Stendal l Rund sieben Jahre lang wurde an der Realisierung des Windparks in Hüselitz gearbeitet. Anfang des kommenden Jahres sollen südlich von Stendal insgesamt 42 Windkraftanlagen Strom produzieren – jede Anlage mit rund 3,3 Megawatt Nennleistung.

Die lange Planungszeit sei darin begründet, dass sehr viele Genehmigungen erforderlich sind, berichtet Dietmar Knünz von der ETE Windpark Verwaltungs GmbH im Gespräch mit der Volksstimme. Außerdem mussten Ländereien vermessen und Verträge mit Grundstückseigentümern abgeschlossen werden. Das Projekt habe sich als äußerst zäh erwiesen, sagte Knünz, dessen Unternehmen nicht allein verantwortlich ist, sondern mit der CPC Germania aus Rheine zusammenarbeitet. In der langen Entwicklungszeit wurde sogar der Produzent der Anlagen von Enercon auf Vestas gewechselt.

Verträge mussten immer wieder geänd

„Wir haben schon Millionen investiert, bevor der Bau losging, das Geld hätte verpuffen können“, sagte Knünz. „Wir haben viel riskiert.“ Über die lange Planungszeit hatten sich rechtliche Rahmenbedingungen immer wieder verändert und mussten insbesondere bei Fremdverträgen angepasst werden. Auch Kartierungen hätten sich immer wieder verändert. „Es gab verschobene Grundstücksgrenzen von mehr als 10 Metern“, sagte Knünz. Als erschwerend habe sich erwiesen, dass in der ersten Phase die Obere Naturschutzbehörde in Halle zuständig gewesen sei, ehe diese zum Landkreis Stendal gewechselt ist.

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„Da wurden dann angearbeitete Akten weitergegeben“, sagt der Bauingenieur, der aus dem österreichischen Voralberg stammt, aber schon 15 Jahre in der Windbranche in Deutschland tätig ist. Seit drei Jahren ist der Wahl-Münchner in Stendal vor Ort und treibt das Projekt an. Sein Büro hat er an der Poststraße im Sparkassengebäude. Seit Mitte des Jahres ist seine GmbH in Stendal ansässig. „Die gesamte Gewerbesteuer bleibt vor Ort“, sagt der Geschäftsführer.

500 Grundstücksbesitzer profitieren von

Neben dem finanziellen Risiko, dass mit einer derartigen Projektplanung einhergehe, betont er, dass es gleichzeitig viele Profiteure vor Ort gebe. Es waren rund 500 Verträge mit Grundstückseigentümern erforderlich, die nun ordentliche Einnahmen auf dem Konto haben werden.

Seitdem der Landkreis Stendal bei den Genehmigungsverfahren federführend ist, flutscht es, sagte Dietmar Knünz. „Die sind näher an der Wirklichkeit.“ Von daher arbeite er auch schon an Folgeprojekten in der Region. Welche Flächen er dabei im Visier hat, wollte er nicht sagen. „Das EEG ist noch gut entwickelt“, sagte Knünz, auch da habe das Risiko von ungünstigen Veränderungen bestanden. EEG heißt Erneuerbare-Energien-Gesetz und regelt feste Einspeisevergütungen von Stromproduzenten. Immer schwieriger gestalte sich Windvorranggebiete auszumachen. Auch im Landkreis Stendal gibt es mittlerweile 290 Anlagen.

Der Windpark in Hüselitz soll nun im ersten Quartal 2016 fertiggestellt werden, sechs Anlagen laufen bereits im Probebetrieb, 17 Anlagen sind errichtet. „Es gibt immer Windtage, an denen nicht gearbeitet werden kann“, sagt Knünz. Was in späteren Tagen sehr erwünscht ist, ist in der Bauphase gefährlich. Mit drei Raupenkränen mit einer Hakenhöhe von 45 Metern einer Raubenbreite von neun Metern werden die Anlagen in Hüben fertiggestellt. Allein das Maschinenhaus mit Rotor wiegt 195 Tonnen, der Turm noch einmal 380 Tonnen. Das Fundament hat ein Gewicht von 2000 Tonnen.