Wohnungsmarkt

Mieterbund in Staßfurt plant Fusion mit Verein aus Halle

Der anhaltende Mitgliederschwund zwingt den Mieterbund in Staßfurt und Bernburg zur Überlegung einer Fusion mit dem Mieterbund in Halle. Für die Mieter vor Ort hätte das sogar positive Folgen.

Von Enrico Joo 08.07.2021, 17:37
Auch in Staßfurt steigen die Mieten an.
Auch in Staßfurt steigen die Mieten an. Screenshot: Enrico Joo

Staßfurt - Die Nebenkostenabrechnung scheint zu hoch? Die Miete wurde erhöht? Es gibt Fragen bei Wasser- oder Energiekosten? Wer sich dazu beraten lassen will, kann den Deutschen Mieterbund (DMB) ansteuern. Für den Staßfurter Raum ist der DMB Bernburg und Staßfurt zuständig. Jede Woche gibt es in beiden Städten Sprechzeiten, die gut genutzt werden.

Doch die Mietervereine als Interessenvertreter stehen vor großen Herausforderungen. Wegen sinkender Mitgliederzahlen waren schon 2015 die vorher eigenständigen Vereine in Staßfurt und Bernburg fusioniert. Nun steht der nächste Schritt an. In der Versammlung des Vereins am Freitag wird darüber abgestimmt, ob der Deutsche Mieterbund Bernburg und Staßfurt mit dem Verein in Halle fusioniert. Eine Zustimmung ist zu erwarten. Zu deutlich sind die Zeichen der Zeit. „Im Jahr 2000 hatte der Bernburger Verein 900 Mitglieder und der Staßfurter Verein 350. Heute haben beide zusammen 740 Mitglieder“, sagt der Vorsitzende Peter Kaufmann. Die Tendenz ist weiter sinkend.

Die Gründe sind einleuchtend. Die Bevölkerungszahlen in beiden Städten sinken permanent, dazu sinkt die Anzahl der Mieter immer weiter, weil immer mehr Menschen sich ein Eigenheim zulegen. „Man muss sagen, dass alles unter 750 Mitglieder ineffektiv ist. Da fehlt das Geld, um den Verein am Leben zu halten“, so Kaufmann.

Idee der Fusion gibt es bereits seit 2019

Derzeit zahlen die Mitglieder einen Beitrag von 96 Euro im Jahr. Darin enthalten sind alle Beratungen, alle Kopien und jeder Brief. Damit der Beitrag stabil gehalten werden kann, ist die Fusion mit dem halleschen Verein die logische Schlussfolgerung. „Das ist auch keine Idee aus Staßfurt oder Bernburg, sondern eine Idee des Landesverbands“, erklärt Kaufmann. Die Idee gab es bereits 2019, schon 2020 sollte die Fusion durchgesetzt werden. Die Corona-Pandemie hatte das verzögert.

Im Burgenlandkreis gebe es schon jetzt nur noch einen Mieterverein. Im Salzlandkreis ist geplant, dass auch der Mieterverein aus Aschersleben sich dem neuen größeren Verein in Halle anschließt. Was passieren kann, wenn nicht fusioniert wird, hat sich in Schönebeck gezeigt. „Dort hat sich der Verein 2019 aufgelöst, weil es zu wenige Mitglieder gab und der Verein pleite war. Seitdem gibt es in Schönebeck keine Beratungen mehr. Die Mitglieder sind nach Magdeburg oder zu unserem Verein gegangen“, sagt Kaufmann.

Aber was würde die Fusion für die Mitglieder bedeuten? „Für die Staßfurter und Bernburger ändert sich nichts. Der Beitrag bleibt gleich und es gibt weiterhin jede Woche Sprechstunden vor Ort“, so Kaufmann. Es würde weiterhin zwei Geschäftsstellen in Staßfurt und Bernburg geben.

Neuer Verein hätte über 5000 Mitglieder

Der neue Großverein mit dann über 5000 Mitgliedern würde dabei dann auch von Synergieeffekten profitieren. So habe der Verein in Halle ganz andere Möglichkeiten, um mit Anwälten rechtlich zu beraten. Das kommt den Staßfurtern und Bernburgern zugute. „Die Qualität darf nicht abreißen“, so Kaufmann. Er selbst ist schon 72 und führt den Verein seit 30 Jahren. Er findet keinen jüngeren Nachfolger.

Der Mieterbund wird weiterhin gebraucht. Vielleicht mehr denn je. Die Nebenkostenabrechnungen seien zu 50 Prozent fehlerhaft. Immer wieder schaffe es der Mieterbund, Guthaben zu erhöhen oder sogar aus Nachzahlungen Guthaben zu machen.

Dazu: „Wir setzen uns ein für einen bundesweiten Mietenstopp, für mehr bezahlbare Wohnungen, Verbesserung des Kündigungsschutzes, für Entlastung der Mieter- und Mieterinnen von CO2-Kosten, für Erhöhung des Wohngeldes und ALGII und schließlich für einen grundlegenden Kurswechsel in der Wohnungspolitik“, sagt Kaufmann.

Mieten steigen auch in Staßfurt

Die Mietbelastung bleibe hoch. „Fast die Hälfte der Mieterinnen und Mieter zahlen mehr als 30 Prozent ihres Haushaltseinkommen für die Warmmiete“, berichtet Kaufmann. Zwölf Prozent aller Mieter müssten sogar 50 Prozent fürs Wohnen aufbringen. Darunter extrem viele Rentnerinnen und Rentner. „Alles das ist sozialer Sprengstoff, der leider nur sehr differenziert in der Politik wahrgenommen wird“, sagt Kaufmann. Die soziale Spaltung der Gesellschaft nehme zu.

Auch wenn Staßfurt weit weg von unbezahlbaren Mieten wie in Berlin, Hamburg oder München ist, so steigen sie auch in der Salzstadt. Lag die Netto-Kaltmiete im jahr 2015 noch bei durchschnittlich 4,50 Euro pro Quadratmeter, so sind es jetzt durchschnittlich 5,15 Euro pro Quadratmeter. Die Mieten liegen dabei zwischen 3 und 9,50 Euro pro Quadratmeter.

Es gibt einen Leerstand von elf Prozent. Das führt bei einigen Mietern zu hohen Heizkosten. In 2020 und 2021 wurden 510 Beratungsgespräche durchgeführt. 48 Prozent dieser mündlichen Beratungen fanden in der Staßfurter Geschäftsstelle statt, obwohl im Einzugsgebiet nur 29 Prozent der Mitglieder wohnen. Die Beratungsgespräche würden dabei immer länger dauern.