Salzwedel l Auch wenn er wegen seiner Auftritte und Tourneen wie jüngst mit der Musical-Show „Simply the Best – die Tina-Turner-Story“ (am 4. Januar 2020 in der Getec-Arena in Magdeburg) eher selten in die alte Heimat kommen kann, um Familie und Freunde zu besuchen, behält Marten Krebs doch immer im Blick, was in der Altmark passiert. Und so hat er auch von den Altmark-Festspielen gehört, die es seit 2014 gibt.

„Dann habe ich mich im Internet schlau gemacht, was es damit genau auf sich hat“, erzählt der 37-Jährige. Eines Tages griff er zum Telefon, rief Festspiel-Intendant Reinhard Seehafer an, stellte sich vor und kündigte an, wenn es terminlich passt, einmal persönlich eine Veranstaltung besuchen zu wollen.

Aufbruch zu einer „spannenden Reise“

Schon eine Woche später klingelte bei Marten Krebs das Telefon. Am anderen Ende Reinhard Seehafer mit einem Angebot: eine Rolle in Arthur Honeggers dramatischem Oratorium „Jeanne d’Arc au bûcher“. Der Schauspieler, Moderator und Entertainer sagte zu, „denn es ist ein tolles, hoch interessantes Stück über die französische Nationalheldin“. Er freue sich, Teil des großen Ensembles zu sein und vor allem, „als einziger Altmärker dabei zu sein. Ich freue mich sehr auf das Heimspiel“. Krebs: „Es ist schon eine tolle Nummer, wo die Mitwirkenden überall herkommen.“

Denn unter der musikalischen Leitung von Reinhard Seehafer, mit dem sich Marten Krebs in der vorigen Woche zu einer Einzelprobe in der Tangermünder Salzkirche getroffen hat, sind der ukrainische Nationalchor Kiew, die Internationale Philharmonie Lviv (Lemberg) aus der Ukraine und Solisten zu hören, darunter die bekannten Schauspieler Meike Droste und Michael Rotschopf sowie Kammersänger Jochen Kowalski. Den kannte Marten Krebs vorher nicht, aber nachdem er sich Kowalski-Auftritte im Internet angehört hat, schwärmt er: „Ich bin von seiner Stimme total begeistert. Und es war auch interessant, sich in sein Leben reinzulesen. Er ist ein beeindruckender Countertenor.“

Mittlerweile haben sich beide und die anderen Akteure auch persönlich kennengelernt, denn die gemeinsamen Proben in der Salzwedeler Marienkirche haben begonnen. Marten Krebs spricht im Stück den Zeremonienmeister. Er freut sich auf die intensive Zusammenarbeit, „denn wir wissen noch nicht, wo die spannende Reise hingeht“. Der Altmärker, der nach der Schule im Restaurantgewerbe und dann noch den Beruf des Kochs und Patissiers gelernt hat, beschreibt das Werden der Inszenierung so: „Es ist wie bei einer Sauce, die langsam eingekocht.“

Leidenschaft für deutsche Sprache

In einem Oratorium mitzuwirken, ist für den gebürtigen Stendaler eine neue Erfahrung. „Aber ich habe schon Bilder im Kopf, wie der Zeremonienmeister sein soll“, erzählt Marten Krebs. Ohne zu viel zu verraten, fügt er hinzu: „Es wird auf jeden Fall emotional“. Für ihn schließt sich mit „Jeanne d’Arc au bûcher“ ein Kreis. Denn vor Jahren, als er während seines Schauspielstudiums ein Austauschjahr in Frankreich verbracht hat, hat er bei einem Theaterfestival in der Bretagne ein französisches Ensemble mit der „Jeanne d’Arc“ erlebt. Dass er jetzt selbst in diesem Oratorium auf der Bühne steht, kommentiert Marten Krebs so: „Es soll so sein.“

Auch wenn er während der Aufführung das Textbuch vor sich hat, lernt der 37-Jährige seine Rolle vorher. „Ich habe lieber alles im Kopf, falls mal eine Seite runterfällt. Und ich war ja schon immer ein Freund vom Auswendiglernen.“ Vermutlich auch, weil er ein leidenschaftlicher Anhänger der deutschen Sprache und des Umgangs mit selbiger ist. Darum arbeitet Marten Krebs gern als Moderator und Synchronsprecher. Sein Metier sei „das Entertainer-Feld“, sagt er. Die große Schauspielerin und Diseuse Gisela May, die ihn künstlerisch entdeckt und gefördert hat, hat den Altmärker immer so beschrieben: „Du bist ein singender Schauspieler.“

Was Gisela May und auch Schauspielkollegin Barbara Schöne ihm noch mit auf den Weg gegeben haben, ist die Arbeitsdevise „Machen und nicht diskutieren.“ So wird es Marten Krebs dieser Tage auch bei den Proben zu „Jeanne d’Arc au bûcher“ halten.

Restkarten für „Jeanne d’Arc au bûcher“ am 31. August 2019 in der Salzwedeler Marienkirche, 19 Uhr, sind erhältlich unter Telefon 03907/776 38 77 oder online unter www.altmarkfestspiele.de (Preis: 35 Euro bzw. 30 Euro).