Stendal l Die Auswirkungen des zweiten Lockdowns bekommen verschiedene Branchen zu spüren. Auch die Mitarbeiter des „Circus Bravo“ wissen nicht, wie sie ohne Vorstellungen ihre Tiere versorgen sollen. Täglich teilen sich die elf Mitarbeiter auf, um in Stendal, Osterburg, Genthin und Magdeburg vor Supermärkten und an Haustüren, um Spenden zu bitten. „Aktuell haben wir Futter für zwei Wochen. Diese Situation ist traurig und ungewiss“, erklärt Ricardo Sperlich vom „Circus Bravo“. Für die weitere Zeit sind die Futterkosten noch nicht gesichert.

Der Stadt ist nicht bekannt, dass Zirkusmitarbeiter um Spenden bitten, sagt Stadtsprecher Armin Fischbach auf Anfrage. „Grundsätzlich ist stilles betteln nicht verboten“, erklärt er. Jedoch ist aktives Bitten durch Anfassen, Einreden oder Verfolgen eine Ordnungswidrigkeit.

Trittbrettfahrer nutzen Not aus

Durch mediale Berichte über den Futterengpass des Zirkus nutzten Trittbrettfahrer die Notlage aus und geben sich als Mitglieder aus, um Spenden zu erschleichen. „Die Leute lesen die Berichte und ziehen los“, erklärt Ricardo Sperlich sich das Verhalten. Die Mitarbeiter haben dies zufällig herausgefunden, weil die Bürger ihnen sagten, dass schon Schausteller im Namen des Zirkus um Spenden gebeten hätten, sagt er. Die Gutgläubigkeit der Bürger wurde ausgenutzt.

Die letzte Station vor dem zweiten Lockdown war ein Privatplatz gegenüber eines Baumarktes in Stendal. Den mussten sie allerdings verlassen. Daher steht der Zirkus aktuell in Möckern, im Jerichower Land, im Industriegebiet.

Die Stadt Stendal verweigert einem gestrandeten Zirkus nicht grundsätzlich die Unterstützung, teilt Armin Fischbach mit. Auf dem Schützenplatz ist genügend Platz vorhanden, um dort die Zirkuswagen zu parken. Zuvor muss jedoch geklärt werden, wie groß der Zirkus ist und, ob Tiere versorgt werden müssen. Außerdem muss feststehen, wer die Strom-, Heiz- und Wasserkosten trägt.

Die Gemeinde Möckern hat dem Zirkus die Kosten für den Stellplatz, Wasser und Strom erlassen, sagt Sperling. Der Platz in Möckern ist für den Zirkus nicht unbekannt. Denn schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr durften die Mitarbeiter und die Tiere dort für sieben Monate stehen. Die Mitarbeiter haben das erneute Angebot des Bürgermeisters aus Möckern dankend angenommen.

Noch kein festes Winterquartier

Doch warum hielt sich der Zirkus während des ersten Lockdowns ausgerechnet in Möckern auf? Vor Beginn des ersten Lockdowns hat der Zirkus in Möckern ein Gastspiel gehabt. Einen Tag später durften sie nicht mehr auftreten und hatten Reiseverbot, blickt Ricardo Sperlich zurück. Die Gemeinde bot daraufhin dem Zirkus an, dort zu bleiben. „Wir haben kein festes Winterquartier“, begründet er. Im vergangenen Jahr überwinterte der Zirkus nahe Wolfsburg. Bevor die Pandemie ausbrach, hat sich der Zirkus um ein Winterquartier bemüht. Diese Planungen sind allerdings coronabedingt im Sande verlaufen.