Stendal l Kaum hat Dr. Gunnar Lohm die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Johanniter-Krankenhaus in Stendal als Chefarzt übernommen, da versammelt er schon Koryphäen dieses Fachgebietes in der Altmark. Der 59-Jährige hat ein Symposium initiiert, das Ende Februar stattfindet. Thema ist natürlich die Strahlentherapie. Acht Referenten aus vielen Teilen Deutschlands sind avisiert.

Da nutzt der Mediziner, der vor seiner Facharztausbildung in der Strahlentherapie auch eine Ausbildung als Internist absolvierte und unter anderem in Potsdam und an der Berliner Charité tätig war, seine guten Kontakte. Die strebt er auch in und für Stendal an. „Ich muss hier neu ein Netzwerk knüpfen“, sagt Lohm, der zuletzt als leitender Oberarzt am Städtischen Klinikum Dessau arbeitete.

Nun also Anfang des Jahres der Wechsel nach Stendal, an dem Prof. Jens Bahnsen einen gewichtigen Anteil hat. Der Ex-Chef der Stendaler Strahlentherapie, der am 31. Dezember 2017 in den Ruhestand ging, hatte Lohm ins Gespräch gebracht . „Ich wollte keine Leere hinterlassen, wenn ich in Rente gehe“, hatte Bahnsen der Volksstimme kurz vor seinem Abschied gesagt. Das gelang. Für Professor Ulrich Nellessen keine Selbstverständlichkeit. In Zeiten des Ärztemangels sei es nicht so einfach, einen nahtlosen Übergang zu vollziehen, macht der Ärztliche Direktor des Johanniter-Krankenhauses klar. „Wir hatten keine Vakanz – es knirscht nicht. Und die Strahlentherapie kann ihre Arbeit kontinuierlich fortsetzen“, so Nellessen.

Beschleuniger wird ausgetauscht

Lohm spricht von einem „weichen Übergang“. Seit rund anderthalb Jahren sei er bereits mit der Stendaler Klinik im Gespräch gewesen, habe die Abteilung und ihre Mitarbeiter schon im Vorjahr kennengelernt. „Als geklärt war, dass die Strahlentherapie in Stendal voll funktionsfähig bleibt, war der Wechsel perfekt“, blickt Lohm zurück. Nun setzt er auf technische Verbesserung und damit eine höhere Qualität der Therapie: Der ältere der beiden Linearbeschleuniger soll durch einen neuen ersetzt werden. Die Kosten dafür dürften bei 1 bis 1,5 Millionen Euro liegen. Mit den Beschleunigern werden Krebszellen bestrahlt, aber auch Verletzungen – beispielsweise am Schultergelenk – und Arthrose behandelt.

Hochwertige Technik ermöglicht schonendere Therapien, sagt Lohm. Er erläutert: Habe früher eine Krebsdiagnose oft das nahe Lebensende bedeutet, so könne durch die Strahlentherapie zumeist eine Heilung erzielt oder die Krebserkrankung in eine chronische Erkrankung umgewandelt werden. Damit sei es aber auch notwendig, das umliegende gesunde Gewebe durch die Strahlung nicht anzugreifen, um die Lebensqualität der Patienten bis ins hohe Alter zu gewährleisten. Dazu tragen hochmoderne Geräte bei, die eine hochpräzise Bestrahlung ermöglichen.

Stendal noch kennenlernen

Wenn die Tätigkeit an neuer Wirkungsstätte Zeit lässt, will Dr. Gunnar Lohm Stendal und die Altmark näher kennenlernen. Noch hat er davon nicht viel gesehen, auch wenn der Mediziner, der seinen „Lebensmittelpunkt bei der Familie in Berlin“ behalten möchte, eine Wohnung in Stendal bezogen hat. Zudem hofft er auf etwas Muße für sein Hobby, das Musizieren. Doch noch fordert ihn der Job voll und auch die Vorbereitung des Symposiums.