Stendal l Auch wenn die Premiere erst am 21. Juni 2018 über die Bühne geht und jetzt Tag für die Tag die Endproben laufen, zieht Robert Grzywotz für sich selbst schon ein erstes Fazit: „Ich bin froh, das noch einmal gemacht zu haben.“ Was der Theaterpädagoge meint: Schon vor 15 Jahren hat er mit Jugendlichen das Erfolgsmusical „Rent“ auf die Bühne gebracht, damals mit dem Kunstplatte-Ensemble in einer ehemaligen Schule im Stadtseegebiet. Die gibt es heute nicht mehr. Aber noch immer junge Leute, die mit Begeisterung in Musicals auf der Bühne stehen. Am TdA werden sie betreut von Robert Grzywotz. Und es gibt „Rent“ mit toller Musik, mit einer Vielzahl noch immer aktueller Themen. Auch ein Grund, warum sich Robert Grzywotz auf die Neuauflage freut. Denn einiges sehe er heute klarer, verstehe manches erst jetzt richtig.

Das Stück habe ihn schon damals sehr beschäftigt, sagt der Theaterpädagoge. Auch, weil er ein großer Freddie-Mercury-Fan ist und ihn der Tod des Aids-kranken Sängers 1991 sehr berührt habe. Vielleicht nicht mehr so stark wie in den 80er und 90er Jahren, aber auch heute noch seien HIV und Aids ein Thema. Ein Punkt dafür, „Rent“ auf die Bühne zu bringen. Doch es geht um vieles mehr: um Drogenabhängigkeit und Diskriminierung, um die Kraft von Freundschaft und Menschlickeit, um den Glauben an die Liebe, um das Leben im Hier und Jetzt, weil jeder Tag der letzte sein könnte. Darum stehe „Rent“, das englische Wort für Miete, auch für anderes. „Freundschaft, Liebe, Beziehung... Ist das etwas, das ich zurückzahlen muss? Das in gewisser Weise gemietet ist?“, formuliert es Dramaturgin Anna Stegherr als Fragen.

Oper als Vorlage

Transportiert werden die Themen und ihre Botschaften fast nur gesungen, begleitet von rockiger Musik. Denn das Musical ist eine moderne Version der Oper „La Bohème“. Für die 25 Darsteller im Alter von 14 bis 24 Jahre und die sieben Bandmitglieder unter der Leitung von Sebastian Socha eine besondere Herausforderung. Unter anderem für Martin Lange. „Gesanglich ist meine jetzige Rolle schon anspruchsvoller als die früheren“, sagt der 18-Jährige, der seit vier Jahren mit dem Musical-Jugendklub auf der Bühne steht.

Er spielt den Mark Cohen, eine von acht Hauptrollen, so etwas wie der Erzähler in der Handlung. Was die Rolle für ihn so anspruchsvoll macht: „Man muss ständig auf der Bühne sein.“ Im zweiten Akt ist er komplett dabei. Aber auch die Lieder, darunter verschachtelte Rocksongs, fordern den Sängern einiges ab.

Als seine Ex-Freundin und bisexuelle Performancekünstlerin Maureen steht Josephine Lehmann auf der Bühne. Die 19-Jährige, die wie Martin Lange in diesem Jahr mit dem Abitur in der Tasche die Schule verlässt, ist in der zweiten Spielzeit im Musical-Klub dabei. Die Figur, sagt die Stendalerin, passe ganz gut zu ihr: Sie weiß, was sie will, möchte aufklären, ist auch ein bisschen rebellisch. Damit kann sich Josephine identifizieren. „Aber es gibt auch Dinge, bei denen ich sage: Das macht man nicht“, fügt sie hinzu. Für den Zuschauer, da ist sie sich sicher, werden die Aufführungen „spannend, denn der Stoff ist komplett aus dem Leben“.

Die Probenmonate, das Auseinandersetzen mit dem Stoff, beschreibt Josephine Lehmann als „unfassbar spannende Reise“. Begonnen hatte sie voriges Jahr mit Gesprächen über den Text, mit Leseproben, mit Einzel-Vorsingen bei Robert Grzywotz, bevor er die Rollen vergab. Seither wurde intensiv geprobt, ab dieser Woche im Großen Haus auf der Originalbühne, in Kostümen, seit gestern mit Orchesterbegleitung. Für Martin Lange immer einer der schönsten Momente: „Dann sieht man erstmals: Das wird daraus.“