Gardelegen l Seit einem halben Jahr gibt es sie nun auch in Gardelegen: In der neuen Außenstelle des Stendaler Nierenzentrums können Patienten zur Dialyse gehen. Für viele bedeutet das kurze Wege, statt langer Taxifahrten. „Und es läuft alles wunderbar“, versichert Dr. Stephan Wolter, der sich mit seinem Kollegen Dr. Alexander Krainz viele Jahre lang für diese Praxiserweiterung stark gemacht hatte. Die neue Dialyse-Station ist sozusagen von den Patienten auf Herz und Nieren geprüft. Nun wechseln sich die beiden Stendaler Nephrologen wöchentlich in Gardelegen ab.

Mit rund 50 werden hier derzeit ein Drittel aller Patienten des Nierenzentrums betreut. Aufgrund der geringeren Patientenzahl gibt es hier auch nur den Frühdienst – sprich eine Schicht von 6 bis 14.30 Uhr. „Die Schwestern hier sind darüber natürlich happy“, sagt Wolter. Und auch er und sein Kollege sind gern in Gardelegen. Schließlich ist die Praxis gleich auf dem Gelände des Gardeleger Altmark-Klinikums nicht nur nagelneu, sondern genau nach ihren Vorstellungen gebaut und damit für sie perfekt geworden. Mittlerweile gibt es auch echte Kunst von einer Hannoveraner Malerin an den Wänden. „Von uns selbst ausgesucht“, sagt Wolter fröhlich.

Patienten werden oft mehrere Jahre behandelt

Ohnehin geht es hier offenbar sehr entspannt zu, fast ein bisschen familiär. Aber das ist auch ziemlich wichtig für die Patienten. Immerhin verbringen sie an drei Wochentagen jeweils rund fünf Stunden an der Dialyse. „Für manchen hat das sozialen Charakter“, sagt Wolter.

Manch einer freue sich nämlich sogar aufs Plaudern mit den Schwestern, dem Arzt und Mitpatienten, so die das ebenfalls möchten. „Wir haben Patienten, die sind schon 15 Jahre bei uns.“ Da lernt man sich oft ganz gut kennen.

Dennoch freut sich das Team natürlich über jeden Patienten, der nicht mehr kommen muss, weil sich entweder seine Werte deutlich verbessert haben, was auch schon mal vorkommt, oder er gar eine Spenderniere erhalten konnte. Zwar sei eine Transplantation nicht für jeden Dialysepatienten möglich, „wir raten aber natürlich jedem, der geeignet ist, sich auf die Spenderliste setzen zu lassen“, versichert Wolter. Und zwar nicht nur jüngeren, sondern auch älteren, fitten Patienten. Für sie gibt es nämlich das spezielle Programm „Old for old“ - sprich: älteren Menschen können auch Organe von älteren Spendern transplantiert werden. Das erhöht die Chance auf eine Spende erheblich. Immer noch gebe es nämlich in Deutschland zu wenige Menschen, die bereit seien, Organe zu spenden erinnert Wolter.

Gute Zusammenarbeit mit Altmark-Klinikum

Die Entscheidung darüber, wer eine Spenderniere erhält, trifft in Deutschland ein Gremium in der Berliner Charitee. Dem voraus geht immer eine extrem umfangreiche Untersuchung: „Man wird sozusagen einmal komplett auf links gekrempelt“, klärt Stephan Wolter auf. „Der Patient wird auch persönlich befragt“, erst dann bekomme er, abhängig von vielen Faktoren, unter anderem der Wartezeit, einen Platz auf der Warteliste.

Nicht mehr warten müssen seit der Eröffnung des Nierenzentrums nierenerkrankte Patienten im Gardeleger Altmark-Klinikum. Die Zusammenarbeit klappe prima, lobt Wolter. In Notfallsituationen sind er oder sein Kollege sofort zur Stelle, geben auch mal Tipps zur Medikamentenanpassung. Andererseits können nun auch Programme wie zum Beispiel die Früh-Reha im Krankenhaus angeboten werden.

Bisher waren solche Angebote für Dialysepatienten nicht möglich. „Es ist praktisch eine Win-win-Situation“. Für die Zukunft sei zudem angedacht, dass sich Kollegen aus dem Klinikum im Nierenzentrum weiterbilden könnten.

Ein neues Domizil in der Praxis hat die Nierenambulanz bekommen. Die gab es hier zwar schon vorher aber längst nicht in so schmucken Räumen wie jetzt.