Das System „Grüner Punkt“

Am 28. September 1990 wurde die Firma „Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH (DSD)“ gegründet. Sie ist zunächst alleiniger sogenannter Systembetreiber für die Sammlung von Leichtverpackungen („Gelbe Tonne“).

Mittlerweile gibt es zehn Systembetreiber in Deutschland, von denen eine die Firma Landbell AG für Rückhol-Systeme aus dem rheinland-pfälzischen Mainz ist.

Territorial wechseln die Zuständigkeiten der einzelnen Systembetreiber. Im Landkreis Stendal geht diese 2018 von DSD auf Landbell über.

Üblicherweise beauftragen die Systembetreiber Subunternehmen mit dem Einsammeln des Mülls. DSD hatte 2015 die Tangerhütter Firma Cont-Trans – nach einer Ausschreibung – beauftragt. Es besteht kein Vertragsverhältnis zwischen dem Landkreis und Cont-Trans.

Tangerhütte/Stendal l Welche Firma darf ab 2018 die Leichtverpackungen („Gelbe Tonnen“) im Landkreis Stendal einsammeln? Seit Januar 2015 liegt der Auftrag bei der Tangerhütter Firma Cont-Trans. Inwiefern die Firma auch im kommenden Jahr mitmischt, ist unklar.

Obwohl mittlerweile nach einem Ausschreibungsverfahren ein bestbietendes Unternehmen ermittelt wurde, so wird von keiner Seite der Name offiziell genannt.

Landkreis und Ministerium nicht informiert

„Uns liegt namentlich nur der Bestbieter der Ausschreibung vor“, sagt Dirk Staubach als Prokurist der Mainzer Firma Landbell AG. Die Firma gehört zu einem von zehn sogenannten Systembetreibern in Deutschland für die Gelben Tonnen. Die Landbell AG ist ab 2018 für den Landkreis Stendal zuständig und überlässt die Einholung des Mülls einem beauftragten Unternehmen, das durch besagte Ausschreibung ermittelt wird.

Auch der Landkreis Stendal und das Umweltministerium halten sich bedeckt. „Zur Ausschreibung liegen keine Erkenntnisse vor“, sagt Ministeriumssprecherin Petra Franke. Sprecherin Angela Vogel vom Landkreis sagt: „Auskünfte kann Ihnen nur die Firma Landbell erteilen.“

Nach Volksstimme-Informationen ist die Recyclinghof Farsleben GmbH als bestbietende Firma aus dem Verfahren hervorgegangen. Der Geschäftsführer Norman Mattke möchte die Information weder bestätigen noch dementieren.

Neue Firma, selbe Adresse

Mattke ist indes kein Unbekannter in Sachen Gelbe Tonne im Landkreis Stendal. Er fungiert bei der Firma Cont-Trans als Sytembeauftragter. Der 42-Jährige zeigte sich in den vergangenen Monaten umtriebig und hat im Juli die Federführung über Cont-Trans übernommen – und zwar über eine Firmenneugründung. Noman Mattke gründete Ende 2016 die Firma Prinum Holding GmbH mit der Geschäftsadresse Tangermünder Chaussee 3 in Tangerhütte. Die Adresse ist identisch mit der von Cont-Trans. Mattke ist zusammen mit Steffen Stappenbeck Geschäftsführer der Prinum Holding GmbH.

Das neu gegründet Unternehmen ist nun im Juli als jeweiliger Alleingesellschafter in die Firmen Cont-Trans Entsorgungs GmbH, Cont-Trans Transport GmbH sowie die Recyclinghof Farsleben GmbH eingestiegen.

2017 Tausende Tonnen neu gestellt

„Das ist ein ganz normaler Vorgang, wenn man mehrere Firmen zusammenfassen möchte“, sagt Norman Mattke gegenüber der Volksstimme.

Aus seiner Sicht gebe es nur noch vereinzelte Probleme mit der Entsorgung der Gelben Tonne. „Es gibt immer wieder Leute, die ihren Restmüll so entsorgen“, sagt Mattke.

Allerdings sei seit Ende 2016 ein massives Problem aufgetaucht, was die Stellung von neuen Gelben Tonnen anlange. Mehr als 3000 neue Tonnen hätten herausgegeben werden müssen, da der Landkreis nach Überprüfung von Meldedaten zahlreiche „Zwangsanschlüsse“ vorgenommen habe. Es sei festgestellt worden, dass viele Haushalte nicht beim Restmüll berücksichtigt worden waren. Entsprechend hatten sie zuvor auch keinen Anspruch auf eine Gelbe Tonne. „Dass die Listen nicht stimmen, haben wir schon lange festgestellt“, sagt Mattke. Der Landkreis ließ eine Anfrage der Volksstimme zu den Vorwürfen unbeantwortet.

Im Übrigen wird beim Landkreis weiter versucht, eine Abstimmungsvereinbarung zwischen Landkreis und Firma Landbell AG doch noch zustande zu bekommen. Mit der Vereinbarung sollen Details zur Entsorgung der Gelben Tonne geregelt werden. Die bisherige Vereinbarung, die mit dem Dualen System Deutschland (DSD) geschlossen worden war, läuft Ende 2017 aus. Unpräzise Formulierungen hatten zu erheblichen Diskussionen geführt.

Der Abschluss einer neuen Vereinbarung war im Mai gescheitert, obwohl Landkreis und Landbell sich einig waren. Jedoch stimmten die Systembetreiber – hinter verschlossenen Türen – dem nicht zu.