Stendal l Südwestlich von Osterburg möchte die Stadt einen Mini-Windpark mit drei Windkraftanlagen einrichten. Dass dieses Begehren auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des kreislichen Umweltausschusses landete, wo es Dirk Michaelis, Leiter des Bauordnungsamtes erläuterte, hat folgenden Grund:

Windparks besser gesagt potenzielle Standorte, auf denen sie entstehen könnten, sind Bestandteil des Regionalen Entwicklungsplanes Altmark. Diese Entwicklungskonzeption für die kommenden Jahre ist beschlossen und mit ihr auch die sogenannten Vorrangflächen für Windkraftanlagen. Sollen weitere hinzukommen, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt werden, was die Stadt Osterburg für das gewünschte Vorranggebiet „Storbeck 2“ tun würde, und der Entwicklungsplan in diesem speziellen Teil (Teilplan „Wind“) müsste geändert werden.

Grünland ist Nahrungsgebiet

Aber das könnte scheitern, denn neben den zwar hier und da mit Hinweisen versehenen, aber doch größtenteils zustimmenden Stellungnahmen der Ämter der Kreisverwaltung lehnt das Umweltamt in seiner Funktion als Untere Naturschutzbehörde die Einrichtung eines weiteren, wenn auch mit 13 Hektar kleinen Windparks an dieser Stelle ab.

„Aus naturschutzfachlicher Sicht ist die benannte Fläche nicht geeignet, um als Vorranggebiet zur Nutzung der Windenergie...ausgewiesen zu werden“, heißt es in der dem Umweltausschuss vorgelegten Stellungnahme.

Einer der Gründe: Im Nahbereich befinden sich bereits etliche Windparks. Genannt werden die Anlagen Storbeck 1, Erxleben, Krevese/Düsedau und Rossau. Die Landschaft sei „nahezu überprägt durch Windkraftanlagen“, heißt es.

Doch ist nicht der optische Eindruck der entscheidende für die Naturschutzbehörde.

Es geht um den Rotmilan. Für ihn und andere Greifvogelarten seien solche Flächen – in diesem Fall ein extensiv genutzter Grünlandkomplex – die häufigsten und wichtigsten Nahrungshabitate.

Auch Weißstörche betroffen

Rund um die Osterburg seien bereits etwa 60 Windkraftanlagen gebaut. Weitere würden die Rotmilan-Population in ihrem Bestand gefährden. Streng geschützte Arten, für die hier der Rotmilan beispielhaft genannt wird, wären erheblich beeinträchtigt. Auch die Weißstörche aus Erxleben und Polkau würden das von den Windparkplanern ins Auge gefasste Areal oft als Nahrungsfläche nutzen.

Es sei falsch, so kann man aus der Stellungnahme weiter herauslesen, diese Fläche als „geringwertig“ und damit also prädestiniert für den Windkraftanlagenbau zu betrachten. Das Gegenteil sei der Fall. „Unsere intensiv genutzten Agrarräume brauchen zur Erhaltung einer artenreichen Umwelt diese Trittsteine in der Landschaft.“ Zudem führt das Umweltamt den Fledermausschutz als Argument gegen die Ausweisung dieser Flächen als Windrad-Standort ab.

Wie schwergewichtig diese Natur- und Artenschutzargumente sind, steht indes noch in den Sternen. Denn weder der Umweltausschuss des Kreistages, noch der Kreistag selbst, der am 3. November zu den Osterburger Windpark-Wünschen Stellung beziehen muss, entscheidet über eine Änderung des Regionalentwicklungsplans. Letzterer beschließt lediglich die gebündelte Stellungnahmen aller Landkreisämter zu dem Vorhaben. Ob dieses Bündel, in dem das Nein der Naturschützer nur eine, die einzig ablehnende, Stimme ist, die Änderung des Regionalen Entwicklungsplanes verhindert, darüber wird die Regionale Planungsgemeinschaft entscheiden.