Stendal l Museumsleiterin Gabriele Bark hat den Anbau seit vielen Jahren im Blick – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ein großer Bilderrahmen in ihrem Büro zeigt zwei Pläne, entstanden Anfang der 1990er Jahre: eine Vorderansicht, wie so ein Anbau aussehen könnte, und eine Draufsicht auf das ehemalige Klosterareal, zu dem das Altmärkische Museum, Kreuzgang, Katharine und Klostergarten gehören.

Am Dienstagabend hatte Gabriele Bark den Rahmen von ihrem Büro in die Katharine getragen – denn dort tagte der Kulturausschuss, in dem Stadtmusikdirektor Michael Hentschel als sachkundiger Einwohner Mitglied ist. Er war es denn auch, der das Thema ansprach. Nachdem er die Akustik in der Konzerthalle und „eines der schönsten Gebäude in der Stadt“ gelobt hatte, kam das große Aber: Für Musiker, besonders in großen Ensembles, sind die räumlichen Bedingungen nicht die besten. Und Michael Hentschel weiß, wovon er spricht.

Denn viele Jahre hat er zum Beispiel den Musikschulpreis der Jütting-Stiftung organisiert, vor zwei Wochen fand er erst wieder statt. Das Problem: Einspielen mussten sich die zwölf jungen Musiker im Kreuzgang – Laien könnten auch sagen im Flur –, umziehen hinter einer provisorischen Wand. Die Instrumentenkoffer müssen ebenfalls im Kreuzgang stehen. Ähnlich geht es Orchestern, denn für die Künstler stehen nur zwei kleine Räume zur Verfügung, „zwei kleine Klosterzellen“, beschrieb es Michael Hentschel.

Bilder

Und dann der Auftritt der Künstler: Vom Foyer aus müssen sie immer am Publikum vorbei zur Bühne gehen. „Wegen der Heizungsgitter im Boden empfehlen wir den Damen schon, keine hohen Hacken zu tragen“, gab der Stadtmusikdirektor seinem ersten Anliegen eine launige Note. Besser wäre es, wenn die Künstler von der Seite auf- und abtreten könnten. Das ließe sich mit einem Anbau machen.

Mehr Platz für Garderoben

„Seit 24 Jahren leben wir mit einem Provisorium“, erklärte Hentschel den Ausschussmitgliedern. Denn der Umbau der Katharinenkirche zur Konzert- und Veranstaltungshalle war als erster Schritt geplant, der Anbau sollte als zweiter folgen und die historische Klosteranlage mit einem Ostflügel wieder schließen. Man nehme den jetzigen Zustand zwar hin, so Hentschel, „aber er ist nicht zufriedenstellend. Das ist die unvollendete Katharine.“ Für die Besucher, die die Konzerte genießen, sei alles wunderbar, aber für die ausführenden Künstler nicht.

„Ich schließe mich Herrn Hentschel nur zu gern an“, nahm Museumsleiterin Gabriele Bark, in deren Zuständigkeitsbereich die Katharine fällt, den Faden auf. Wegen der räumlichen Situation komme man als Veranstalter an die Grenze, „größere Sachen können wir nicht mehr einkaufen“. Auch das Foyer sei sehr beengt mit Garderobe und Getränkeangebot in den Pausen, beschrieb Gabriele Bark die Situation. Und dann wird ja noch gern in der Katharine geheiratet – so richtig Platz zum Warten ist für größere Hochzeitsgesellschaften nicht.

Ein Anbau – der sich in moderner Bauweise durchaus zum historischen Ensemble absetzen sollte – könnte neben Garderoben und Einspielräumen für Künstler auch kleinere Veranstaltungsräume und ein Café bieten.

„Es wäre in unser aller Interesse, das Ensemble wieder herzustellen“, sagte die Museumsleiterin – das ehemalige Kloster also wieder zu vervollständigen. Dass dies funktionieren kann, hat die Stadtgemeinde mit dem neuen Westflügel am Dom bewiesen, der sich gut ins Gesamtbild einpasst.

Projekt fürs nächste Jahrzehnt

Im Kulturausschuss stieß der Vorschlag auf eine positive Resonanz. Er finde die Idee gut, sagte der Ausschussvorsitzende Peter Ludwig (SPD), „zumal die Stadt sich schon lange Gedanken darüber macht, wie der Schadewachten attraktiver werden kann“.

Aus städtebaulicher Sicht ist Georg-Wilhelm Westrum, Leiter des Amtes für Stadtumbau und Sanierung, von der Idee ganz angetan, „aber es muss auch bezahlt werden“. Er kenne diese alten Planungen und habe „auch desöfteren daran gedacht“. Er gehöre zu denen, die für eine geschlossene Klosteranlage plädieren, denn das sei „städtebaulich wünschenswert“. „Aber die Prioritäten liegen woanders. Es gibt die Pflicht und die Kür, das ist die Kür. Das ist eine Aufgabe für das nächste Jahrzehnt“, sagte Westrum. Jetzt steht der Neubau einer Grundschule an, auch anderes muss vorher noch gemacht werden.

„Wenn dies fertig ist, dann ist dies ein gutes Projekt“, sagte Peter Ludwig und bat darum, dieses Vorhaben im Blick zu behalten, „denn man braucht ja auch Vorlauf“.