Stendal l Andrea Thom steckt voller Vorfreude. Schon immer habe sie sich gewünscht, ein eigenes Café zu haben, erzählt die leidenschaftliche Hobbyköchin und Hobbybäckerin. In ein paar Tagen ist es soweit. Am Freitag, 9. November, eröffnet ihre „Lavanderia“ an der Hohen Bude. Dieser Begriff ist noch nicht im Stendaler Alltagssprachgebrauch angekommen, er ist das italienische Wort für Wäscherei. Und die Wahl hat gleich zwei Gründe.

Zum einen war in dem Gebäude einst die „Erste Stendaler Dampfwäscherei, Kunstfärberei, Chemische Reinigungs-Anstalt und Plisseebrennerei“ untergebracht. 1909 pachtete Paul Schlobach das Gebäude. Die Wäscherei wurde in mehreren Generationen geführt, 1993 kam das endgültige Aus.

Zum anderen gibt die italienische Sprache auch ein wenig die Richtung vor, in die gekocht werden wird. „Ich liebe Italien und die mediterrane Küche“, gestand die künftige Café-Bistro-Besitzerin. Vor allem mittags wird die Mittelmeerküche dirigieren, sei es mit hausgemachter Pasta, kleinen Quiches oder Flammkuchen.

Doch der Tag beginnt in der „Lavanderia“ nicht mit dem Mittag, sondern so wie bei den meisten Menschen mit dem Frühstück. Und da setzt Andrea Thom voll auf die Regionalität. Die Konfitüren werden nach Rezepten der Großmütter und Mütter aus altmärkischen Früchten hergestellt, der Honig kommt aus einem Dorf ganz in der Nähe, der Kaffee wird in Stendal geröstet, die Milch wird auf einem regionalen Hof produziert, natürlich werden auch die Eier sozusagen gleich nebenan gelegt. Während unter der Woche das Frühstück auf Normalmaß gehalten wird, gibt es am Wochenende eine noch größere Auswahl, zu der dann auch Pancakes, pochierte Eier und Avocadocreme gehören.

Eigentlich hatte sie zum Pressegespräch Zimtschnecken mitbringen wollen, doch die seien noch nicht abgekühlt gewesen. Doch das brachte sie auf einen weiteren wichtigen Teil des Angebots im Café: Tartes, Brownies, Cupcakes, Schokoladenkuchen, Käsekuchen in vielen Variation „und was uns sonst noch so einfällt“. Wir, das sind in erster Linie sie und ihre Köchin. Für den Abend hat sie dann noch ein Glas Wein bereit, frisches Brot, dreierlei Steichereien und das ein oder andere Mal etwas Theater oder Live-Musik.

Leerstand wird beseitigt

Mit der Eröffnung der „Lavanderia“ wird auch ein Leerstand in der Altstadt beseitigt. Das freut Hauseigentümer Thomas Richter-Mendau. Zuvor war dort das „Bistro Regional“ angesiedelt. Optimistisch war das Bistro im April 2012 an den Start gegangen. 2014 gab es im Familienzentrum Färberhof finanzielle Schwierigkeiten durch die Personalkosten im Bistro Regional, das neben dem Färberhof auch andere Kindereinrichtungen und Schulen mit Essen versorgte. Es schloss, 20 Mitarbeiter verloren dadurch ihren Job. Ein erster Versuch Richter-Mendaus, zum Sommer vergangenen Jahres einen neuen Betreiber zu finden, scheiterte.