Stendal l Ganz entspannt sitzt Jörg Muszczak am Küchentisch. „Der Arzt hat gesagt, dass ich eine gute Konstitution habe, deswegen ist nicht viel passiert“, erzählt er. Mit 160 Stundenkilometern war er Mitte Mai in Oschersleben in die Pistenbegrenzung gekracht, verlor kurzzeitig das Bewusstsein. „Aber die Autos sind sicher, die Verstrebungen, der Fünf-Punkte-Gurt beispielsweise“, erklärt er, warum er mit blauen Flecken davonkam. Wäre der Unfall mit einem normalen Mittelklassewagen passiert, „säßen wir jetzt nicht hier“, stellt Jörg Muszczak klar.

Dabei hatte das Jahr so gut begonnen, im März ist er Vater geworden, die Autorennen rückten etwas in den Hintergrund. Doch auch nach dem Crash im Motopark stand für den Stendaler fest: Es geht weiter. Fest stand aber auch, dass es nicht mit dem eigentlichen Seat Leon Super Copa auf die Strecke gehen würde. Der Wagen hatte nämlich mehr als im übertragenen Sinne blaue Flecken abbekommen, wird derzeit noch instandgesetzt.

Trainingseinheiten gut genutzt

So ging es am Donnerstag vergangener Woche nach Belgien. Im vergangenen Jahr hatte er auf der Ardennen-Achterbahn genannten Formel-1-Strecke in Spa den dritten Platz in seiner Klasse (bis 3500 Kubikzentimeter) belegt. Das Rund gilt als der anspruchsvollste Kurs Europas. Eine Runde ist sieben Kilometer lang, mit einem Höhenunterschied von 100 Metern. In diesem Jahr nahm er nun wieder an der Cup und Tourenwagen Trophy teil.

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Am Freitag standen zwei Trainingseinheiten auf dem Programm. „Dabei ist es wichtig, sich noch einmal mit der Strecke vertraut zu machen“, erläutert Muszczak. Und mit dem Ersatzfahrzeug, ebenfalls ein Seat Leon. 45 Starter gingen auf die Strecke. Bei den Qualifikationen am Sonnabend belegte er zunächst Platz sechs in der Klassen-, Platz 14 in der Gesamtwertung, dann den vierten in der Klassen-, den zehnten Platz in der Gesamtwertung.

Unfall im ersten Rennen

Das erste Rennen wurde gleich am Sonnabend um 17.20 Uhr gestartet. „Ich bin gut weggekommen, habe ein paar Plätze gut gemacht“, schildert der 35-Jährige. Dann war er schon unter den ersten Zehn, hatte sich einem Porsche genähert. Ausgerechnet in der Eau Rouge, der wohl legendärsten Kurve der Formel 1, versuchte er zu überholen. Der Versuch misslang. Muszczak landete am Pistenrand, im Dreck, drehte sich, die Vorderreifen waren ruiniert, das Rennen war gelaufen. „Es hätte viel zu lange gedauert mit 80 zum Reifenwechsel zu fahren, da hätte ich bestimmt zwei Runden verloren“, steht er zu der Entscheidung. Bei der Trophy werden 30 Minuten gefahren, das sind etwa neun bis zehn Runden.

Bis zum Start am Sonntag waren noch rund 19 Stunden Zeit, nun hieß es runterkommen und sich konzentrieren. „Meine Dämonen vom Unfall in Oschersleben hatte ich besiegt“, erinnert sich Muszczak an seinen Kampfeswillen. Als Vierzehnter überquerte er die Startlinie, dann passierte gleich vor ihm ein Unfall, er fiel ein paar Plätze zurück. Doch dann begann Jörg Muszczaks Aufholjagd. Runde für Runde machte er Plätze gut, in der fünften Runde steckte er in einem Dreikampf mit einem anderen Seat Leon und einem Audi TT. Und dann passierte es. Die beiden Konkurrenten kollidierten etwa 20 Meter vor dem Stendaler, der durch die Staubwolke nach vorne schoss. „Das war wie im Film ,Tage des Donners‘ mit Tom Cruise“, ist er immer noch euphorisiert. In den Geraden gehörte er wegen der Motorleistung zu den Schwächsten, in den Kurven dank Fahrwerksingenieur Peter Zuckowski und seiner Fahrkunst zu den Besten. Und so erreichte er in der Klassenwertung den dritten Platz, wiederholte den Vorjahreserfolg.

Keine Reise nach Barcelona

Zu den 24 Stunden von Barcelona wird der Stendaler Rennstall MHM Motorsport dieses Jahr nicht aufbrechen. Der finanzielle Aufwand wäre zu groß. „Wir sind noch zu unbekannt, da werden Sponsoren noch nicht aufmerksam“, sagt Jörg Muszczaks Bruder Dirk. Anfang Oktober werden die 12 Stunden von Spa ausgefahren. Wenn es mit der Unterstützung klappt, könnten die Muszczaks dort an den Start gehen.

Weitere Infos zum Rennstall gibt es auf Facebook unter MHM Motorsport.