Stendal l Am Freitag erwartet die Winckelmann-Gesellschaft viele Gäste, um das neue Museum feierlich eröffnen zu können. Feststimmung wollte sich noch nicht so richtig einstellen, als Präsident Max Kunze am Donnerstag Medienvertreter durch das neu gestaltete Museum führte. An allen Ecken und Enden wurde noch gearbeitet, zahlreiche Vitrinen vor allem im Kindermuseum waren noch nicht bestückt. Tags zuvor hatte eine Baufirma die Bauherrn hängen lassen. „Die haben uns erst monatelang hingetröstet und sind dann gegangen, als sie gerade mal ein Viertel ihrer Arbeit erledigt hatten“, so Kunze. Mitarbeiter mussten dann einen Boden verlegen.

Groll um Finanzierung noch nicht verzogen

Der 74-jährige Professor ist zuversichtlich, dass trotz aller Widrigkeiten heute um 18 Uhr ein tolles Museum den geladenen Gästen aus 16 Ländern präsentiert werden kann. Ab Sonntag können alle Interessierten das Museum ansehen, das zu großen Teilen mehr als zwei Jahre geschlossen war. Vom Prinzip her, sei das Museum nun fertig. In den kommenden Monaten müsse noch etwas an der Fassade zur Winckelmannstraße gemacht werden. Auch das Außengelände soll noch zu einem Museumsquartier gestaltet werden, welches dann auch einen Zugang und einen Parkplatz vom Alten Dorf bekommt. Auch das Trojanische Pferd ist wieder aufzustellen. Allein das koste rund 50.000 Euro, schätzt Kunze ein.

Ein bisschen ist Max Kunze auch noch der Groll anzumerken, den er um die Diskussion der Finanzierung verspürte. „Ich verstehe gar nicht, warum immer so viel über das Geld geredet wird“, sagte er. Allein schon die negative Diskussion habe Auswirkungen auf den Bauverlauf gehabt.

Bilder

Als es von Stadtrat Hardy Peter Güssau (CDU) geheißen habe, dass er am liebsten eine Plane über die Baustelle ziehen und ein Band drum herum binden wolle, da seien die Bauarbeiter tatsächlich erst einmal nicht mehr gekommen. Sie hätten zur Weiterarbeit animiert werden müssen.

Kunze verwies darauf, dass die Winckelmann-Gesellschaft insgesamt 250.000 Euro an selbst eingeworbenen Sponsorengeldern eingebracht habe. Am Ende wird der Museumsbau 3,3 Millionen Euro kosten, wobei die Stadt zehn Prozent bezahlt und das Land den Rest. Für die neue Ausstellung wird rund eine Million Euro ausgegeben, zum größten Teil bezahlt von Bund und Land.

Exponate stehen im Vordergrund

„Das Geld ist sinnvoll angelegt“, sagte Professor Kunze. Nach neuesten museumspädagogischen Standards werde den Besuchern Johann Joachim Winckelmanns (1717-1768) Biografie sowie sein Werk und damit auch die Antike näher gebracht.

Als das Museum 1955 in fünf Räumen eröffnet worden sei, da sei es ein „Memorial“ gewesen. Es sei mit verschiedenen Objekten an den Altertumsforscher erinnert worden. Heute gehe es viel weiter. Dass worüber Winckelmann geschrieben hat, wird im Museum visualisiert. „Wir sind ein Museum der Objekte“, sagte Kunze. Man stelle die Exponate in den Vordergrund und unterstütze dies mit moderner Technik wie Tablets. Keinesfalls solle das Mediale im Vordergrund stehen.

Neben der Dauerausstellung zur Biografie Winckelmanns und einer großen Bibliothek wird es weiter Sonderausstellungen geben. Am Wochenende wird die Ausstellung „Niemand kann den Mann höher schätzen als ich ... – Winckelmann und Lessing“ eröffnet.

Familienmuseum ist völlig neu

Neu ist das Mäzenaten-Museum, in dem große Sammlungen gezeigt werden sollen, die der Winckelmann-Gesellschaft seit der Gründung 1940 überlassen worden sind. Diese Exponate werden im ehemaligen Kindermuseum im Dachgeschoss gezeigt. Völlig neu und nun ebenerdig wurde das Familienmuseum angelegt, dass sich spielerisch dem Thema Pompeji widmet.

„Wir müssen das Kunststück fertig bringen, für Kenner, Kinder und Interessierte was zu bieten“, sagt Kunze. Man wolle mit dem neuen Museum mehr als die bisher jährlich 13.000 Besucher locken.