Stendal l Das Amtsgericht Stendal hat kürzlich drei im Seehäuser Krankenhaus angestellte Ärzte wegen fahrlässiger Körperverletzung zu Geldstrafen in Höhe von 13.500 Euro, 12.250 Euro und 5100 Euro verurteilt. Aus Persönlichkeitsschutzgründen seien hier weitere Daten zu den Angeklagten nicht genannt.

Die drei in leitender Position tätigen Mediziner haben laut Anklage eine an Darmkrebs erkrankte Frau in unterschiedlicher Tatbeteiligung unnötige Schmerzen erleiden lassen, indem sie wichtige Maßnahmen im Vorfeld eines chirurgischen Eingriffes unterließen beziehungsweise mangelnde Sorgfalt bei einer Operation walten ließen.

Ihr wurde demnach ein falsches Stück Darm entnommen; der Tumor war im Körper der Patientin verblieben. Die Frau musste infolgedessen ein zweites Mal operiert werden. Das Gericht folgte dem Antrag der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Stendal und erließ infolge unentschuldigter Abwesenheit der Angeklagten beim Prozess außergerichtlich per Strafbefehl die vorgenannte Gesamtgeldstrafe.

Angeklagte fehlen beim Prozess

So muss ein Arzt, dem in diesem Zusammenhang als Hauptbeteiligter gleich drei Taten zur Last gelegt wurden, 70 Tagessätze à 175 Euro (12.250 Euro) zahlen. Ein weiterer Arzt wurde zur Zahlung von 30 Tagessätzen à 170 Euro (5100 Euro) verurteilt.

Die in der Summe höchste Geldstrafe erhielt ein in der Krankenhaushierarchie höher angesiedelter Facharzt. Er muss 50 Tagessätze zu je 270 Euro (13.500 Euro) zahlen.

Die jeweilige Tagessatzhöhe errechnet sich aus einem Dreißigstel des Monatsnettoeinkommens der Angeklagten. Davon wurden etwaig bestehende Unterhaltspflichten für Ehefrau und Kinder von bis zu 35 Prozent des Einkommens abgezogen.

Im Ermittlungsverfahren hatten die Ärzte, die von drei Anwälten einer auf solche Fälle spezialisierten Potsdamer Kanzlei verteidigt wurden, keinerlei Einlassung abgegeben. Daraufhin hatte Richter Thomas Schulz den Prozesstermin anberaumt.

Im Vorfeld dessen hatten die Verteidiger signalisiert, dass ihre Mandanten dazu nicht erscheinen würden. So kam es denn auch. Selbst die zum Prozess ebenfalls geladenen Verteidiger fehlten. Scheinbar wollten die Angeklagten und ihre Anwälte jegliche Öffentlichkeit vermeiden, wurde gemunkelt.

Erneute Operation wurde notwendig

Allerdings hatten die Anwälte dem Gericht wie gefordert Einkommensnachweise ihrer Mandanten übersandt. Sonst hätte das Gericht das Einkommen der Ärzte schätzen müssen, was möglicherweise teurer für diese geworden wäre.

Was wurde ihnen konkret vorgeworfen: Bei der im Vorfeld einer Operation durchgeführten Koloskopie (Darmspiegelung) hätte der zuständige Arzt den Bereich, in dem sich der Tumor befindet, für den Operateur mit einem Kontrastmittel oder mit einer dafür vorgesehenen Klammer kennzeichnen müssen. Er unterließ dies aber und setzte damit eine Kette von weiteren Folgefehlern in Gang.

Bei der anschließenden Operation unterließ es der Operateur trotz fehlender Kennzeichnung offenbar, den Darm der Patientin noch einmal gründlich zu untersuchen. Ihr wurde ein nicht von Krebs befallenes Darmstück entnommen. Das hätte auch dem leitenden Arzt, dem drittem Angeklagten, auffallen müssen, hieß es vor Gericht.

Wie der Fehler letztlich aufgedeckt wurde, ist nicht erörtert worden. Die Patientin musste erneut operiert werden und erlitt unnötige Schmerzen.

Wie zu erfahren war, ist sie inzwischen verstorben, was aber wohl nicht den ärztlichen Kunstfehlern zuzurechnen sei. Wie die Volksstimme auf Nachfrage erfuhr, haben die Ärzte keinen Einspruch gegen die Strafbefehle eingelegt; die Geldstrafen sind damit rechtskräftig.