Stendal l Wenn Karl-Heinz Ziebarth aus Seehausen auf die Abfallentsorgung im Landkreis Stendal blickt, auf das 2014 entwickelte Abfallwirtschaftskonzept für die Jahre 2015 bis 2020 und „das lange Gezerre“ um die neue Satzung im Jahr 2018, auf Gerichtsurteile und Rechenfehler in der Kalkulation, spricht er von einer „unendlichen Geschichte in mehreren Akten“ und von einem „Drama“. Das hat er in einem offenen Brief an Landrat Patrick Puhlmann (SPD) und an die Kreistagsmitglieder zu Papier gebracht.

Der aktuelle, der dritten Akt: „Zum Ende dieses Jahres soll auf Biegen und Brechen abermals eine neue Satzung beschlossen werden, ohne ein schlüssiges und nachhaltiges Konzept entwickelt zu haben. Nun gibt es eine Vielzahl von Vorschlägen. Die Idee, die Veranlagung auf den Eigentümer des Grundstücks zu übertragen, wird sich abermals als Bumerang für die Verantwortlichen erweisen. Man steuert ein Auto im Nebel, ohne das Licht einzuschalten, Ausgang ungewiss.“

Tipp an die Abfallentsorger

Am Ende seiner Darstellung kommt Karl-Heinz Ziebarth zum Fazit: „Der Landkreis Stendal muss nicht bezüglich einer Abfallentsorgungssatzung das Rad neu erfinden. Es gibt in Deutschland 294 Landkreise, und davon einige Landkreise, die so ähnlich ländlich strukturiert sind, wie der Landkreis Stendal. Hier ein Tipp für die Geschäftsführung der ALS: Einfach einmal über den Tellerrand schauen, kleine Anpassungen durchführen, dann braucht man auch keine teuren Beratungsfirmen. Und wenn man seitens der Geschäftsführung noch mit den richtigen Zahlen rechnet, sollte es doch eigentlich passen.“

In seinem offenen Brief stellt der Seehäuser auch Fragen: „Wie sieht es mit einer alternativen Entsorgungsmöglichkeit des Bioabfalls aus? Im Landkreis Stendal sind derzeit 55 Biogasanlagen in Betrieb, einige Biogasanlagen sollen im Landkreis Stendal noch dazukommen. Der Inhalt der Biotonne ist doch Biomasse! Wieso wird diese Biomasse nicht dezentral den vorhandenen Biogasanlagen zugeführt?“

Vom Bioabfall zum Biogas

Während der Sitzung des Kreistages vor knapp zwei Wochen hatte Arno Bausemer (AfD) ebenfalls die Anregung gegeben, dass der Bioabfall „vor Ort zur Erzeugung von Gas und Wärme“ genutzt werden sollte, „das wäre ein guter ökologischer Weg“ – und dann könne es vermutlich nicht genug Bioabfall geben. Dabei denkt Bausemer auch an die Diskussion über die Laubentsorgung. Ein Streitpunkt ist dabei vor allem, wer für die Entsorgung der Blätter zuständig ist, die von kommunalen Bäumen fallen. Bisher muss die Leerung der Biotonne nicht bezahlt werden, darum nutzen viele die Tonne im Herbst zur Laubentsorgung. Ob das so bleiben wird, wenn jede Leerung bezahlt werden muss oder wenn Eigentümer, die eigenkompostieren, aus Kostengründen eine kleinere Biotonne wählen, wird immer wieder bezweifelt.

Bezüglich der Biogasanlage kündigte Arno Bausemer an, dass die AfD-Kreistagsfraktion einen Prüfauftrag beantragen wolle.

Landkreis Stendal antwortet nicht

Die Fragen von Karl-Heinz Ziebarth hat die Volksstimme Ende vergangener Woche über die Landkreis-Pressestelle an die ALS Abfallentsorgungsgesellschaft mbH weitergeleitet, bis zum gestrigen Abend aber keine Antworten darauf bekommen.

Nachdem der Kreistag am 12. November eine Entscheidung in den Dezember vertagt hatte, beschäftigen sich einige Ausschüsse erneut mit der neuen Abfallentsorgungssatzung und der neuen Gebührensatzung. Heute um 16 Uhr beginnt die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Ordnung, Umwelt und Landschaftsschutz im Raum Arneburg im Gebäude Arnimer Straße 1-4.