Stendal l Schöner Wohnen, das ist das erklärte Ziel der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG). Dafür investiert das zu 100 Prozent städtische Tochterunternehmen jährlich bis zu 6 Millionen Euro in die Häuser mit insgesamt 4.050 Wohneinheiten. Diese Investitionssumme ist bereits für 2020 beschlossen und kann wie bislang ohne Kredite aufgebracht werden, sagt der SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik nach der Sitzung des Aufsichtsrates. Zuvor besichtigte der 49-Jährige gemeinsam mit den Mitgliedern in Begleitung der Presse die Objekte, in die in diesem Jahr investiert wurde. Dabei erläuterte Jircik die einzelnen Projekte und deren Besonderheiten.

500 neue Balkone

Beispielsweise sei es der SWG durch eine kontinuierliche Modernisierung gelungen, dass sich Stendal Nord zu einem begehrten Wohnquartier entwickelt hat. Die Wohngebäude aus den 1950er Jahren haben alle neue Balkone bekommen. Die letzten 50 in der Bergstraße, sagt Daniel Jircik und fügt hinzu, „damit sind wir hier fertig“. In den zurückliegenden zehn Jahren seien für rund 4,5 Millionen Euro insgesamt 500 Balkone angebaut worden.

Zur Attraktivität beigetragen hätte auch "kluge Grundrissveränderung der Wohnungen". Küche und Bad sind nun eins – das neue Bad, und aus dem ursprünglichen Kinderzimmer ist eine geräumige Küche geworden. „Kochen ist in, man will es mit der Familie und mit Freunden gemeinsam erleben“, sagt Jircik. So seien die modernisierten Zwei-Raum-Wohnungen auch bei jungen Leuten beliebt.

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Elfgeschosser aufgewertet

Gut angenommen werde die „Auffrischung“ der Elfgeschosser. Im Block in der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße 8-12 werden Fassade und Balkonbrüstungen modernisiert. Außerdem wird noch ein Fahrstuhl erneuert, im kommenden Jahr sollen zwei Lifte saniert und die Flure gestrichen werden. Die Investition liegt 2020 in dem Elfer mit dem markanten Wimmelbild einer New Yorker Hauszeile bei 1,5 Millionen Euro. Die Mieter danken es mit Wohlwollen, „sie identifizieren sich ganz anders, wenn ihr Umfeld verschönert wird“, sagt der Geschäftsführer.

Deshalb werde auch weiter an der verbesserten Ausstattung der Wohnungen gearbeitet. Zieht ein Mieter aus, wird modernisiert, für bis zu 20.000 Euro. Manches Mal genügen nur 500 Euro. Der Fokus liege auf den Einbau von ebenerdigen Duschen, weißen Türen und zeitgemäßen Fußböden. Die Wohnvorrichtung, wie es im Fachjargon heißt, „macht am meisten Spaß“, sagt Jircik.

Mehr Sicherheit bei Elektro

Kontinuierlich fortgesetzt werden die sogenannten Strangsanierungen im Bereich Elektro und Sanitär. Wird mit Ersterem das Sicherheitsrisiko enorm verringert, werden Mieter mit dem Austausch alter Wasserleitungen weniger belastet. „Dass beispielsweise ein Rohr leckt oder bricht, sollte der Vergangenheit angehören.“ Seit Jahren gebe die SWG für Strangsanierungen rund 750.000 Euro aus. „Das werden wir in dieser Höhe fortsetzen“, so der SWG-Chef, der davon ausgeht, „in drei, vier Jahren dann durch zu sein“.

30.000 Euro jährlich wird für die Umstellung auf digitale Schließanlagen verwendet. Dies erfolge parallel zur Umrüstung auf das Unterflur-Müllsystem. „Das ist gut investiertes Geld, denn die mechanischen Schließsysteme sind um ein vielfaches anfälliger. Und verliert ein Mieter den Chip, müssen wir keine zig neuen Schlüssel kaufen, sondern nur die Schließanlage neu programmieren“, erläutert der Diplom-Wirtschaftsinformatiker den Vorteil.

Digitale Haustafel

Aus seiner Affinität zu moderner Technik macht Jircik keinen Hehl. Deshalb freue er sich, über das Modellvorhaben „Land(auf)Schwung“ 140.000 Euro Förderung für den Aufbau digitaler Haustafeln bekommen zu haben. Sie werden anstatt der Aushänge in den Eingängen platziert und informieren die Mieter sehr anschaulich, wer wofür Ansprechpartner ist, wann zuletzt Treppenreinigung und Hausmeisterrundgang waren. Zudem wird das Wetter angezeigt und Werbung, durch die laufenden Kosten gedeckt werden sollen, angeboten.

„Leider hakt es noch bei Infos zum Busfahrplan“, sagt Jircik. In den ersten 55 von insgesamt 200 Eingängen gibt es die digitale Haustafel bereits, in spätestens drei Jahren sollen alle Häuser ausgestattet sein.

Fahrstuhl im Fünfgeschosser

Drei neue Balkone werden in einem Altbau in der Wahrburger Straße an einem Giebel für rund 50.000 Euro angebaut. „Die Balkone an der anderen Giebelseite folgen später“, so der SWG-Chef, bevor er auf sein Lieblingsprojekt zu sprechen kommt, das bereits im Vorjahr in Angriff genommen wurde.

Es handelt sich um den Neubau von insgesamt zehn Fahrstuhltürmen für die Fünfgeschosser in der Hans-Schomburgk-Straße 24 bis 43. Wie 2018 werden erneut für 450.000 Euro drei Türme gebaut, im nächsten Jahr sollen sechs folgen. „Das erleichtert uns, die oberen zwei Etagen zu vermieten“, sagt Jircik. Aus Kostengründen habe sich die SWG für Fahrstühle entschieden, die auf der halben Etage halten. „Die neun Stufen zu steigen, um seine Wohnung zu erreichen, ist dann nicht mehr das Problem.“

Neues Studentenwohnheim

Für den Umbau von Wohnungen im sogenannten Affen-Elfer sind 65.000 Euro investiert worden. Die Etage ist an einen Pflegedienst vermietet. „Damit setzen wir eine Tradition fort, Eigentum an soziale Träger zu vermieten“, so Jircik.

Zu den bereits genannten Investitionen in 2020 gehören die jährlichen laufenden Instandhaltungen für rund 2 Millionen Euro und der Neubau eines zweiten Studentenwohnheimes auf dem Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal. Den Bau für etwa 1,5 Millionen Euro will die SWG jedoch über einen Kredit finanzieren. Start soll im nächsten Frühjahr sein, damit im Oktober 2021 die 30 Studenten einziehen können.

Schulden abgebaut

Insgesamt zeigt sich Jircik zufrieden. Im Oktober 2008 hat der gebürtige Sachse die Geschäftsführung bei der damals finanziell angeschlagenen SWG übernommen. Sie stand mit 70 Millionen Euro in den Miesen, mittlerweile sind die Schulden um 20 Millionen Euro abgebaut. „Daran arbeiten wir weiter, auch daran, dass der Leerstand nicht schlechter als zurzeit 8 Prozent wird“, so der Wahl-Altmärker, der sich mittlerweile in Stendal verliebt habe und „bleiben möchte“.