Stendal l Erst zweimal ist die „Mize“, die Migrationszeitung des Landkreises Stendal, erschienen, da hat sie bereits überregional Erwähnung gefunden. Die Michelbacher Zeitung aus Hessen, ebenfalls „Mize“ genannt, wünschte dem Namensvetter in ihrer Aprilausgabe gutes und erfolgreiches Gelingen. Stella Khalafyan, Integrationskoordinatorin beim Landkreis, lacht, wenn sie diese kleine Anekdote erzählt. Doch ein bisschen stolz ist sie auch – nicht so sehr auf die Grüße aus Michelbach sondern viel mehr auf das zwölfköpfige Team, das bereits die zweite Ausgabe der Stendaler Migrationszeitung gestaltet hat.

Hören, was Menschen bewegt

Erneut stehen in der „Mize“ Geschichten vom Weggehen und Ankommen, von Flucht und Migration. Neu als Autor dabei ist Ahmad Alfazzih aus Syrien, dessen Flucht im Landkreis Stendal ein Ende gefunden hat. 2015 ist er im Asylbewerberheim in Stendal untergekommen. Seine vierjährige Tochter lebt aber noch bei seiner Mutter in Damaskus – eine schwer erträgliche Situation für den 34-Jährigen.

In Syrien habe er ein Haus gehabt – eine Bombe hat es zerstört. Sein Auto – Soldaten haben es weggenommen. „Wegen der Bomben und dem Krieg bin ich geflüchtet“, sagt Alfazzih, „hier will ich mir eine Zukunft aufbauen.“ Ibrahim Shehade, der das Layout der Zeitung gestaltet hat, bekräftigt: „Wir fliehen aus Syrien nicht wegen des Hungers, wir fliehen wegen des Krieges. Mit der Zeitung können wir das, was über Migranten gesagt wird, richtig stellen.“

Verwirrt von fremden Sitten

Für Edda Gehrmann mit einer der wichtigsten Aspekte, der bei der Arbeit an der „Mize“ zum Tragen kommt. „Menschen, die hierher gekommen sind, können ungefiltert ihre Geschichten erzählen. Es ist doch wichtig, direkt von den Menschen zu hören, was sie bewegt.“ Man solle nicht über die Geflüchteten reden, sondern mit ihnen, sind sich alle Mitwirkenden einig.

Von der zweiten Ausgabe der „Mize“ wurden 10.000 Exemplare gedruckt, die Texte sind teilweise auch ins Arabische oder Persische übersetzt worden. Neben Themen mitten aus dem Stendaler Stadtleben – Moustafa Hassanein berichtet zum Beispiel über die Verbindung von Moschee und christlicher Kirche – finden sich auch Fortsetzungen zur ersten Ausgabe. So schreibt Ingrid Bahß, die mit ihrer Familie die DDR als „Staatsfeind“ verlassen musste, nun über ihren Neuanfang in Köln.

Jürgen Lenski hat sich derweil der Aufgabe angenommen, mit seinen Texten Verständnis für fremde Kulturen zu schaffen. „Da kommen Menschen nach Deutschland und sind ganz verwirrt von unseren Sitten“, sagt Lenski, „zum Beispiel was es mit den Ostereiern auf sich hat.“ Ein Bewusstsein für Feste zu schaffen, jene verständlicher zu machen – auch für die Deutschen – auch das versucht die „Mize“.

Migration ist nichts Neues

Letztendlich sei es doch so, dass Migration nichts Neues ist, merkt Stella Khalafyan an, die das Projekt mitangeschoben hat. „Und es ist nichts, wovor man Angst haben muss.“ Die Zeitung sei somit ein Baustein, der zu einer gelungenen Integration beitragen kann.

Die Zeitung ist kostenlos und liegt an öffentlich zugänglichen Orten in Stendal wie dem Landratsamt aus.