euro.

Die Komarow-Schule ist nicht die einzige Schule im Landkreis, die vom Förderprogramm profitiert, aber diejenige, für die das meiste Geld vorgesehen ist.

Auch das Diesterweg-Gymansium in Tangermünde und das Markgraf-Albrecht-Gymansium in Osterburg sowie die Sekundarschule in Bismark sollen berücksichtigt werden. Für die Gymnasien sollen jeweils eine Million Euro und für die Sekundarschule 900.000 Euro beantragt werden, teilte die Verwaltung mit.

In Osterburg sollen 15 Unterrichtsräume in den Häusern A und C saniert werden. „Wir können da was kompensieren“, sagte der Landrat. Derzeit läuft an dem Gymnasium eine Sanierung, die mehrere Millionen Euro kostet. Allerdings sind nach Angaben der Verwaltung die Baukosten stark gestiegen, so dass nicht alles in dem Umfang gemacht werden kann, wie es geplant war.

In Tangermünde soll für das Geld ein Dachgeschoss mit vier Unterrichtsräumen ausgebaut und ein Teil der Fassade saniert werden. In Bismark ist eine Innensanierung des Altbaus der Sekundarschule vorgesehen, außerdem sollen Fachräume geschaffen oder die Mensa erweitert werden.