Stendal l Jetzt ist die Arbeitshose endlich da. Am Montag kam sie an. Und wird natürlich gleich getragen. Weil sie einerseits natürlich unheimlich praktisch ist, andererseits aber genauso ein Symbol. Dafür, den ersten großen Schritt ins Berufsleben gesetzt zu haben und in einem fremden Land ein Stück weit angekommen zu sein. Groß steht sein Name in Brusthöhe auf dem neuen Kleidungsstück: Maher Nassar. Der Syrer gehört nun richtig zum Team der Thormann-Gruppe, die in der Altmark und in Brandenburg mehrere Autohäuser hat.

Die Phase der Erprobung als Praktikant in der Werkstatt der Stendaler Niederlassung hat ein Ende, ein neuer Lebensabschnitt hat für den 21-Jährigen begonnen. Seit drei Wochen wird er zum Kfz-Mechatroniker ausgebildet. Drei Jahre nach seiner Flucht hat der Stendaler damit sein erstes großes Ziel in der neuen Heimat erreicht.

Bürokratische Hürden wurden genommen

Selbstverständlich ist dieser Werdegang keineswegs. Zielstrebigkeit des Kandidaten setzt er voraus und die Offenheit des Unternehmen, sich auf den jungen Mann einzulassen. Wenn beides zusammenkommt, kann es eigentlich nur Gewinner geben. Das Unternehmen zögerte jedenfalls nicht, Maher Nassar eine Chance zu geben, als am Anfang des Jahres ein Bildungsträger anfragte, ob es eventuell Verwendung für den jungen Flüchtling hätte. Im März begann er dann als Praktikanten in der Werkstatt.

„Gehen lassen wollten wir ihn danach nicht mehr“, erzählt Verkaufsleiter Steffen Rogge. Die Verantwortlichen des Unternehmens überzeugte Maher Nassar ziemlich schnell. Deshalb nahmen sie auch die ein oder andere hohe bürokratische Hürde, um den Kandidaten bis zum offiziellen Ausbildungsbeginn im Betrieb zu halten.

„Da war viel Papierkram zu erledigen“, sagt Steffen Rogge augenzwinkernd. Der Aufwand aber, da ist sich der langjährige Thormann-Mitarbeiter sicher, habe sich hundertprozentig gelohnt.

Etwas schüchtern wirkt Maher Nassar zwar, als er seine Geschichte dem Bundestagsabgeordneten Eckehard Gnodtke (CDU) – er macht im Rahmen seiner Sommertour Station beim Autohaus – erzählt. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Er weiß ziemlich genau, was er will. Da er mittlerweile fließend Deutsch spricht, sei die Kommunikation mit den Kollegen kein Problem. An einer Stendaler Sprachschule hatte er sich die Kenntnisse angeeignet.

Azubis sind mittlerweile Mangelware

Als motiviert und sehr gewissenhaft beschreibt ihn der Verkaufsleiter: „Genau so, wie wir uns gern jeden Azubi vorstellen würden.“ Nicht jeder Aspirant erfülle die hohen Ansprüche. Um dem Problem entgegenzuwirken, würde man mittlerweile schon frühzeitig auf Jugendliche zugehen, denen man einen Job zutraut. Andererseits würden auch andere Unternehmen so vorgehen, die Konkurrenz um junge Mitarbeiter sei nicht eben gering. Umso erfreulicher sei es, wie gewissenhaft sich Maher Nassar präsentiert hat.

Das mag daran liegen, dass der Neu-Stendaler seit längerer Zeit seinen Berufswunsch in sich trug. Nur loslegen konnte er aus verschiedenen Gründen nicht sofort.

Dabei war er bei seiner Wahl ein wenig vorbelastet. Sein Onkel übte in seiner alten Heimat die gleiche Tätigkeit aus. Von ihm erbte er quasi die Liebe zu Autos, Motoren und allem, was sonst noch dazu gehört. In der Werkstatt fühle er sich einfach total wohl, erzählt Maher Nassar. Er liebe es schlicht, zu schrauben und zu die Autos wieder auf Vordermann zu bringen. „Ich fühle mich dann manchmal wie ein Arzt. Mit dem Unterschied dass ich natürlich Autos ‚gesund‘ mache. Das ist richtig toll“, schwärmt er von seinem Job.

Und so geht er optimistisch seinen nächsten Schritt in Sachen Integration. Er ist sich sicher, dass er seine Ausbildung beenden wird und auch in Zukunft als Kfz-Mechatroniker tätig sein wird. Am besten in Stendal.