Stendal l Deutsche haben ein falsches Bild von Muslimen und Muslime kommen nicht aus der „Blase“ ihrer eigenen sozialen Kreise raus. Andreas Bredow zufolge seien das zwei große Probleme der heutigen Gesellschaft. Eine Talkshow soll helfen. Neben Integration möchte der Geschäftsführer des Offenen Kanals Stendal zusätzlich die Medienkompetenz von Migranten fördern.

„Wir wollen an die Islamische Gemeinde herantreten“, sagt der 53-Jährige aus Mahlwinkel. Es soll eine Talkshowreihe entstehen. Gemacht von Muslimen, produziert für das deutsche Publikum. Die Themen für die erste Sendung stehen bereits fest: Was ist Heimat? Was ist Zuhause? Die zweite Sendung trägt bisher den Arbeitstitel: „Wie kann man Tradition an die deutsche Gesellschaft anpassen?“

Fragen zwischen den Kulturen

Fragen, die Bredow zufolge zwischen den Kulturen nicht eindeutig geklärt sind. Er selbst hat privat eine Situation erlebt, die ihn überrascht hat und zum Nachdenken brachte.

Im Jahr 2018 hat er geheiratet. Ein Auszubildender hat ihm seine Hilfe angeboten. Der Azubi ist Muslime und Teil der Islamischen Gemeinde. In Bredows Auto waren Cola, Fanta, Sprite und mehrere Bierkästen, die für die Feierlichkeiten gekauft worden. Beim Tragen der Bierkästen musste der Azubi passen. Traditionell ist es im Islam verboten, Alkohol zu trinken. Für den Azubi wäre es ein Tabubruch gewesen. Er hätte seinem Freund beim Trinken von Alkohol geholfen. „Kann man da nicht einen Kompromiss finden?“, fragt sich Bredow.

Die Pilotfolge der Talkshow soll am Freitag, 28. Februar, aufgenommen werden. Im März folgt die Premiere der Sendung. Ein genauer Termin steht noch nicht fest, aber von der Talkshow soll eine Folge pro Monat erscheinen. Und zwar in zwei Sprachen: Deutsch und Arabisch. Bredow und seine Mitarbeiter werden nur beratend zur Seite stehen. Die Mitglieder der Islamischen Gemeinde sollen so selbstständig wie möglich die Produktion leiten.

Aus Flucht entsteht Freundschaft

Andreas Bredow möchte mit dem Projekt auch aufzeigen, dass es vermutlich weniger Unterschiede zwischen Flüchtlingen von heute, im Vergleich zu innerdeutschen Flüchtlingen aus dem Zweiten Weltkrieg gibt. Und, dass sich daraus Chancen entwickeln können. Seine Großeltern wurden gegen Ende des Krieges umgesiedelt und fanden auf einem fremden Bauernhof Zuflucht, erinnert sich der 53-Jährige an Erzählungen. Die Bauern mussten das Wenige, was sie hatten teilen. Am Ende entstanden aus einer schwierigen Situation langjährige Freundschaften.

Die Talkshow ist nicht das einzige Projekt, das bei der Integration helfen soll. Die Mitarbeiter des Offenen Kanals sollen auch mit den rund 120 muslimischen Schülern zusammenarbeiten. Medienkompetenz wäre Bredow zufolge kein Thema bei den Kindern. Das soll sich ändern. Der Plan ist es, die Schüler für eigene Filme, in denen es um Handys, Mobbing und eigene Lebenswelten gehen könnte, anzuleiten. Zusätzlich möchte der 53-Jährige so die Eltern erreichen, die sich in eigenen sozialen „Blasen“ bewegen und in die deutsche Gesellschaft integrieren.