Stendal l „Und wo soll da noch das Gepäck rein?“ So eine Frage stellt natürlich nur eine pragmatisch veranlagte Reisefreudige. Die Umstehenden hingegen schauen aufs Wesentliche: Steuerung, Anzeigen, Motorraum, wie viele Liter passen in den Tank... Wenn in der Nordwall-Classic-Garage ein neues Gefährt in Empfang genommen wird, dann geht es natürlich eher um Technisches. Und das mit dem Gepäck ist so nebensächlich wie hypothetisch. Denn schließlich soll mit dem Messerschmitt-Kabinenroller, der seit Kurzem in dem Vereinsmuseum steht, keine Urlaubsreise gemacht werden.

Obwohl... Hans-Jürgen Kaschade kann da Geschichten erzählen von einigen Reisen mit ebensolchem dreirädrigen Gefährt. „Anfang der 60er Jahre habe ich vier Jahre so ein Auto gefahren, die weiteste Reise führte nach Norwegen“, plauderte er vorige Woche bei der offiziellen Übergabe. „Auf der Fähre hatten wir keine Einparkprobleme, da hieß es einfach: Ich fassʼ vorne an, du hinten, und dann heben wir das hier in die Ecke.“ Und das Gepäck? Kam hinten auf der Motorhaube auf ein Gestell!

Ausfahrt am 1. Mai

Die Messerschmitt, die nun in der Classic-Garage den Fahrzeugbestand als kleinstes Auto ergänzt, ist eine Dauerleihgabe der Stendaler Kaschade-Stiftung. Es ist nicht das Original aus dem Besitz Kaschades, aber ein baugleiches. Für 20.000 Euro hat es die Stiftung im Westfälischen erworben. Das Gefährt mit dem Baujahr 1957, das für die beginnende Motorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg stehe, ist in beinahe einwandfreiem Zustand, wie Michael Trösken vom Classic-Garage-Verein erfreut feststellt. Viel gemacht werden müsse daran nicht mehr. „Es ist immer gleich der erste Blickfang, wenn Besucher hereinkommen.“

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Wichtig sei jetzt, dass man das historische Automobil noch angemeldet bekommt, so Trösken, „damit wir damit zum Saisonstart am 1. Mai fahren können“. Hans-Jürgen Kaschade steht dafür übrigens nicht zur Verfügung, wie er gleich abwinkend klarstellte. Obwohl er das mit den vier Vorwärts- und vier Rückwärtsgängen sicher wieder schnell draufhätte.

Vielleicht ließe sich ja Stiftungsbeiratsmitglied Juliane Kleemann dafür gewinnen. Auch sie hat eine gewisse Affinität zu motorisierten Fortbewegungsmitteln und fand angesichts des weinroten Dreirad-Autos die liebevolle Umschreibung „wie ein Faltboot auf Rädern“.

Geld für Lichtkunst und Literatur

Nun, das wird sich finden. Alltäglich ist es jedenfalls nicht, dass die Kaschade-Stiftung ein Auto spendiert. Aber es passt durchaus zu ihrem Gesamtanliegen, Kultur, Kunst, Bildung und Wissenschaft in der Region zu fördern. Im laufenden Jahr sind dies im Wesentlichen wieder Vorhaben, die auch voriges Jahr schon bedacht wurden. Aus dem Stiftungsvermögen von rund 1,67 Millionen Euro wurden 2018 zirka 97 .000 Euro ausgegeben. Feste Größen sind dabei die Hochschulkooperation und Studentenförderung, das Künstlerstipendium, die Kooperation mit der Comenius-Sekundarschule, „Jugend forscht“, Osterburger Literaturtage, Stendaler Lichttage und natürlich das ureigenste Projekt: die Büchertauschzentrale.